Entspannte Dänen – geradlinige Deutsche

Dänische Löwen, deutscher Adler: Ein grenzüberschreitendes Projekt ist einem Wandel nationaler Stereotypen auf der Spur.
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Heute wird ein anderes Bild über die Deutschen und die Dänen gezeichnet als noch vor 15 Jahren. So werden Deutsche von Dänen beispielsweise nicht mehr zuerst mit dem Nationalsozialismus verbunden. Das zeigen erste Erkenntnisse aus dem im Sommer 2012 gestarteten Interreg-4a-Projekt „Nationale Stereotype und Marketingstrategien in der deutsch-dänischen interkulturellen Kommunikation“ (SMiK). Das Projekt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Süddänischen Universität Odense (SDU) will aktuelle deutsch-dänische nationale Stereotype ermitteln, linguistisch beschreiben und für den Unterricht in der beruflichen Bildung didaktisch aufbereiten. Dadurch sollen die positiven Potenziale von Stereotypen für die Wirtschaft nutzbar gemacht und Probleme in der interkulturellen Verständigung im deutsch-dänischen Grenzgebiet verringert werden.

Entspannt, glücklich und hierarchieflach: So sehen Deutsche in der deutsch-dänischen Grenzregion ihre nördlichen Nachbarn. Andersherum bezeichnen die dort lebenden Dänen Deutsche insbesondere als geradlinig, fleißig und zuverlässig. Das zeigten Fragebögen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Voruntersuchungen unter deutschen und dänischen Studierenden, bei der in beiden Ländern vertretenen Firma Sauer-Danfoss und auf der Kieler Woche verteilt hatten. „Wir haben festgestellt, dass es im Vergleich zu älteren Studien zu einem Wandel der Stereotype weg vom Würstchendeutschen und Dänenwikinger gekommen ist“, berichtet die Projektleiterin auf dänischer Seite, Dr. Erla Hallsteinsdóttir, von der Süddänischen Universität Odense. Politische Ereignisse der letzten Jahre wie die Einführung des Euro oder die dänischen Grenzkontrollen hätten auf deutscher Seite aber auch das Bild besonders EU-kritischer Dänen erzeugt, ergänzt der Projektleiter, Professor Jörg Kilian, vom Germanistischen Seminar der CAU.

Diese Tendenz möchten die Stereotypen-Forscherinnen und -Forscher jetzt in einer bundesweiten Fragebogenaktion weiter überprüfen. „Stereotype werden erfahrungsgemäß anders gewichtet, je nachdem, ob man im Norden oder Süden wohnt. Wir möchten herausfinden, ob es spezifische regionale Unterschiede gibt“, erklärt Kilian. Besonders Menschen, die in Mittel- oder Süddeutschland wohnen, sind dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen. Der Fragebogen kann im Internet unter bit.ly/stereotypenprojekt abgerufen werden.

Mit der Aufdeckung von aktuellen Stereotypen und dem beispielhaften Einsatz in Bereichen wie Werbung oder Marketing wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Werkzeuge entwickeln, mit denen interkulturelle Probleme verringert werden können. Ein Ziel des Projekts ist deshalb die Entwicklung von Konzepten, Strategien, Empfehlungen und Beispielen für die Umsetzung von positiven Stereotypen und Vermeidung von negativen Stereotypen in der interkulturellen deutsch-dänischen Kommunikation in der Interreg-Region. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Kommunikation in der Wirtschaft und im Fremdsprachenunterricht.

Weitere Informationen unter:

www.stereotypenprojekt.eu/deutsch

Link zum Fragebogen:

bit.ly/stereotypenprojekt

Kontakt:

Syddansk Universitet

Dr. phil. Erla Hallsteinsdóttir

Institut for Sprog

og Kommunikation

Tel.: 0045/6550-3219

E-Mail: erla@sdu.dk

Christian-Albrechts-

Universität zu Kiel

Prof. Dr. Jörg Kilian

Germanistisches Seminar

Tel.: 0431/880-5564

E-Mail: kilian@germsem.uni-kiel.de