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Kieler Forschungsprojekt für den Erhalt eschenreicher Wälder von Vereinten Nationen ausgezeichnet

FraDiv ist offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Das Forschungsprojekt „FraDiv – Bedeutung des Eschentriebsterbens für die Biodiversität von Wäldern und Strategien zu ihrer Erhaltung“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wurde als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Am Freitag, 2. Oktober, überreichte Professor Hans-Rudolf Bork, Institut für Ökosystemforschung, die Urkunde im Waldgebiet „Neukoppel“ in Lindau bei Eckernförde, stellvertretend für UN-Dekade-Botschafter Dirk Steffens. Der ZDF-Moderator, der kurzfristig nicht persönlich vor Ort sein konnte, gratulierte dem FraDiv-Team per Videobotschaft und betonte, wie wichtig gerade der regionale Einsatz für die Biodiversität sei.

Geleitet wird das Forschungsprojekt zum Erhalt eschenreicher Waldökosysteme gemeinsam von Professorin Alexandra Erfmeier und Professor Joachim Schrautzer vom Institut für Ökosystemforschung an der Uni Kiel. Für sie bedeutet die Auszeichnung eine besondere Würdigung ihres Modellprojekts, in dem die Wissenschaft mit der Forstpraxis zusammengebracht werden soll und so noch konkretere Strategien für den Naturschutz entwickelt werden können. „Wer die hochkomplexe Biologische Vielfalt erhalten will, muss zunächst verstehen, was sie ausmacht, wie sie zustande kommt und inwiefern sie heute durch den voranschreitenden globalen Wandel gefährdet ist“, erklärt Erfmeier. „Im zweiten Schritt leistet dann der direkte Transfer neuer Forschungserkenntnisse in die Praxis einen entscheidenden Beitrag für den langfristigen Erhalt der bedrohten Wälder“, ergänzt Schrautzer.

Das Forschungsprojekt FraDiv

Kranke Esche
© Anna-Kristina Pries, Uni Kiel

Eine junge Esche mit Pilzbefall. Das Falsche Weiße Stängelbecherchen, Hymenoscyphus fraxineus, breitet sich seit den neunziger Jahren in Deutschland und Europa aus.

Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands und beherbergen zahlreiche Pflanzen- und Pilzarten. Aktuell sind viele dieser Lebensräume und symbiotischen Lebensgemeinschaften durch das europaweite Eschentriebsterben bedroht. Verursacht wird die Krankheit durch einen invasiven Pilz aus Asien, der die Blätter verwelken und die jungen Triebe absterben lässt. Ziel des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt angesiedelten Projektes FraDiv ist es deshalb, Maßnahmen zur Erhaltung der schleswig-holsteinischen Eschenwälder zu entwickeln. Dafür dokumentiert das Forschungsteam die Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf die Artenvielfalt, untersucht ökologische Fragen zur Befallssituation der Esche und erarbeitet waldbauliche Empfehlungen für den langfristigen Erhalt der Biodiversität. Die Zusammenarbeit in einem Netzwerk aus Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern wie den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Privatpersonen und kommunalen Wäldern sichert den wichtigen Wissenstransfer in die Forstpraxis.

UN-Dekade Biologische Vielfalt

Preis der UN-Dekade
© Anna-Kristina Pries, Uni Kiel

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken.

„Biologische Vielfalt“ umfasst die Vielzahl der Tier- und Pflanzenarten sowie der Mikroorganismen und Pilze. Aber auch die verschiedenen Lebensräume und komplexe ökologische Wechselwirkungen sind Teil der biologischen Vielfalt. Biodiversität ist die Voraussetzung für das Funktionieren der Ökosysteme mit ihren verschiedenen Ökosystemleistungen.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können. Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind.

Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mehr Informationen zu FraDiv

gruppenbild
© Anna-Kristina Pries, Uni Kiel

Von links nach rechts: Hans-Rudolf Bork, Laudator, Alexandra Erfmeier und Joachim Schrautzer, Projektleitung FraDiv, Katharina Mausolf, wissenschaftliche Koordinatorin.

Videobotschaft des UN-Dekade-Botschafters Dirk Steffens:

Bitte beachten Sie: Sobald Sie sich das Video ansehen, werden Informationen darüber an Youtube/Google übermittelt. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Google Datenschutzerklärung.

Mehr zum Forschungsprojekt FraDiv:

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verschiedene Pilzarten
Frau Erfmeier spricht
Kranke Esche
Junge Eschen
Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation