Universität

Schleier-Richtlinie an der CAU

Angesichts des öffentlichen Interesses, das die Richtlinie des Präsidiums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zum Tragen eines Gesichtsschleiers (arab. niqāb) erfährt, erläuterte Vizepräsidentin Professorin Anja Pistor-Hatam heute (Dienstag, 19. Februar) noch einmal die Beweggründe für die Entscheidung: „Als Universität erkennen wir ausdrücklich die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Menschen an. Es ist deshalb für uns selbstverständlich, Diversität und Toleranz auf dem Campus zu fördern. Weil dies so ist, kann ich die Betroffenheit der Studentin in einer für sie persönlich wichtigen Angelegenheit zwar nachvollziehen, in der Sache vertritt das Präsidium allerdings eine andere Auffassung.“ Pistor-Hatam kündigte an, eine Handreichung für Lehrende vorzulegen. In dieser werden ihnen praktische Handlungsempfehlungen für die Umsetzung der Richtlinie gegeben.     

Im vorliegenden Fall, so Pistor-Hatam, musste das Präsidium aufgrund eines Anrufes durch einen Dozenten eine Grundsatzentscheidung treffen, wie mit der Frage der Verschleierung auf dem Campus umzugehen ist. Diese Frage trat an der CAU zum ersten Mal auf. Teil des Entscheidungsprozesses waren die rechtliche Prüfung des Sachverhaltes und mehrere Gespräche mit der betroffenen Studentin, an denen unter anderem ihr Ehemann und die beauftrage Person für Diversität an der CAU beteiligt waren. „In diesen Gesprächen haben wir sowohl persönliche als auch religiöse Beweggründe für die Verschleierung besprochen. In wichtigen Einzelfragen haben wir leider keinen Konsens erzeugen können. Als Universitätsleitung möchten wir noch einmal betonen, dass wir gemeinsam mit der Studentin eine Lösung gesucht haben, ihr Studium an der CAU fortzusetzen“, so Pistor-Hatam. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Studentin in Lehrveranstaltungen und damit verbundenen Beratungsgesprächen sowie in Prüfungen auf eine Vollverschleierung verzichte.

„Das Präsidium hält eine offene Kommunikation für eine Grundvoraussetzung von Lehre und Forschung. ‚Offen‘ bedeutet: unverhüllt. Da ein Gesichtsschleier diese offene Kommunikation behindert, darf dieser in Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Gesprächen, die sich auf Studium, Lehre und Beratung im weitesten Sinne beziehen, nicht getragen werden“, bekräftigte Pistor-Hatam die Entscheidung. Das Präsidium stützt sich dabei auf vergleichbare Regelungen in anderen Bundesländern sowie auf ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages. „Als Universität tragen wir in dieser Frage von öffentlichem Interesse eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Wir regen deshalb für das kommende Sommersemester eine öffentliche Diskussionsrunde zu Themen wie Toleranz und Diversität auf dem Campus an.“

Die Richtlinie ist einsehbar im Internet unter (PDF):

www.uni-kiel.de/gf-praesidium/de/recht/interne-richtlinien/richtlinie-gesichtsschleier

Handlungsleitlinien zum Umgang mit der Richtlinie (PDF):

Handlungsleitlinien