Kieler Innovationsraum für blaue Bioökonomie erhält europäische Auszeichnung

Der Kieler Innovationsraum Bioökonomie auf Marinen Standorten (BaMS) erhält das Bronze-Zertifikat für exzellentes Management. Verliehen wurde die Auszeichnung am 16. Dezember vom europäischen Sekretariat für Cluster-Analyse (englisch: European Secretariat for Cluster Analysis, ESCA) für herausragende Leistungen in der Entwicklung von professionellen Führungs- und Dienstleistungsangeboten. Damit gehört BaMS, das von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) koordiniert wird, zu einer Spitzengruppe von bundesweit drei Innovationsclustern aus dem Bereich der Lebensmittel- und Agrartechnik, die ein solches Zertifikat erlangt haben. BaMS unterstützt seine Mitglieder aus Wissenschaft und Industrie bei der Entwicklung von innovativen Anwendungen für die nachhaltige Nutzung von Meeresressourcen. In den vergangenen 15 Monaten konnten insgesamt rund 9,8 Millionen Euro in angewandte Forschungsprojekte investiert werden.

Am 16. Dezember nahm Dr. Stefan Meyer, Koordinator des Innovationsraum BaMS an der CAU, das Bronze-Zertifikat stellvertretend für die 37 Mitglieder entgegen und bedankte sich beim europäischen Sekretariat für Cluster-Analyse für die Auszeichnung. „Unsere Mitglieder und das Managementteam haben in den vergangenen 15 Monaten bewiesen, dass Forschung und Entwicklung für mehr Nachhaltigkeit in der Produktion von Lebensmitteln und Agrartechnologien ein Zukunftsfeld sind, mit dem neue Märkte erschlossen werden können. Unsere Mitglieder konnten dank der finanziellen Unterstützung durch den Bund erfolgreich acht neue Forschungsvorhaben umsetzen,“ führt Meyer aus.

Zu den Ergebnissen der vergangenen Monate gehört etwa die Entwicklung eines mehrstufigen Extraktionsverfahrens zur Gewinnung von marinen Zuckerverbindungen aus Zuckertang, an dem die Kieler Firma OceanBasis GmbH und das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit weiteren Partnern beteiligt sind. Mit Hilfe dieses Verfahrens lassen sich aus dem natürlichen Rohstoff Alge neue Inhaltsstoffe für Hautcremes und den Laborhandel gewinnen. Die umweltschonende Produktion ist dabei so konzipiert, dass auch bei der Produktion anfallende Reststoffe vollständig verwertet werden können.

Ein weiteres Beispiel mit den Rohstoffen Muscheln und Algen ist eine neu entwickelte Anwendung der Gesellschaft für Marine Aquakultur mbH aus Büsum und der Fraunhofer Einrichtung für Marine Biotechnologie aus Lübeck. Aus bisher nicht genutzten Reststoffen aus der Muschelfischerei und der Verarbeitung von Algen für die Kosmetikindustrie stellen die Partner Rezepturen für Fischfutter für Aquakulturen oder für Algenpesto als schmackhaften Brotaufstrich her.

„Die aktuellen Forschungsprojekte sind die Basis für die weitere, strategische Entwicklung unseres Innovationsraumes in der Region Kiel und ganz Norddeutschland. Wir wollen durch die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten unsere Mitglieder unterstützen, ihre Position auf dem Markt zu behaupten,“ erklärt Meyer.

Darüber hinaus engagiert sich der Innovationsraum für Start-ups aus Schleswig-Holstein und Norddeutschland, die in der Branche Fuß fassen wollen. Mitglieder von BaMS haben dazu einen Unternehmens-Akzelerator ins Leben gerufen, der von der Firma Coastal Research and Management in Kiel geleitet wird. Die an diesem Akzelerator beteiligten Firmen und Forschungseinrichtungen bringen Fachwissen aus den Bereichen Aquakultur, Umwelt- und Nachhaltigkeitsanalyse und Unternehmensberatung in den Verbund ein. Damit sollen vor allem Impulse für den Aufbau einer diversen Branchenstruktur gesetzt werden.

„In Krisenzeiten ist es wichtig zu erkennen, dass durch die enge Zusammenarbeit zwischen innovativen Unternehmen und Forschungseinrichtungen langfristige und qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden. Insbesondere die deutsche Agrar- und Lebensmittelbranche ist auf Innovationen angewiesen, um den Herausforderungen des Klimawandels und den Erwartungen von Verbrauchern gerecht zu werden. Dazu kann unser Innovationsraum Bioökonomie auf Marinen Standorten einen entscheidenden Beitrag leisten“, stellt Meyer fest.

Hintergrund

Der Innovationsraum Bioökonomie auf Marinen Standorten vereint 37 Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus Norddeutschland, die an innovativen Techniken, Produkten und Dienstleistungen für die blaue Bioökonomie forschen. Zu den wichtigsten Rohstoffen zählen alle Formen von blauer Biomasse, unter anderem Algen, Fische, Muscheln und andere Wasserorganismen. Die Mitglieder stellen hieraus Lebensmittel, Kosmetika, Futtermittel und Ausgangsstoffe für die Landwirtschaft her. Ziel ist es dabei, Rohstoffe und anfallende Reststoffe effizient zu verwerten und durch neue Produktions- und Verarbeitungsverfahren Kreisläufe zu schießen. Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) leitet den Innovationsraum und unterstützt das Management durch Personal und Infrastruktur. Der Innovationsraum ist als eingetragener Verein mit Sitz in Kiel organisiert. Interessierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen können dem Innovationsraum beitreten und mit den anderen Mitgliedern Projekte und Kooperationsvorhaben durchführen.

Kontakt:

Dr. Stefan Meyer
Bioökonomie auf Marinen Standorten e.V.
0431/5560-4990
 0174/600-4455
smeyer@bams.uni-kiel.de
www.blaue-biooekonomie.de

Illustration mit der Überschrift "Bioökonomie auf Marinen Standorten (BaMS)"
© Christian Ridder

Der Innovationsraum Bioökonomie auf Marinen Standorten schließt Stoff- und Energiekreisläufe der Produktion und Verarbeitung von Algen, Muscheln, Fischen und anderen blauen Biomassen in Norddeutschland. Die Zusammenhänge zwischen diesen Themen lassen sich als strategische Landkarte darstellen.

Porträtfoto eines Mannes, der ein Schild mit Aufschrift in den Händen hält.
© Dr. Stefan Meyer

Dr. Stefan Meyer, Koordinator des Innovationsraums Bioökonomie auf Marinen Standorten (BaMS), präsentiert das Bronze-Zertifikat des Europäischen Sekretariat für Cluster-Analyse.

Über Kiel Marine Science (KMS)

Kiel Marine Science (KMS), das Zentrum für interdisziplinäre Meereswissenschaften an der CAU widmet sich der interdisziplinären Erforschung der Meere an der Schnittstelle von Mensch und Ozean. Dabei bündeln die Forschenden ihre Expertise aus unterschiedlichen natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen und untersuchen die Risiken und Chancen, die das Meer für den Menschen bereithält und bilden die nächste Generation fachübergreifend aus. Gemeinsam mit Akteuren außerhalb der Wissenschaft arbeiten sie weltweit und transdisziplinär an Lösungen für eine nachhaltige Nutzung und den Schutz des Ozeans.

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Pressekontakt:

Friederike Balzereit
Wissenschaftskommunikation | Öffentlichkeitsarbeit | Kiel Marine Sciences (KMS) | Future Ocean Netzwerk