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Ab in die Grube

Spannende Erkundungen im Erdreich: Im neuen archäo:labor der Kieler Forschungswerkstatt können Kinder und Jugendliche Grabungen und Experimente rund um das Thema Archäologie durchführen.

Zwei Frauen mit Tonscherben
© Kieler Forschungswerkstatt

Echte Tonscherben finden Nachwuchs-Archäologinnen und -Archäologen in der Ausgrabungsstätte des archäo:labors. Dafür hat das Team Gefäße mit Mustern aus der Jungsteinzeit nachgetöpfert und zerschlagen.

Wie haben die Menschen in der Jungsteinzeit und in der Bronzezeit gelebt? Was haben sie gegessen, wie sahen ihre Häuser aus? Und wo versteckte sich dort die Toilette? Antworten auf diese und viele andere Fragen können Schülerinnen und Schüler von Klasse fünf bis sieben im archäo:labor der Kieler Forschungswerkstatt, dem gemeinsamen Schülerlabor der Kieler Universität und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), entdecken. Nach den Osterferien startet das Team des neuen Themenlabors in Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster ROOTS mit den Experimenten zum Thema Archäologie durch.

Ab in die Grube, heißt es auf dem Gelände des Botanischen Gartens der CAU. Neben dem Gebäude der Kieler Forschungswerkstatt wartet schon ein Grabungsfeld auf die Schulklassen. Unter einem Zeltdach, das die Nachwuchs-forscherinnen und -forscher sowie mögliche Fundstücke vor dem Wetter schützt, gehen die Kinder und Jugendlichen auf eine Entdeckungstour im Erdreich. Dabei benutzen sie Kellen, Siebe und Feldbuchrahmen, wie sie auch die Fachleute der Universität bei Ausgrabungen nutzen. »Im Grabungsfeld haben wir eine Reihe von Fundstücken platziert, die die Kinder und Jugendlichen finden und bestimmen können«, erzählt IPN-Mitarbeiterin Dr. Katrin Schöps, zuständig für das archäo:labor. Absolut detailreich hat das Team die Ausgrabungsstätte bestückt. Die Fachleute haben eigens für das Themenlabor Keramikgefäße nach steinzeitlichen Vorbildern getöpfert und kaputt geschlagen, um möglichst authentische Scherben zu bekommen.

Eine Feuerstelle im Grabungsfeld wurde mit verkohlten Resten von Pflanzen bestückt, in einer anderen Ecke finden sich Faserreste von Kleidungsstücken bronzezeitlicher Menschen, die aus einem imaginären Moor in der Nähe des Grabungsfeldes stammen.

»Aus all den Fundstücken können die Kinder und Jugendlichen mithilfe von Experimenten Rückschlüsse auf das Leben in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit ziehen, also zwischen ca. 4100 und 500 v. Chr. In der Jungsteinzeit wurden aus den Jägern und Sammlern sesshafte Bauern und Hirten«, erläutert Archäobotaniker Dr. Walter Dörfler vom Exzellenzcluster ROOTS an der Kieler Universität. In dem Exzellenzcluster arbeiten Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Naturwissenschaften sowie aus Lebens- und Ingenieurwissenschaften eng zusammen. Gemeinsam untersuchen sie soziale, kulturelle, ökologische und ökonomische Aspekte vergangener Gesellschaften.

»Die Ergebnisse unserer interdisziplinären Forschungsarbeit bilden die Grundlage für die inhaltliche Gestaltung des archäo:labors«, so Dörfler. So entstanden fünf Module rund um die menschlichen Grundbedürfnisse Behausung, Ernährung, Bekleidung, Umwelt und soziales Miteinander, die die Schulkassen in Kleingruppen durchlaufen. »Im Modul soziales Miteinander geht es um die Tonscherben, um die Keramiken sowie ihre Funktion in der Vergangenheit und der Gegenwart«, erklärt Dörfler. Die gefundenen Keramikscherben zeigen nicht nur, welche Gefäße die Menschen in Schleswig-Holstein nutzten, sondern deuten auf einen Austausch mit anderen Regionen hin.

Im Modul Umwelt werden Pollenproben analysiert. Wie Pollenexperte Dörfler erläutert, können die Schülerinnen und Schüler so Rückschlüsse auf bestimmte Pflanzenarten ziehen. Wie sah die Landschaft damals aus? Stand das Haus am Wald, in der Heide, oder gab es Ackerland? Und was bedeutet das für die Ernährung der Menschen?

Besonders spannend findet Schöps das Modul Behausung. Dafür hat das Team die Umrisse eines bei einer Grabung gefundenen, steinzeitlichen Hauses auf eine große Plane drucken lassen. Dunkle Stellen auf dem Boden deuten auf Hauspfosten und Wände, auf Feuerstellen sowie Abfallgruben hin. »Ein Badezimmer werden die Kinder hier jedoch vergeblich suchen«, lacht Schöps. »Die Frage nach dem Bad kommt immer.«

Die wichtigste Aufgabe jeder Nachwuchs-Archäologin oder jedes Nachwuchs-Archäologen ist jedoch die Dokumentation. »Egal ob bei der Ausgrabung, bei den Experimenten oder bei der Arbeit mit dem Mikroskop: Die Notizen über ihre Beobachtungen sind für Fachleute das A und O«, sagen Dörfler und Schöps. »Natürlich geht es bei uns primär um spannende Entdeckungen, aber eben auch um das Dokumentieren und das analytische, kritische Hinterfragen der Funde.« Eben das, was den Alltag der Forschenden an der Universität ausmacht. Im Rahmen von Lehrkräftefortbildungen wurden die Module bereits erprobt und warten nun auf Schulklassen.

Das Angebot des archäo:labors richtet sich zunächst an die Klassen fünf bis sieben von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Programme für höhere Klassenstufen befinden sich im Aufbau.

Autorin: Jennifer Ruske

 

Information und Kontakt:

www.forschungs-werkstatt.de
Tel. 0431 / 880-5916
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