Auszeichnung der Kieler Agrarwissenschaften geht an Rapszüchter

Bildunterschrift: Dr. Martin Frauen ist Träger der Johann-Heinrich-von-Thünen-Medaille 2012.
Foto: CAU/Kathrin Urban

Die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) verlieh heute (Donnerstag, 24. Mai) die Johann-Heinrich-von-Thünen-Medaille in Gold an den Pflanzenzüchter Dr. Martin Frauen für seine herausragenden Leistungen in der Rapszucht.

„Die Auszeichnung gilt einem engagierten und leidenschaftlichen Pflanzenzüchter, der die Landwirtschaft weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus maßgeblich mitgeprägt hat“, betonte Professorin Karin Schwarz, Dekanin der Fakultät. Der Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes, Werner Schwarz, fasste Frauens Forschungsverdienste in seiner Laudatio zusammen: „Martin Frauen hat herausragende Arbeit für die deutsche und internationale Rapszüchtung geleistet, denn die Ertragsstabilität und die Ölqualität unserer heutigen Sorten gehen maßgeblich auf sein Wirken zurück.“

Frauen, geboren 1951 in Heide, promovierte 1979 an der Universität Göttingen und

wurde 1982 Saatzuchtleiter der Norddeutschen Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG (NPZ) in Hohenlieth, deren Gesellschafter er seit 1990 ist. Unter Frauens Leitung entwickelte die NPZ zukunftsweisende Konzepte für die Züchtung von Ölraps, die maßgeblich zum großen Erfolg von Raps als Quelle hochwertiger Ernteprodukte beigetragen haben. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Verfahren, unter anderem die Genomforschung, führte Frauen durch zahlreiche Kooperationsprojekte mit der CAU und anderen Universitäten stets direkt in die züchterische Praxis. Auf diese Weise machte er die Landwirtschaft ergiebiger und schonte Ressourcen. So züchtet die NPZ seit 1995 zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Robustheit von Winterraps Sorten, die auf einem eigens entwickelten Hybridsystem basieren. Heute findet sich dieser Sortentyp in Deutschland auf 60 Prozent der gesamten Rapsanbaufläche, die 2012 insgesamt etwa 1,3 Millionen Hektar beträgt. Weltweit betrachtet, ist Raps heute vor der Sonnenblume die zweitwichtigste Ölpflanze nach Soja. Das Rapsöl dient dabei als Speiseöl und Energieträger, während Rapsschrot als Tierfuttermittel verwendet wird.

„Ich bedanke mich für diese Ehrung meiner Arbeit“, sagte Frauen bei der Verleihung und wies darauf hin, dass es für die Realisierung zukünftiger Zuchtziele wichtig sei, weiterhin freien Zugang zu genetischen Ressourcen zu haben und den Züchtungsvorbehalt zu erhalten. Eine große aktuelle Herausforderung für die Züchtung sei der Klimawandel, der mit Starkregen, Trockenheit, starkem Frost ohne Schnee, Sturm und Hagel einhergehe. Hierfür müssten schrittweise angepasste Sorten entwickelt werden. Die vorwettbewerbliche, öffentlich geförderte Gemeinschaftsforschung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei hierfür, so Frauen, von sehr hoher Bedeutung.

Die Johann-Heinrich-von-Thünen-Medaille wird alle zwei Jahre von der Agrar- und Ernährungs­wissenschaftlichen Fakultät der CAU an verdiente Persönlichkeiten der Agrarwirtschaft verliehen. Johann-Heinrich-von-Thünen (1783-1850) war ein deutscher Agrar- und Wirtschaftswissenschaftler, Sozialreformer und Landwirt, der theoretische Kenntnisse der Mathematik mit praktischen Erfahrungen aus seinem landwirtschaftlichen Musterbetrieb vereinte und wichtige Forschungseinrichtungen begründete.

Weitere Informationen:

Heinrich-Thünen-Medaille

zur NPZ: www.npz.de

Kontakt:

Prof. Dr. Karin Schwarz

Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät

Telefon: (0431) 880-257