Nanowissenschaft | Naturwissenschaft

Begeistert von Physik

Workshop an der Uni Kiel gibt 50 Schülerinnen einen Einblick in Studium und Wissenschaft

Die Begeisterung junger Frauen für Physik und Naturwissenschaft fördern, das ist das Ziel der Physik-Projekt-Tage an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Alle zwei Jahre sind Oberstufenschülerinnen aus ganz Schleswig-Holstein dazu eingeladen, vier Tage lang gemeinsam zu experimentieren und sich über Physik auszutauschen. Am vergangenen Samstag, 25. August, ging die diesjährige Veranstaltung mit einer Abschlusspräsentation vor Familien, Freunden, Lehrkräften und Interessierten zu Ende. Auch in diesem Jahr wurde sie wieder vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) unterstützt. Das Format, das bereits zum vierten Mal stattfand, ist als Beispiel für gelungene Gleichstellungsarbeit in den Instrumentenkasten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen worden.

Konzentriert hält die 18-jährige Lina eine Wärmebildkamera vor das sogenannte „Wärmehaus“. Im Inneren dieses Kastens leuchtet eine Lampe, von außen ist er mit verschiedenen Isolierungen beschichtet. Tiefrot verfärben sich auf dem kleinen Bildschirm die Stellen, an denen besonders viel Wärme ankommt. Die 17-jährige Silvia notiert die Ergebnisse. Das gehört genauso zu einem Experiment, wie die Ergebnisse gemeinsam mit anderen zu diskutieren. „Ein Physikstudium bedeutet viel Teamarbeit“, erklärt Physik-Doktorandin Jasmin Andersen. Sie leitet bei den Physik-Projekt-Tagen (PPT) das Projekt „Thermographie“. Hierbei werden mit Infrarotstrahlung die Grenzen menschlicher Wahrnehmung betrachtet, aus denen sich neue physikalische Untersuchungsmethoden ergeben können. Die 18-jährige Wiebke hat sich für das Projekt „Halbleiter“ entschieden. Sie ist bereits zum zweiten Mal bei den PPT dabei: „Von der Gesellschaft wird noch sehr stark das Bild vermittelt, dass Mädchen Physik und Mathe nicht mögen. Früher habe ich mich im Unterricht auch oft nicht getraut. Aber alles in unserer Umgebung ist Physik – das ist doch großartig!“

 

50 Schülerinnen nahmen in diesem Jahr an den PPT teil, rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende der Physik waren beteiligt. „Wir wollen direkte Einblicke in das Physikstudium und die Forschung geben“, fasst Dr. Franko Greiner zusammen. Er organisiert den Workshop zusammen mit Professor Dietmar Block. „Vor allem ist es uns wichtig, dass die Schülerinnen hier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler persönlich kennenlernen und sich von ihrer Begeisterung anstecken lassen.

So auch beim Projekt „Magnetfeldsensoren“, das in diesem Jahr zum ersten Mal bei den PPT angeboten wurde: Acht Schülerinnen bauten eigene Sensoren, die auf Magnetfelder reagieren. Im Physikunterricht hat das bisher keine von ihnen gemacht. Das eigenständige Arbeiten gefällt Lara (15) aus Neumünster besonders gut: „Wir können uns hier ganz frei ausprobieren.“ „Außerdem bekommt man eine Vorstellung, wie es an einer Universität abläuft“, ergänzt die 15-jährige Meret aus Timmendorfer Strand. In einer Uni ist sie zum ersten Mal, kann sich aber gut vorstellen, ein naturwissenschaftliches Fach zu studieren.

Den Hintergrund ihrer Versuche bildet hochaktuelle Forschung: Im SFB 1261 erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Sensoren für die medizinische Diagnostik, die Magnetströme von Herz oder Gehirn in Zukunft noch einfacher als bisher messen können. Dr. Daniel Laumann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am IPN hat die Forschungsinhalte mit seinen Kolleginnen und Kollegen didaktisch für die PPT-Tage aufbereitet. „Die Versuche, die wir hier entwickelt haben, sollen in Zukunft auch Lehrkräfte für ihren Schulunterricht benutzen können“, so der Physikdidaktiker. 

Greiner dankte vor allem den Kolleginnen und Kollegen für ihre ehrenamtliche Vorbereitung und Begleitung der Projekte: „Wir brauchen authentische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Lust haben, über ihre Begeisterung an der Physik Inhalte zu vermitteln. So entstehen echte Vorbilder für die Teilnehmerinnen.“

Die nächsten PPT finden voraussichtlich 2020 in der ersten Woche nach den Sommerferien statt.

Die PPT wurden in diesem Jahr durch den SFB 677 „Function by Switching“ und den SFB 1261 „Magnetoelectric Sensors: From Composite Materials to Biomagnetic Diagnostics“ und die Gleichstellungsbeauftragte der CAU im Rahmen des Professorenprogramms II gefördert.

Die Sonderforschungsbereiche 677 „Function by Switching“ und SFB 1261 „Magnetoelectric Sensors: From Composite Materials to Biomagnetic Diagnostics“ sind Teil des Forschungsschwerpunkt »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen auf www.kinsis.uni-kiel.de

Kontakt:

Dr. Franko Greiner
Tel.: 0431/880-3821
E-Mail: greiner@physik.uni-kiel.de

Pressekontakt:

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