Namen | Naturwissenschaft & Mathematik

Wolfgang Hackbusch erhält höchstdotierten Mathematikpreis in Deutschland

Ehemaliger Kieler Professor ausgezeichnet

Die Carl-Friedrich-von-Siemens Stiftung hat am 27. November 2020 den Heinz-Gumin-Preis für Mathematik an Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Hackbusch verliehen. Der Wissenschaftler ist emeritierter Direktor des Leipziger Max-Planck-Instituts für Mathematik in den Naturwissenschaften und ehemaliger Professor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), wo er viele Jahre am früheren Institut für Informatik und Praktische Mathematik (Mathematisches Seminar Bereich II) tätig war. Der Heinz-Gumin-Preis ist mit 50.000 Euro der in Deutschland am höchsten dotierte Preis für Mathematik. Mit der Auszeichnung werden Hackbuschs bahnbrechende Beiträge zu dem Gebiet der numerischen Mathematik gewürdigt, zu denen die Entwicklung und mathematische Analyse der Mehrgitterverfahren, der hierarchischen Matrizen und der Tensor-Verfahren für hochdimensionale Probleme zählen.

Mehrgitterverfahren erlauben es, sehr große Gleichungssysteme zu lösen, die beispielsweise bei der Behandlung partieller Differentialgleichungen auftreten. Damit wird es möglich, sehr anspruchsvolle Simulationen etwa im Bereich der Strömungs- und Strukturmechanik oder der elektromagnetischen Felder durchzuführen. Hackbuschs Forschung beschäftigt sich mit der Konvergenzanalyse der Verfahren und mit der Untersuchung ihres Rechenaufwands. Hierarchische Matrizen bieten eine effiziente Darstellung vollbesetzter Matrizen, die beispielsweise bei der Behandlung von Integralgleichungen auftreten, aber auch in Gestalt der Lösungsoperatoren elliptischer partieller Differentialgleichungen. Hierarchische Matrizen lassen sich sehr flexibel einsetzen, beispielsweise für das Lösen linearer Gleichungssysteme, aber auch für die Behandlung von Matrixgleichungen aus der Steuerungstheorie und die Approximation von Matrixfunktionen. Der Mathematiker hat diese Technik maßgeblich entwickelt und grundlegende Beiträge zu der Analyse der Approximationsfehler, des Speicheraufwands und des Rechenbedarfs geleistet. Tensoren-Darstellungen bieten die Möglichkeit, Funktionen auf sehr hochdimensionalen Definitionsmengen zu approximieren, die beispielsweise in der Quantenchemie eine wichtige Rolle spielen. Durch den Einsatz geeigneter Algorithmen wird es möglich, den "Fluch der Dimension" zu umgehen oder abzuschwächen und Rechenaufwand und Speicherbedarf sehr stark zu reduzieren. Dadurch werden Probleme numerisch erschlossen, die zuvor nicht oder nur unter erheblichem Aufwand behandelt werden konnten.

Neben dem Heinz Gumin Preis wurde Wolfgang Hackbusch im Jahr 1994 mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet und im Jahr 1996 mit der Brouwer-Medaille der Niederländischen Mathematischen Gesellschaft. Im Jahr 2000 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bochum verliehen. Der Wissenschaflter ist Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Das Mathematische Seminar und das Institut der Informatik der CAU gratulieren Herrn Hackbusch herzlich.

Porträtfoto.
© Medialoge

Preisträger Professor Wolfgang Hackbusch.

Kontakt:

Dr. Hannes Kerber
Carl Friedrich von Siemens Stiftung
089/17803316
info@cfvss.com

Pressekontakt:

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation