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Ismar Boas-Preis der Fachgesellschaft für Gastroenterologie für Dr. My-Lan Kha

DGVS-Promotionspreis geht an ehemalige CAU-Doktorandin für ihre hervorragende Dissertation zur Bauchspeicheldrüsenkrebs-Forschung im UKSH-Labor für Molekulare Gastroenterologie

Mit dem Ismar Boas-Preis zeichnet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) jährlich hervorragend bewertete Dissertationen zu Ursachen und Entwicklung von Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten aus. In diesem Jahr geht die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung an Dr. My-Lan Kha, ehemalige Doktorandin im Labor für Molekulare Gastroenterologie an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, unter Leitung von Prof. Dr. Heiner Schäfer vom Institut für Experimentelle Tumorforschung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Kha erhält den renommierten Preis für ihre Erforschung der Zusammenhänge zweier Transkriptionsfaktoren in Bauchspeicheldrüsen-Krebszellen unter dem Einfluss von oxidativem Stress, also der zellulären Reaktion auf einen Überfluss reaktiver Sauerstoffverbindungen, mit dem Tumorwachstum und der Entstehung von Behandlungsresistenzen.

Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) weist von allen Krebsarten eine der schlechtesten Überlebensraten auf. Während die Sterblichkeit dank verbesserter Präventions- und Therapiemöglichkeiten bei den meisten anderen Krebserkrankungen heute rückläufig ist, verzeichnet das PDAC weiterhin steigende Raten - vor allem verursacht durch die verhältnismäßige Zunahme des Anteils älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung. In ihrer Dissertation untersuchte Kha, wie die beiden Transkriptionsfaktoren Nrf2 und ATF3 mit der antioxidativen Stressantwort in Pankreaskarzinomzellen zusammenhängen und wie sich dies auf das Wachstum des Tumors auswirkt. Beide Transkriptionsfaktoren - dabei handelt es sich um bestimmte Proteine, die an der Vervielfältigung der Erbinformationen mitwirken - können gegenläufige Effekte auf die Tumorentstehung haben, also das Krebswachstum fördern oder hemmen. Unter oxidativem Stress, der beispielsweise durch Entzündungen ausgelöst werden kann, überwiegen allerdings die tumorfördernden Reaktionen. Dies liegt unter anderem daran, dass unter diesen Bedingungen bestimmte protumorigene, also krebsfördernde Varianten der Transkriptionsfaktoren begünstigt werden. Diese sorgen zum Beispiel dafür, dass der programmierte Zelltod gehemmt wird, was die Ausbreitung von Krebszellen unterstützt.

Diese ungünstige Konstellation zeigt sich dann in einem verstärkten Tumorwachstum und der möglichen Entstehung von Behandlungsresistenzen der Krebszellen, zum Beispiel gegen Chemotherapeutika. Die Identifizierung der mit dem Zusammenspiel von Nrf2 und ATF3 einhergehenden Mechanismen hilft einerseits dabei, die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs und ihre Verknüpfung mit Entzündungsprozessen zu verstehen. Andererseits eröffnet sich in der möglichen Beeinflussung dieser Faktoren eine vielversprechende Strategie für die Therapie des Pankreaskarzinoms. Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichte Dr. Kha gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen 2019 in der Fachzeitschrift Oncogene.

„Die Verleihung des Ismar Boas-Preises ist zunächst einmal eine wichtige und wohlverdiente persönliche Anerkennung für My-Lan Khas Arbeit“, betont ihr Doktorvater Professor Schäfer, Mitglied im „Kiel Oncology Network“ (KON) und im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI). „Diese besondere Auszeichnung bestätigt zudem unser Bestreben in der Kieler Onkologie, neue Behandlungsmöglichkeiten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln”, so Schäfer weiter.

„Ich gratuliere Dr. Kha herzlich zu diesem großartigen Erfolg! Ihre ausgezeichnete Dissertation zeigt eindrucksvoll, welche wichtige Rolle unsere Nachwuchsforschenden bei der Entwicklung neuartiger Diagnose- und Behandlungsstrategien im Rahmen des Kieler Krebsforschungsnetzwerks spielen“, sagt Professorin Susanne Sebens vom Institut für Experimentelle Tumorforschung an der CAU und KON-Sprecherin.

„Diese Auszeichnung ist nicht nur eine besondere Ehre sondern vor allem größte Motivation zur Fortführung meiner wissenschaftlichen Arbeit“, betont Dr. My-Lan Kha, Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und aktuell als Gastwissenschaftlerin am RIKEN Center for Integrative Medical Sciences in Japan tätig.

Über das Kiel Oncology Network (KON):
Das Kieler Krebsforschungsnetzwerk wurde 2013 als Bestandteil des CAU-Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science mit dem Ziel gegründet, die Forschungsaktivitäten möglichst vieler Grundlagen- und klinisch ausgerichteter Forschenden auf dem Gebiet der Onkologie zu vereinen und deren Zusammenarbeit zu fördern. KON umfasst damit ein breites Spektrum von langjährigen und exzellenten Expertisen im Bereich der Onkologie, u.a. Tumorbiologie, Genetik und Epigenetik, Immunologie, Pharmakologie, Pathologie, Strukturbiologie sowie modernste Bildgebungsverfahren. Die Vision von KON ist es, unter Nutzung von umfassenden und multidisziplinären Analysestrategien ein deutlich verbessertes Verständnis über alle wichtigen Schritte der Tumorevolution sowie Resistenzmechanismen gegenüber Krebstherapien zu erhalten. Dieses Wissen stellt die Grundlage für die Entwicklung innovativer Diagnose- und Therapiestrategien dar, um die Prognose und die Überlebenschancen von Krebspatientinnen und -patienten entscheidend zu verbessern.

Über den Ismar Boas-Preis:
Die DGVS möchte wissenschaftlich hochwertige Promotionsarbeiten würdigen und vergibt für herausragende Dissertationen den mit 5.000 € dotierten Ismar Boas-Preis. Ausgezeichnet werden können mit „sehr gut“ bewertete Dissertation auf dem Gebiet der Ätiologie und Pathogenese der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Der Namensgeber des Preises, Ismar Boas (1858 – 1938), war der erste Spezialarzt für Magen- und Darmkrankheiten und trug durch seine Initiativen entscheidend zur frühen Etablierung und Weiterentwicklung des neuen Fachgebietes Gastroenterologie bei. Wissenschaftlich befasste er sich eingehend mit der Pathophysiologie der Magenerkrankungen und mit der Bedeutung der Stuhluntersuchung auf okkultes Blut. Als Jude musste Boas 1936 aus Deutschland emigrieren.

Portrait einer Frau
© Zhujun Wang, RIKEN Center

Die diesjährige Ismar Boas-Preisträgerin Dr. My-Lan Kha, ehemalige Doktorandin im UKSH-Labor für Molekulare Gastroenterologie bei Prof. Schäfer.

Originalarbeit:

My-Lan Kha, Lisa Hesse, Florian Deisinger, Bence Sipos, Christoph Röcken, Alexander Arlt, Susanne Sebens, Ole Helm & Heiner Schäfer (2019): The antioxidant transcription factor Nrf2 modulates the stress response and phenotype of malignant as well as premalignant pancreatic ductal epithelial cells by inducing expression of the ATF3 splicing variant ΔZip2. OncogeneDOI: 10.1038/s41388-018-0518-3

Weitere Informationen:

Kontakt:

Prof. Dr. Heiner Schäfer
Labor für Molekulare Gastroenterologie
Klinik für Innere Medizin I,
Medizinische Fakultät, CAU Kiel / UKSH
0431 500 22410
hschaef@1med.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de