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Entscheidung in der Exzellenzstrategie

Die Universität Kiel gehört zu den 19 Spitzenuniversitäten in Deutschland

Am Donnerstag, 27. September, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn bekannt gegeben, welche Forschungsverbünde in den kommenden sieben Jahren im Zuge der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert werden. Darunter sind die zwei Anträge der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zur Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen („Precision Medicine in Chronic Inflammation“, PMI) und „ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“. Sie werden bis ins Jahr 2026 mit rund 100 Millionen Euro gefördert. Die schleswig-holsteinische Landesuniversität ist damit eine der 19 deutschen Spitzenuniversitäten, die zwei oder mehr Cluster bekommen und sich jetzt in der zweiten Förderlinie der Exzellenzstrategie um den Titel einer Exzellenzuniversität bewerben dürfen.

„Das ist ein Riesenerfolg, mit dem außerhalb unseres Landes vorher niemand gerechnet hätte“, kommentierte ein glücklicher CAU-Präsident Professor Lutz Kipp die Entscheidung. „Zunächst freuen wir uns riesig, dass zwei unserer Anträge durchgekommen sind. Wir gratulieren unseren Kolleginnen und Kollegen vom Entzündungscluster und ROOTS herzlich zu diesem sensationellen Ergebnis. Leider mischt sich ein Wermutstropfen in die Freude. Der Cluster ‚Future Ocean Sustainability‘ hat es nicht geschafft. Das ist bitter für die Kolleginnen und Kollegen. Die historisch mit unserer Universität verbundenen Meereswissenschaften bleiben Forschungsschwerpunkt an der CAU und weiterhin integraler Bestandteil der wissenschaftlichen Agenda unserer Universität und des Landes. Insgesamt bin ich begeistert von dem großen Einsatz aller Beteiligten. Ihnen gilt unser herzlicher Dank. Ein besonderer Dank geht an unseren Ministerpräsidenten Daniel Günther und unsere Wissenschaftsministerin Karin Prien. Beide haben sich persönlich sehr in die Antragsstellung eingebracht. Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Politik hat hervorragend funktioniert. Dieser Erfolg ist ein enormer Imagegewinn für unsere Stadt und unser Land.“

„Precision Medicine in Chronic Inflammation“ kommt

„Großer Jubel bei den Beteiligten des Exzellenzclusters ‚Inflammation at Interfaces‘ (Entzündungsforschung). Der Exzellenzcluster zur Entzündungsforschung hat in den vergangenen zehn Jahren in Kiel und Lübeck gemeinsam mit den Partnerinstitutionen in Plön und Borstel einzigartige Strukturen in der Forschung und der Krankenversorgung geschaffen und den biomedizinischen Standort Schleswig-Holstein nachhaltig verändert. Daran knüpft jetzt das Konzept zur Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen („Precision Medicine in Chronic Inflammation“, PMI) an. Der Antrag wurde hervorragend begutachtet und erhält ab 2019 Fördermittel. Der vielfältige Forschungsansatz, den der Entzündungscluster seit zehn Jahren sehr erfolgreich praktiziert hat, soll nun in seiner Interdisziplinarität auch in die Krankenversorgung übertragen werden. Das Ziel ist, Frühdiagnostik und präventive Intervention bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen voranzubringen und die Therapie zu verbessern. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschungen von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen sowie die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens. Dahinter steckt ein modernes Verständnis von Medizin: ganzheitlich und fächerübergreifend; präventiv statt reagierend, individuell, auf den einzelnen Patienten abgestimmt.“

 

ROOTS wird Exzellenzcluster

Die Initiatorinnen und Initiatoren des Antrags „ROOTS – Konnektivität von Gesellschaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten“ freuen sich über die Bewilligung des Exzellenzclusters. Der Cluster will die „Wurzeln“ sozialer, umweltbedingter und kultureller Phänomene und Prozesse anhand verschiedener sozialer, kultureller, ökologischer und ökonomischer Aspekte vergangener Gesellschaften untersuchen, um ein besseres Verständnis für gegenwärtige Herausforderungen und Krisen zu ermöglichen. „Dafür werden Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Naturwissenschaften sowie aus den Lebens- und Ingenieurwissenschaften eng zusammenarbeiten“, erklärt Professor Johannes Müller, Archäologe und Sprecher der Initiative. „Die Interdisziplinarität konnten wir bereits in den letzten zehn Jahren in der Graduiertenschule ‚Human Development in Landscapes‘ sowie der Johanna-Mestorf-Akademie erfolgreich ausbauen, sodass ein besonderer Anreiz für nationale und internationale Forscherinnen und Forscher geschaffen wird, nach Kiel zu kommen“, ergänzt die Klassische Archäologin Professorin Annette Haug. Auch der Geowissenschaftler Professor Wolfgang Rabbel freut sich: „ROOTS ermöglicht es uns, Spitzenforschung mit der Expertise erfahrener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiter auszubauen, Infrastrukturen dafür zu entwickeln und gleichzeitig das Profil der Kieler Uni zu schärfen.“

 

Kieler Meeresforschung hält auch ohne Exzellenzclusterförderung an integrativer Forschungsagenda fest

Der Antrag „Future Ocean Sustainability“ hat es zwar nicht unter die geförderten Anträge geschafft, dennoch blicken die Kieler Meeresforschenden zuversichtlich in die Zukunft. In den beiden Förderphasen (2006 bis 2018) des Exzellenzclusters „Future Ocean“ wurden in Kiel international sichtbare und erfolgreiche neue Professuren und Strukturen der Zusammenarbeit geschaffen. Die Meeresforschung am Standort Kiel ist mit dem fakultätsübergreifenden Schwerpunkt Kiel Marine Science (KMS) an der Universität Kiel und durch die enge Vernetzung mit den außeruniversitären Partnern, dem GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel, dem Institut für Weltwirtschaft (IfW) und der Muthesius Kunsthochschule auch weiterhin exzellent für die kommenden Herausforderungen in der integrativen Erforschung der Weltmeere aufgestellt.

„Auch in Zukunft wird – trotz erheblicher finanzieller Einschnitte – die interdisziplinäre Erforschung der Meere über alle Fakultäten der Uni Kiel und Institutionen sowie nichtwissenschaftlichen Partner hinweg ein wichtiger Pfeiler der Kieler Forschungsagenda bleiben,“ sagt Clustersprecher Professor Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der es sehr bedauert, dass der Exzellenzclusterantrag nicht die letzte Hürde nehmen konnte. Für die neue Forschungsagenda hin zu wissensbasierten Lösungsoptionen für eine nachhaltige Nutzung der Weltmeere im Rahmen der UN-2030-Agenda können die Kieler Meeresforschenden auch zukünftig auf eine breit gefächerte Kieler Expertise aufbauen. „Wir werden uns nun um zusätzliche Förderung im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms MARE:N, der europäischen Fördermöglichkeiten in HORIZON-Europe und in der Deutschen Allianz für Meeresforschung bewerben“, so Visbeck weiter.

Partner der CAU in der Exzellenzstrategie

  • Archäologisches Landesmuseum Schleswig (ALM)
  • Deutsches Elektronen-Synchrotron (DESY)
  • Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW)
  • GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Helmholtz-Zentrum Geesthacht – Zentrum für Material- und Küstenforschung (HZG)
  • Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW)
  • Leibniz-Forschungszentrum Borstel (FZB)
  • Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN)
  • Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie Plön (MPI)
  • Muthesius Kunsthochschule
  • Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)
  • Universität zu Lübeck (UzL)
  • Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Schleswig

Fotostrecke zur Exzellenz­entscheidung

Exzellenzstrategie

Die Exzellenzstrategie

Die Exzellenzstrategie stärkt die universitäre Spitzenforschung. Sie umfasst die Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Zum ersten Mal nutzen Bund und Länder für die besten Universitäten des Landes den verfassungsrechtlichen Spielraum, den der neue Artikel 91b GG bietet. Mit der Exzellenzstrategie werden Hochschulen mit jährlich 533 Millionen Euro gefördert. Anders als ihre Vorgängerin, die Exzellenzinitiative, ist sie nicht befristet, sondern auf Dauer angelegt. Das Gesamtprogramm ist 2018 mit jährlich insgesamt 533 Millionen Euro dotiert. Die Mittel sollen vom Bund und den jeweiligen Sitzländern im Verhältnis 75:25 getragen werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat verantworten das wissenschaftsgeleitete Begutachtungs- und Auswahlverfahren. Es gibt zwei Förderlinien: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Alle sieben Jahre müssen sich künftige Exzellenzuniversitäten dem Wettbewerb mit Neuanträgen aus anderen Universitäten stellen. 195 wissenschaftliche Projektskizzen von 63 Universitäten aus allen 16 Bundesländern konkurrierten ursprünglich in der neuen Exzellenzstrategie von Bund und Ländern um eine Milliardenförderung für die Spitzenforschung. Nach der finalen Auswahlrunde werden von 88 im Wettbewerb verbliebenen Anträgen nunmehr 57 gefördert. In einer weiteren Ausschreibungsrunde werden bei Erfolg ab 2019 nach einem wettbewerblichen Verfahren elf Exzellenzuniversitäten beziehungsweise Universitätsverbünde gefördert.

Kontakt:

Dr. Katja Barth
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Strategie und Planung
Telefon: 0431 880-3050
E-Mail: kbarth@uv.uni-kiel.de

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