Emblem-Ausstellung in der Unibibliothek Kiel

Vom 14.7. bis 23.9.2004 ist in der Universitätsbibliothek Kiel (Leibnizstr. 9, 24118 Kiel) die Ausstellung "Mundus Symbolicus – Emblembücher aus der Sammlung Wolfgang J. Müller" zu sehen. Sie zeigt 34 Emblembücher des 16. bis 18. Jahrhunderts in deutscher, niederländischer, italienischer und lateinischer Sprache, die einen repräsentativen Überblick über die Entwicklung der Emblematik (Herkunft und Bedeutung von Sinnbildern) vermitteln. Die Bücher stammen aus dem Nachlass des 1993 verstorbenen Kieler Kunsthistorikers Professor Wolfgang J. Müller. Dr. Ingrid Höpel und Professor Ulrich Kuder vom Kunsthistorischen Institut organisieren die Schau, zu der es einen wissenschaftlichen Begleitband gibt. Interessierte haben die Möglichkeit, am Mittwoch, den 15.9., und am Donnerstag, den 16.9., jeweils um 18 Uhr, an einer kostenfreien Führung teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist die Auskunft der Universitätsbibliothek im Erdgeschoss. Die UB ist montags bis freitags von 9 bis 22 Uhr, samstags von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

Embleme sind Sinnbilder, die in der Regel aus einem Bild, einem Motto und einer erklärenden Beschreibung bestehen. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert wurden sie u. a. von katholischen und protestantischen Geistlichen angefertigt. Sie haben eine moralische, lehrhafte Bedeutung und dienten sowohl der Unterweisung des einfachen Volkes als auch der gebildeten Leute. Die Emblematik ist eine der wichtigsten Hilfswissenschaften, um Kunstwerke zu deuten.

Heute findet man Embleme häufig noch an Kirchenemporen, z.B. in Katharinenheerd auf Eiderstedt, aber auch in schleswig-holsteinischen Herrenhäusern, u. a. auf Gut Roest bei Kappeln und Gut Ludwigsburg bei Eckernförde. Die Schau in der UB stellt einige ausgewählte Beispiele dieser Motive in Fotografien vor. Eine Kostbarkeit der Ausstellung ist die Ausgabe des italienischen Rechtsgelehrten Andreas Alciatus von 1567, denn er gilt als der erste, der Embleme angefertigt hat.

Zur Ausstellung erscheint im August ein wissenschaftlicher Begleitband mit einem ausführlichen Bildregister, das alle in den 34 Büchern enthaltenen Darstellungen enthält.

Ulrich Kuder (Hrsg.): Mundus Symbolicus – Emblembücher aus der Sammlung Wolfgang J. Müller in der Universitätsbibliothek Kiel. Verlag Ludwig, 2004. ISBN 3-933598-96-6, Preis: ca. 49 Euro.

Zum Foto: Mundus Symbolicus (560 KB)

Copyright: Verlag Ludwig

Infos zum Bild: Titelkupfer des Emblembuches "Sinnbild-Kunst" von Johann Christoph Weigel, das wahrscheinlich vor 1726 in Nürnberg gedruckt wurde. Der Künstler ist unbekannt.

Das Bild stellt in komplexer ikonografischer Verschlüsselung die Sinnbildkunst, ihre Bestandteile, Quellen und Anwendungsbereiche dar. Es zeigt eine Gruppe von sinnbildlichen Figuren in der Landschaft. Zusammen mit der Beischrift macht das Titelblatt deutlich, dass das Buch als Anleitung für verschiedene Anwendungsbereiche der Emblematik sowie als Nachschlagewerk gedacht ist.

Beischrift auf dem Bild:

Viel nützende und erfindungen reichende Sinnbild-Kunst, oder Hieroglÿphische Bilder, Vorstellung der Tugenden, Laster, Gemüts=bewegungen, Künste und Wissenschaften, wodurch Rednern, Poeten, Mahlern, Bauverständigen, Bildhauern durch Zeichnungen, und einer kurtzen beschreibung Anlaß ihre Gedanken ferner auszuüben gegeben, oder bey gäh vorfallenden Gelegenheiten ihnen gnugsame Materi vor Augen gelegt wird, damit Sie sich nicht lang besinnen dörffen. Nürnberg verlegt und zu finden bey Johann Christoph Weigel, Kunsthändlern.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Kunsthistorisches Institut
Prof. Ulrich Kuder
0431/880-4630
Fax: 0431/880-462
kuder@email.uni-kiel.de