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Blattwachse geben Aufschluss zu Klimaveränderungen vor etwa 4.200 Jahren

Sonderforschungsbereich der CAU veröffentlicht Studie zu klimatischer Anomalie im Mittelmeerraum

Im Zeitraum vor etwa 3.800 bis 4.400 Jahren wurde der Mittelmeerraum von einer weitreichenden Dürreperiode mit zum Teil gravierenden Auswirkungen für die damaligen Zivilisationen bedroht. Diese klimatische Anomalie ist in der archäologischen und paläoklimatischen Literatur auch als „4,2 ka Event“ bekannt. Bislang standen vor allem die räumliche und zeitliche Ausprägung dieses möglicherweise weltweiten Ereignisses im Fokus intensiver Forschung. Die Triebkräfte dieser klimatischen Anomalie im Mittelmeerraum lagen jedoch weitestgehend im Dunkeln. Nun sind sie Gegenstand einer am Mittwoch, 23. Dezember, in der Online-Zeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1266 „TransformationsDimensionen“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Um den Treiber des 4,2 ka Events genauer zu untersuchen wurden geochemische Analysen an Blattwachsen aus einem marinen Sedimentkern in der Alboransee südlich der Iberischen Halbinsel durchgeführt. „Das Klima im Mittelmeerraum zeichnet sich durch eine ausgeprägte Saisonalität zwischen Sommer- und Wintermonaten aus“, erläutert Dr. Julien Schirrmacher, Postdoktorand im SFB 1266, „vor diesem Hintergrund ist eine Analyse an Blattwachsen von Landpflanzen ideal, da sie Aufschluss über die klimatischen Triebkräfte sogar auf saisonaler Ebene geben können“.

Bisheriger Stand der Forschung war, dass ein atlantischer Treiber, die sogenannte Nordatlantische Oszillation (NAO), für die Dürreperiode im Rahmen des 4,2 ka Events verantwortlich war. Die NAO beeinflusst im westlichen Mittelmeerraum hauptsächlich die Niederschlagsverteilung in Wintermonaten. Die veröffentliche Studie verdeutlicht jedoch, dass die Dürreperiode vor allem während der Sommermonate ausgeprägt war. Darüber hinaus zeigten die Analysen, dass die ausgeprägte Sommerdürre während des 4,2 ka Events vermutlich auf eine Abschwächung des mediterranen Einflusses auf der südlichen Iberischen Halbinsel zurückzuführen ist. Eine besondere Rolle dabei spielte offenbar die Westmediterrane Oszillation (WeMO). Ist der Luftdruck auf der südlichen Iberischen Halbinsel niedriger als in Norditalien, so befindet sich dieser Treiber in einer negativen Phase, und es treten vermehrt warme Ostwinde auf. Diese verringern den Temperaturunterschied zwischen Land und Ozean. Daraus kann im Untersuchungsgebiet ein Rückgang der Sommerniederschläge resultieren, die das Risiko für Sommerdürren erhöhen wie sie im 4,2 ka Event belegt sind.

Originalpublikation:

Schirrmacher J., Andersen N., Schneider R. R., Weinelt M. (2020), Fossil leaf wax hydrogen isotopes reveal variability of Atlantic and Mediterranean climate forcing on the southeast Iberian Peninsula between 6000 to 3000 cal. BP. PLOS ONE. Doi: 10.1371/journal.pone.0243662
https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0243662

Landkarte Mittelmeerraum
© SFB 1266

Einflussgebiete und Hauptwindrichtungen der aktuellen klimatischen Triebkräfte auf der iberischen Halbinsel. Während des 4,2 ka Events herrschten mutmaßlich warme Ostwinde begünstigt durch eine negative Westmediterrane Oszillation (WeMO-) vor (überarbeitet nach Schirrmacher et al. 2020, Fig. 2).

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Julien Schirrmacher
SFB 1266 „TransformationsDimensionen“
Institut für Ur- und Frühgeschichte
jschirrmacher@sfb1266.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Dr. Anna E. Reuter
SFB 1266 „TransformationsDimensionen“
Institut für Ur- und Frühgeschichte
areuter@sfb1266.uni-kiel.de