Eine Würdigung: Wolfgang Dreyer

Dr. Wolfgang Dreyer
© Uni KielDr. Wolfgang Dreyer

Dr. Wolfgang Dreyer, langjähriger Leiter des Zoologischen Museums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, ist am 19. Mai 2021 nach langer Krankheit im Alter von 73 Jahren viel zu früh verstorben.

Wolfgang Dreyer wurde 1948 in Erlangen geboren und studierte 1971-1976 Zoologie, Botanik, Humangenetik und Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach dem Studium wechselte er an die Universität Bayreuth, wo er 1980 seine Promotion am Lehrstuhl für Tierökologie abschloss. In seiner Dissertation beschäftigte sich Dreyer mit Insektenkomplexen von Heckenpflanzen. Nach der Promotion war er von 1980-1988 als Hochschulassistent am Lehrstuhl für Ökologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig und übernahm von 1988 bis 2014 die Leitung des Zoologischen Museums.

Unter Dr. Wolfgang Dreyers Leitung entwickelte sich das Zoologische Museum von einem schlecht besuchten „Altbau“ zu einer der führenden wissenschaftlichen Begegnungsstätten in Kiel. Es gelang ihm, den Museumsbau durch sensible Renovierungen zu einem hellen, lichtdurchfluteten Ort zu gestalten, der bis heute eine in Kiel einzigartige Raumwirkung hat. Seine inhaltliche Arbeit im Museum war von einem starken Vermittlungsgedanken geprägt. Wie der Begründer des Museums, Karl-August Möbius, wollte er „die Natur lesbar machen“. Grundlage waren dabei seine umfassenden Kenntnisse der einheimischen Fauna und Flora, die er sich schon in seiner Jugendzeit in und an den Gewässern des Erlanger Umlandes erworben hatte. Intensive Studien an Libellen und ihr Verhalten brachten Wolfgang Dreyer mit 18 Jahren den Bundessieg im Wettbewerb „Jugend forscht“ ein, gefolgt von Preisen für Naturfotografie und Stipendienangeboten.

Im Museum setzte er sein Wissen und seine Begeisterung in ein durchdachtes pädagogisches Konzept um. Mit Fördermitteln erreichte der Ökologe die Einrichtung eines pädagogischen Mikroskopie-Raumes für Kinder, ausgestattet mit hochwertiger Optik. Seine Museums-Führungen lebten von seinem Wissen, und seinem mitreißenden Erzählstil, mit dem er Generationen von Schülerinnen und Schülern begeisterte.

Unter seiner Leitung entstanden wirkungsvolle und erfolgreiche Ausstellungen, hervorzuheben sind hier die Wale Schleswig-Holsteins oder die Tiefsee-Ausstellung, sowie die historische Ausstellung „Where biology takes form“, die die 250 Jahre lange bedeutende Geschichte des Museums und der Kieler Meeresforschung beleuchtet. Sein Vermittlungsgedanke ging aber über das Museum hinaus. In Zusammenarbeit mit dem Zoologischen Institut der CAU Kiel begründete er 2009 den Darwin-Tag, eine Vortragsreihe, bei der bis heute jedes Jahr über 1300 Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe 2 aus ganz Schleswig-Holstein aktuelle Vorträge zum Thema Evolution hören.

Neben der Arbeit im Museum war Wolfgang Dreyer auch museumspolitisch aktiv. 2010 war er einer der maßgeblichen Mitbegründer und Triebfedern des Verbundes „Museen-am-Meer“, der zu einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen den Universitätsmuseen- und den Kieler Städtischen Museen führte. Der daraus hervorgegangene Museen-am Meer-Tag ist bis heute jedes Jahr eine gut besuchte Sonderveranstaltung der Kieler Museen.  Ebenfalls 2010 war er Mitbegründer des norddeutschen Museumsverbundes NORe, bei dem sich die 12 Sammlungen und Museen des Nord- und Ostseeraumes zu einer wissenschaftliche-musealen Kooperation zusammenschlossen, die inzwischen in die europäischen Musemsnetzwerk CETAF eingebunden ist und die mehrere erfolgreiche Forschungs- und Ausstellungsprojekte eingeworben hat.

Die Natur und ihre Wissensvermittlung war auch weit über die museale Arbeit lebensbestimmend für Wolfgang Dreyer. Dies resultierte in 27 Buchveröffentlichungen, die insgesamt in elf Sprachen übersetzt wurden. Sie umfassen Naturführer, Pflanzen- und Tierbestimmungswerke, aber auch Kräuterkunde und Kinderbücher. Seine Interessen gingen über die naturwissenschaftlichen Schwerpunkte hinaus. Neben interdisziplinären Projekten mit der Kunst hat Wolfgang Dreyer zum Beispiel auch Texte für die nordfriesische Musikgruppe Godewind verfasst.

Aufgrund seiner Verdienste um das Zoologische Museum war er Träger der Goldenen Universitätsnadel.

Mit Wolfgang Dreyer verlieren wir einen kenntnisreichen Naturwissenschaftler und Naturbeobachter, der durch seine engagierte Arbeit im Museum und in der Öffentlichkeit viel für die Sichtbarkeit der CAU in der Gesellschaft getan hat. Seine Freude am Erzählen und seine begeisternde Art, naturkundliches Wissen in Wort und Schrift zu vermitteln, wird uns sehr fehlen.