Kulturelle Räume | Geisteswissenschaft

Wandel der Gedenktraditionen

Internationale Tagung zur Erinnerungskultur des zweiten Weltkriegs in Osteuropa

Der Umgang mit dem Holocaust in Litauen, Kroatien und der Ukraine, seine museale Darstellung sowie Veränderungen in der Erinnerungskultur – mit diesen und weiteren Themen beschäftigen sich am 27. und 28. September die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Tagung „Zweiter Weltkrieg und Holocaust in den erinnerungspolitischen und öffentlichen Geschichtsdiskursen Ostmittel- und Osteuropas nach 1989/1991“. Organisiert wird die Konferenz von Dr. Paul Srodecki, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), gemeinsam mit Daria Kozlova, Doktorandin am Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

„Die erinnerungspolitische Aufarbeitung des Holocausts wurde in der Sowjetunion, den sozialistischen Satellitenstaaten und in Jugoslawien weitgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs herausgenommen“, sagt Paul Srodecki. „Das Thema der Mitschuld oder Mitbeteiligung am Holocaust wird immer noch in weiten Teilen Ostmittel- und Osteuropas tabuisiert oder sogar vom Staat unter Strafe gestellt, wie etwa das polnische Holocaust-Gesetz von 2018 zeigt.“ Damit greife die Konferenz ein sehr aktuelles Thema auf. Zudem wage sie einen ersten länderübergreifenden Vergleich der erinnerungskulturellen und –politischen Umbrüche am Beispiel des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts in Ostmittel- und Osteuropa.

Im Rahmen der Fachtagung soll das Thema bewusst aus einer ostmittel- und osteuropäischen Perspektive betrachtet werden – und nicht wie so oft aus einer westlichen. Im Mittelpunkt steht die erinnerungspolitische Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs vor dem Hintergrund der wieder spürbar erstarkenden nationalistisch-paternalistischen Strömungen. Auch die öffentliche Wahrnehmung der erinnerungskulturellen Umbrüche nach 1989/1991 soll thematisiert werden. Hat nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Beginn des politischen Wandels in den frühen 1990er Jahren eine Veränderung der Erinnerung an die Zeit von 1939 bis 1945 stattgefunden? Wie ist die Erinnerung an den Zweiten Krieg und den Holocaust in von rechtsnationalen Parteien dominierten Staaten geprägt?

„Wir freuen uns, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl aus Deutschland als auch aus Tschechien, Georgien, Ungarn, Polen, Belarus und der Ukraine für die Konferenz gewonnen zu haben“, sagt Daria Kozlova. „So erhalten wir vielseitige Einblicke aus erster Hand.“ Die Konferenz ist bewusst als interdisziplinäres Treffen konzipiert, das die von einer besonderen politischen Aktualität geprägten Fragen mittels historischer, politikwissenschaftlicher, soziologischer und kulturwissenschaftlicher Zugänge beleuchten und die Ergebnisse vergleichend gegenüberstellen soll.

Die Tagung ist allen Interessierten frei zugänglich, eine Anmeldung per E-Mail unter daria.kozlova@uni-jena.de ist erforderlich. Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Die Konferenz wird veranstaltet durch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Abteilung für Osteuropäische Geschichte, und die Friedrich-Schiller-Universität Jena, Historisches Institut, in Kooperation mit dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa (IKGN) e.V. – Nordost-Institut, der Deutschen Stiftung Friedensforschung Osnabrück und dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung – Institut der Leibniz-Gemeinschaft in Marburg. Das IKGN wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Das Wichtigste in Kürze:
Was: Tagung „Zweiter Weltkrieg und Holocaust in den erinnerungspolitischen und öffentlichen Geschichtsdiskursen Ostmittel- und Osteuropas nach 1989/1991“
Wann: 27. und 28.9.2019
Wo: Internationales Begegnungszentrum (IBZ) der CAU, Kiellinie 5, 24105 Kiel
Tagungsprogramm: www.academia.edu/40308126
Anmeldung: daria.kozlova@uni-jena.de

Kontakt:
Dr. Paul Srodecki
Historisches Seminar
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
0431/880-3451
srodecki@oeg.uni-kiel.de

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