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Einflussreiche Wissenschaftler der Universität Kiel

Der Schmerzforscher Ralf Baron und der Spezialist für Leistungselektronik Marco Liserre zählen auch 2019 wieder zu den am häufigsten zitierten Forschenden weltweit.

In der Liste der "Highly Cited Researchers" führt der Datenkonzern Clarivate Analytics die weltweit einflussreichsten Forscherinnen und Forscher auf. 2019 standen 6.216 Namen auf dieser Liste. Es sind Personen, deren wissenschaftliche Veröffentlichungen außergewöhnlich oft in anderen Arbeiten zitiert werden. Je öfter eine Forscherin oder ein Forscher zitiert wird, desto grundlegender und wichtiger ist ihr oder sein Einfluss im jeweiligen Forschungsfeld. Das gilt 2019 für vier Professoren der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Ralf Baron, Marco Liserre, Axel Hauschild und Stefan Schreiber (siehe auch: Drei PMI-Clustermitglieder als „Highly Cited Researcher“ ausgezeichnet).

Ralf Baron: standardisierte Diagnosewerkzeuge und personalisierte Therapie bei neuropathischen Schmerzen

Professor Ralf Baron steht nach 2018 bereits zum zweiten Mal auf der Liste der „Highly Cited Researchers“. Diesen Erfolg führt er vor allem auf eine Gemeinschaftsleistung zurück: „Das gilt einerseits für unser Team hier in Kiel. Ich habe ein tolles, engagiertes Forschungsteam und den Erfolg haben wir zusammen erarbeitet. Und dann habe ich auch immer darauf gesetzt, in Netzwerken zu arbeiten“, erklärt der Kieler Experte für Nervenschmerzen.

Anfang der 2000er Jahre gründete Baron den „Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz“, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. „Innerhalb dieses deutschlandweiten Netzwerks haben wir große Datenbanken aufgebaut, und Patienten anhand ihrer Beschwerden genau charakterisiert.“ Dieses Netzwerk übertrug er auf ganz Europa und arbeitet mit allen Forschungsgruppen in Europa zusammen, die auf dem Gebiet Nervenschmerzen tätig sind. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: „Wir können jetzt Untergruppen von Patientinnen und Patienten mit Nervenschmerzen finden, die man wahrscheinlich spezifisch behandeln kann. Das geht in Richtung personalisierte Medizin im Schmerzbereich.“

Entwickelt wurden spezielle Techniken, sensorische Tests, mit deren Hilfe unterschiedliche Entstehungsmechanismen der Schmerzen erkannt werden. Die Ergebnisse der Tests helfen, die passende Therapie für Schmerzkranke auszuwählen.  Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat mittlerweile diese Techniken in ihre Leitlinien für klinische Studien aufgenommen. Das bedeutet, bei der klinischen Prüfung von neuen Wirkstoffen zur Behandlung von Nervenschmerzen wird empfohlen, diese Diagnose-Techniken angewandt werden. „Das ist ein Riesenerfolg“, betont Baron, der sich seit seiner Promotion am Physiologischen Institut der Uni Kiel für die Abläufe des Nervensystems interessiert.

Zur Person

Ralf Baron ist Professor für Neurologie an der CAU, Leiter der Sektion Neurologische Schmerzforschung und -therapie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein Campus Kiel. Seit rund 30 Jahren erforscht er die Mechanismen der Entstehung und Chronifizierung von Nervenschmerzen sowie die Therapie neuropathischer Schmerzsyndrome. Baron war Feodor Lynen-Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung an der Universität von Kalifornien, ist Mit-Herausgeber und Reviewer für zahlreiche medizinische Journale, wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und veröffentlichte gemeinsam mit seinem Forschungsteam über 330 Originalarbeiten, Übersichtsarbeiten und Buchbeiträge. Er ist Mitherausgeber des Buchs „Praktische Schmerztherapie“, das 2019 in der vierten Auflage erschienen ist. Seit 2001 ist Baron Sprecher des „Deutschen Forschungsverbunds Neuropathischer Schmerz“, der bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde und jetzt als gemeinnütziger eingetragener Verein, die medizinische Versorgung von Menschen mit Nervenschmerzen grundlegend verbessern möchte.

Über „Highly Cited Researchers“

Grundlage der Auswertung ist die Datenbank „Web of Science Core Collection“. Diese listet wissenschaftliche Artikel aus rund 21.000 Fachzeitschriften auf. Für die diesjährige Liste der „Highly Cited Researchers“ wurde der Zeitraum 2008 bis 2018 analysiert. Das Ranking ist ein wichtiger Indikator für den Einfluss wissenschaftlicher Publikationen, die zu dem meistzitierten ein Prozent ihres Fachs gehören. 2019 standen knapp 6.216 oder 0,1 Prozent der weltweit Forschenden aus 21 Forschungsfeldern auf der Liste.

Marco Liserre: Pionierforschung für effiziente Nutzung regenerativer Energien

Marco Liserre zählt seit Jahren zu den „Highly Cited Researchers" im Bereich Engineering, also Ingenieurwissenschaften. „Das ist natürlich eine Bestätigung für die eigene Forschung und macht Freude, aber das allein reicht nicht“, sagt der Professor für Leistungselektronik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Als Erklärung für das häufige Zitieren seiner Arbeiten führt er an: „Ich habe sehr früh begonnen, in dem Feld von regenerativen Energien zu forschen, und andere Forschungsgruppen haben meine Arbeit als Grundlagenarbeit genutzt.“

Bereits vor rund 20 Jahren interessierte sich der Elektroingenieur für Stromrichter mit Netzanschluss, die eine Verbindung von regenerativen Energiequellen mit dem Netz ermöglichen, und leistete damit Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Diese Systeme sind notwendig, um Energie aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu nutzen und effizient in elektrische Energie für den täglichen Bedarf umzuwandeln.

Mit zunehmender Bedeutung regenerativer Energien für die Energieversorgung stieg auch das Interesse an seinem Forschungsgebiet. Im Zuge des Ausbaus von Erneuerbaren Energien steigt die Anzahl dezentraler Energieproduzenten und -verbraucher wie Windkraftanlagen und Ladestationen. „Unsere konventionelle Infrastruktur ist nicht für bidirektionale Stromflüsse ausgelegt“, sagt Liserre. Zusammen mit seiner Arbeitsgruppe hat er einen leistungselektronischen Transformator entwickelt, der (dank Siliciumcarbid-(SiC) Technologie) ohne hohe Energieverluste Mittelspannung in Niederspannung umwandeln und dabei zusätzlich Gleichstromanschluss und Leistungsflusssteuerung ermöglicht. Die neuen Komponenten aus der Leistungselektronik könnten dazu beitragen, Strom bedarfsgerecht zu verteilen und so das Energienetz besser zu steuern sowie Überlastungen und Ausfällen entgegenzuwirken. Darüber hinaus forscht die Arbeitsgruppe von Liserre auf dem ebenfalls zukunftsträchtigen Gebiet der elektrischen Antriebe für die industrielle Automatisierung und Mobilität.

Zur Person

Marco Liserre war Professor in Italien und Dänemark bevor er den Lehrstuhl für Leistungselektronik an der CAU im September 2013 übernahm. Seit rund 20 Jahren arbeitet er im Bereich der Regenerativen Energien. Liserre hat über 450 technische Veröffentlichungen verfasst und ist Mitautor des Buches „Grid Converters for Photovoltaic and Wind Power Systems“, das auch ins Chinesische übersetzt wurde. Liserre ist Fellow des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) und bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Vom ISI Thomson (Institute for Scientific Information) wurde er in die Liste der 150 weltweit einflussreichsten Ingenieurwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aufgenommen. Für das Projekt HEART (The Highly Efficient and Reliable Smart Transformer) zur Erforschung eines intelligenten und flexiblen Stromnetzes erhielt Liserre 2014 zwei Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC). 2018 bekam er eine ERC-Förderung, um zentrale Entwicklungen aus dem Projekt zur Marktreife zu bringen.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Ralf Baron
Klinik für Neurologie, UKSH, Campus Kiel
Sektion Neurologische Schmerzforschung und -therapie
0431/500-23805
ralf.baron@uksh.de

Prof. Dr. Marco Liserre
Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik
Leistungselektronik
0431/880-6100
ml@tf.uni-kiel.de

Text:

Kerstin Nees

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation

Drei PMI-Clustermitglieder als „Highly Cited Researcher“ ausgezeichnet

Forschende des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“ zählen zu den weltweit am häufigsten zitierten Forschenden 2019

Einmal im Jahr analysiert die „Web of Science-Group“ des US-Unternehmens Clarivate Analytics die Bedeutung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angesichts ihrer Zitationsraten. Die „Highly Cited Researcher"-Liste beinhaltet diejenigen Forschenden, auf deren Arbeiten sich Fachkolleginnen und Fachkollegen weltweit am häufigsten in ihren eigenen Arbeiten bezogen haben. Nur diejenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die im letzten Jahrzehnt an mehreren der Top-ein-Prozent der meistzitierten Publikationen ihres Fachgebiets beteiligt waren, werden in den Kreis der „Highly Cited Researchers“ aufgenommen. In diesem Jahr sind das weltweit nur rund 6.200 Personen. 2019 zählen erneut drei Mitglieder des Exzellenzclusters „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen“ („Precision Medicine in Chronic Inflammation“, PMI) zu dieser Gruppe von Spitzenforschenden.

Zwei Mitglieder der Executive-Group des Exzellenzclusters PMI erscheinen 2019 zum wiederholten Mal auf der Liste: Stefan Niemann, Professor an der Universität zu Lübeck und Leiter der Forschungsgruppe Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie am Forschungszentrum Borstel, sowie PMI-Sprecher Stefan Schreiber, Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Direktor der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Beide sind in diesem Jahr in der sogenannten „Cross-Field“- Kategorie eingeordnet. Dort werden interdisziplinär Forschende mit erheblichem Einfluss in mehreren Bereichen ausgezeichnet. Zusätzlich gehört PMI-Clustermitglied Professor Axel Hauschild, Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe „Dermatologische Onkologie“ an der Hautklinik des UKSH, Campus Kiel, zu den meistzitierten Wissenschaftlern 2019. Er ist in der Kategorie Klinische Medizin („Clinical Medicine“) gelistet.

Für die Auswertung wurde der Zeitraum 2008 bis 2018 zugrunde gelegt und nach 21 Kategorien getrennt, sowie zusätzlich für die interdisziplinäre Leistung („Cross Field“) ausgewertet. Deutschland befindet sich mit insgesamt 327 erfolgreichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf Platz vier der Wissenschaftsstandorte, nach den USA, China und Großbritannien. Unter den rund 6.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind auch 23 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger.

Link zur Liste der am häufigsten zitierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

https://recognition.webofsciencegroup.com/awards/highly-cited/2019/

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Schreiber
Klinik für Innere Medizin I, UKSH
Institut für Klinische Molekularbiologie, CAU Kiel, UKSH
0431/500-15101
s.schreiber@mucosa.de

Prof. Stefan Niemann
Forschungsgruppe Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie
Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum
04537/188-7620
sniemann@fz-borstel.de

Prof. Axel Hauschild
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKSH
Arbeitsgruppe Dermatologische Onkologie
0431/500-21130
ahauschild@dermatology.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Frederike Buhse
0431/880 4682 
fbuhse@uv.uni-kiel.de  
https://precisionmedicine.de

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation