Baukunst aus der Jungsteinzeit

Zwei Ochsen zogen einen nachgebauten jungsteinzeitlichen Wagen, der Feuersteine für das Megalithgrab lieferte.
Copyright: Dr. Tebke Böschen, CAU

Rund 60 interessierte Bürger, Studierende und Lehrende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zogen heute (14. Mai) sprichwörtlich an einem Strang, um Großes zu bewegen: Mitten auf dem Campus errichteten sie nur mit Muskelkraft und einfachen Hilfsmitteln ein Großsteingrab nach jungsteinzeitlichem Vorbild. Die tonnenschweren Decksteine zogen sie mit Hilfe eines hölzernen Schlittens über eine vorher aufgeschüttete Rampe auf die Seitensteine. Weiteres Baumaterial brachte ein Ochsenkarren der Arche Warder, der am Morgen mit einer Ladung Feuerstein in Flintbek gestartet war, auf den Christian-Albrechts-Platz. Nach Abschluss der Bauarbeiten deponierte CAU-Präsident Professor Lutz Kipp, begleitet von Delegationen befreundeter Hochschulen aus Polen und den Niederlanden, feierlich ein Keramikgefäß im Nachbau des Grabes.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher sahen bei den Bauarbeiten zu und nutzten das bunte Begleitprogramm, um sich im Bogenschießen zu versuchen oder um zu erfahren, wie sich unsere Vorfahren einst ernährten. Hierzu hatten Studierende des Instituts für Ur- und Frühgeschichte unter Leitung von Professorin Wiebke Kirleis eine Poster-Ausstellung konzipiert, die noch bis Freitag, 22. Mai, zu den üblichen Öffnungszeiten in der Mensa 1 am Westring zu sehen ist. Außerdem bietet das Studentenwerk Schleswig-Holstein dort am 19. und 20. Mai in Zusammenarbeit mit der Graduiertenschule Human Development in Landscapes ein jungsteinzeitliches Aktionsessen an: Am 19. Mai kommt Tafelspitz mit Bärlauch-Meerrettich Pesto und Gerstengrütze auf den Tisch, tags darauf steht Spanferkel mit Möhren-Zwiebel-Gemüse auf dem Speiseplan. An beiden Tagen wird als Dessert Apfelkompott mit Honig und Haselnüssen serviert.

„Dieses archäologische Experiment hat eindrucksvoll belegt, welchen Arbeitsaufwand jungsteinzeitliche Gesellschaften bereit waren, für ein Megalithgrab zu erbringen und welche Bedeutung einem solchen Grab folglich zukam“, erläutert Professor Johannes Müller, Organisator der Aktion. „Für unsere Studierenden war es außerdem eine tolle Gelegenheit, praktische Erfahrungen mit jungsteinzeitlichen Arbeitsmethoden zu sammeln“, ergänzt sein Kollege Dr. Walter Dörfler. Als Vorbild diente das Megalithgrab Wangels LA69, das Kieler Archäologinnen und Archäologen in den vergangenen Jahren in Ostholstein ausgegraben haben. Einst gab es in Norddeutschland bis zu 30.000 Großsteingräber, also zumeist aus Findlingen errichtete Kammern aus dem 37. bis 34. vorchristlichen Jahrhundert.

Kontakt:

Jirka Niklas Menke

Referent für Kommunikation und Projektmanagement

Graduiertenschule Human Development in Landscapes an der Universität Kiel

Tel: 0431 / 880-5924

Fax: 0431 / 880-5498

E-Mail: jmenke@gshdl.uni-kiel.de

Diese Veranstaltung fand im Rahmen des 350. Jubiläums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Über das ganze Jahr 2015 hinweg begeht die Kieler Universität ihren Geburtstag. Von Sportveranstaltungen über Konzerte, Ringvorlesungen und Ausstellungen bis hin zu Tagungen und Forschungsprojekten: Mit über 2000 Einzelterminen präsentiert sich die Landesuniversität von ihrer besten Seite und lädt alle Menschen ein, gemeinsam mit ihr das große Jubiläum zu begehen. Alle Informationen finden Sie unter www.uni-kiel.de/cau350.

Auch beim Campusfest "summa cum laude" am Freitag, 22. Mai, werden rund um das neu entstandene Megalithgrab zahlreiche Aktivitäten für Groß und Klein angeboten: www.cau350.uni-kiel.de/campusfest