Erdsiek-Rave überreicht Zuwendungsbescheide über mehr als 6,2 Millionen Euro an die CAU

Zuwendungsbescheide in einer Gesamthöhe von 6.207.000 Euro erhält die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm Schleswig-Holstein (ZIP) und dem Innovationsfonds für die schleswig-holsteinischen Hochschulen. Wissenschaftsministerin Ute Erdsiek-Rave überreichte heute (21. September) insgesamt sechs Zuwendungsbescheide an den Rektor der CAU, Professor Jörn Eckert. Die Ministerin: "Damit erhält die CAU einen kräftigen Impuls, um sich durch Schwerpunktbildung in der internationalen Wissenschaftskonkurrenz zu behaupten". Die Ministerin erinnerte daran, dass das Land gemeinsam mit den Hochschulen den Hochschulvertrag verabredet habe. Dieser lege auch fest, dass den Hochschulen für die Jahre 2004 bis 2008 ein Innovationsfonds über 23,1 Millionen Euro zur Verfügung stehe. Die Vergabekriterien setzten voraus: wissenschaftliche Innovation, hohe Qualität des Projekts, einen Beitrag zur Schwerpunktbildung der Hochschule sowie eine Vernetzung mit anderen Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Eine Kommission aus auswärtigen wissenschaftlichen Experten habe die Anträge geprüft und gebe ein Votum über die Förderfähigkeit ab. Erdsiek-Rave weiter: "Unsere Hochschulen verfügen über ein großes Potenzial an wissenschaftlicher Innovationskraft. Durch die Zuweisung der ZIP-Mittel und den Innovationsfonds trägt das Land dazu bei, dieses Potenzial in neue wissenschaftliche Ergebnisse umzusetzen."

Die Bescheide staffeln sich wie folgt:

  • Für den Aufbau des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften gibt es ZIP-Mittel von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2004 für Investitionen. Die folgenden drei Vorhaben stehen mit dem Aufbau dieses Zentrums in Zusammenhang.
  • Für die personelle Ausstattung des Zentrums stehen aus dem Innovationsfonds für 5,5 Stellen in den nächsten drei Jahren 900.000 Euro zur Verfügung.
  • Mit weiteren 860.000 Euro wird die Professur Molekulare Phytopathologie eingerichtet und mit Ausstattung aus dem Innovationsfonds gefördert.
  • Aus dem Innovationsfonds stammen auch die 1,3 Millionen Euro zur Beschaffung eines 600 Mega-Hertz NMR-Spektrometers.
  • Aus dem Innovationsfonds wird darüber hinaus das Projekt "Blended Learning - Einbindung des e-learning in die curriculare Ausbildung am Beispiel Medizin" gefördert. Hierfür stehen 602.000 Euro zur Verfügung.
  • 1.045.000 Euro werden ebenfalls aus dem Innovationsfonds für das Projekt "Nanospektroskopie mit Freie-Elektronen-Lasern" bereit gestellt. Am DESY in Hamburg werden zurzeit die leuchtstärksten Röntgenlichtquellen der Welt entwickelt. Zur aktiven Beteiligung der CAU wird eine Forschergruppe der Physik die Entwicklung und den Betrieb neuer höchstauflösender Messapparaturen in einem Projekt betreiben.

Der Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Professor Jörn Eckert, sagte: "Die heutige Übergabe der Zuwendungsbescheide durch das Land löst bei mir Dankbarkeit und Stolz aus. Dankbar bin ich der Landesregierung, die trotz schwieriger Haushaltslage in Spitzenforschung investiert und damit ein Zeichen setzt. Die Landesuniversität kann nun mit der Zusatzfinanzierung, die sie hier erreichte, gezielt an der Schärfung ihres Forschungsprofils arbeiten und ihre Konkurrenzfähigkeit weiter verbessern. Stolz bin ich auf meine Wissenschaftlerkollegen, die ganz hervorragende Projekte eingereicht haben. Alle dreizehn von der Christian-Albrechts-Universität erarbeiteten Anträge haben hervorragende und sehr gute Bewertungen erhalten. Ein Teil davon kann nun in die Tat umgesetzt werden: An den Schwerpunkten ist bereits die Richtung abzulesen, in die wir uns weiter profilieren wollen: Molekulare Biowissenschaften, Nanotechnologie und Oberflächenforschung sowie Multimediales Lernen."

Das Zukunftsinvestitionsprogramm Schleswig-Holstein (ZIP) hat ein Volumen von 100 Millionen Euro. Daraus fördert die Landesregierung in den Jahren 2004 bis 2006 beschäftigungs- und strukturwirksame Investitionen in Bildung, Forschung, Technologie, in die wirtschaftsnahe Infrastruktur und in die maritime Wirtschaft.

Verantwortlich für diesen Pressetext:
Jens Oldenburg
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Presseinformationen der Landesregierung finden Sie aktuell und archiviert im Internet unter: http://www.landesregierung.schleswig-holstein.de

Hintergrundinformation zu den geförderten Projekten

Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB)

Mit dem Aufbau eines Zentrums für Molekulare Biowissenschaften stärkt die Universität ihren Schwerpunkt in den angewandten Biowissenschaften durch ein gemeinsames Zentrum der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen, der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen und der Medizinischen Fakultät. Aktivitäten aus zwei Sonderforschungsbereichen mit medizinischem Schwerpunkt sowie dem Nationalen Genomforschungsnetz, BMBF-Verbundprojekten in Pflanzengenomforschung und grundlagenorientierter Forschung werden wesentlich gestärkt durch die gemeinsame Nutzung von High-Tech-Geräten, aber auch durch übergreifende Synergieeffekte.

Die Wissenschaftler der Universität erhalten so eine hervorragende Basis, um weiterhin Forschung auf hohem Niveau zu realisieren und gute Voraussetzungen für die Einwerbung von Drittmitteln zu schaffen. Durch die Bereitstellung entsprechender apparativer Voraussetzungen, aber auch von Stellen, die eine Kontinuität in der Betreuung und Nutzung der Geräte sicherstellen, soll dieses Zentrum die Universität Kiel in den modernen Biowissenschaften an die Spitze der Norddeutschen Forschungslandschaft bringen. Eine neue Professur für Strukturbiologie, die sich mit komplexen Proteininteraktionen und Strukturen von Proteinen beschäftigt, ergänzt die Palette der Forschungsthemen im ZMB.

Professur Molekulare Phytopathologie

Mit der Einrichtung des gleichnamigen Lehrstuhls gelingt es der Universität, Forschung und Lehre in einem sehr aktuellen Forschungsgebiet mit zentraler Bedeutung in der Pflanzenbiologie zu stärken. Die Professur wird sich schwerpunktmäßig mit Abwehr und Resistenz von Pflanzen gegen Schaderreger beschäftigen und dabei moderne Methoden der Molekularbiologie nutzen. Darüber hinaus kann auch grundlagenorientierte Forschung zum Verständnis der Ausbreitung von Erregern von Pflanzenkrankheiten durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Forschung können die Züchtung resistenter Nutzpflanzen verbessern.

Die Vernetzung innerhalb der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät, aber auch im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften verbessert die Basis für die Forschung in den angewandten Biowissenschaften als Schwerpunkt der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel deutlich. Die Stärkung der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät ermöglicht der Christian-Albrechts-Universität, ihre gute Position im Vergleich zu anderen Universitäten in Deutschland zu festigen und auszubauen. Die Universität erwartet aus dem Projekt nicht nur eine gestärkte Position im Wettbewerb um DFG-Fördermittel, sondern aufgrund der Orientierung auf anwendungsnahe Forschung auch verbesserte Möglichkeiten zur Einwerbung von Fördermitteln aus der Industrie.

Beschaffung eines 600 MHz NMR-Spektrometers

Die genaue Struktur von Molekülen und größeren Aggregaten klärt der Chemiker und Strukturbiologe mit verschiedenen analytischen Techniken auf, unter denen die NMR-Spektroskopie eine herausragende Stellung einnimmt, da sie etwas über die genaue Umgebung einzelner Atome aussagt. Je größer und komplizierter die Naturstoffe und supramolekularen Strukturen (Komplexe mit mehr als einem Molekül) werden, um so schwieriger gestaltet sich die Aufklärung. Mit dem neuen 600 MHz-NMR-Spektrometer mit Kryoprobenkopf können jetzt ganz neue Klassen von Verbindungen untersucht werden, da sowohl Auflösung als auch Empfindlichkeit gesteigert sind. Dies reduziert z. B. die zur Messung nötige Probenmenge drastisch.

Nach der Gensequenzierung gilt es heute, die Struktur, die molekulare Dynamik und Funktion der dem genetischen Code entspringenden komplexen Moleküle, z. B. Eiweiße und deren Kohlenhydrat-Aggregate aufzuklären, um so das Wesen des Lebendigen ein wenig besser verstehen zu lernen. Aber auch für die Entwicklung neuer Materialien aus supramolekularen Strukturen ist eine präzise, fortgeschrittene Analytik wichtig. Beide Aspekte werden in Kiel durch Forschungsverbünde in existierenden oder geplanten Sonderforschungsbereichen bearbeitet und werden durch das neue Gerät enorm profitieren.

Blended Learning - Einbindung des e-learning in die curriculare Ausbildung am Beispiel der Medizin

Dem exponenziell anwachsenden Wissen vor allem in den Biowissenschaften kann nur durch eine Priorisierung der Lehrinhalte verbunden mit einer Neugestaltung der Unterrichtsdidaktik begegnet werden. Ein Instrument hierfür ist das "blended learning", das Lehre und Lernen in einem integrierten Ansatz gestaltet, dazu gehören Präsenzunterricht, Distanzunterricht und selbst bestimmtes Lernen. Universitäre Lehre muss sich dabei als Teil des lebenslangen Lernprozesses begreifen.

Wesentliches Ziel des Vorhabens ist der Transfer der in dem Projekt entwickelten innovativen Lehrkonzepte in die Breite des curricularen Unterrichtes. Eine wichtige Rolle wird dabei die Etablierung eines Medizin-Didaktischen Zentrums spielen. Technische Basis wird eine mit Mitteln des BMBF in Kiel entwickelte integrierte computergestützte Lehr- und Lernplattform sein.

Nanospektroskopie mit Freie-Elektronen-Lasern

Am Deutschen Elektronen Synchrotron (DESY) in Hamburg werden zurzeit die leuchtstärktsten Röntgenlichtquellen der Welt (sog. Freie-Elektronen-Laser, XFEL) entwickelt. Zur aktiven Beteiligung der CAU wird eine Forschergruppe der Physik die Entwicklung und den Betrieb neuer höchstauflösender Messapparaturen in einem Projekt betreiben.

Mit diesem Projekt fördert das Land S.-H. den Betrieb und die Entwicklung neuer höchstauflösender Messapparaturen zur Untersuchung der Eigenschaften der Elektronensysteme von Oberflächen und Nanostrukturen an den bestehenden und zukünftigen Röntgenlichtquellen am DESY. Erst durch Kenntnis dieser Eigenschaften können beispielsweise Unterschiede in der elektrischen Leitfähigkeit, wie metallisches oder halbleitendes Verhalten, optische Eigenschaften wie Transparenz der Materialien oder Farben von Oberflächen erklärt werden.

In diesem Projekt werden u. a. neuartige Röntgenoptiken (Photonensiebe) entwickelt, die es erlauben, unter Verwendung brillanter Röntgenstrahlung der Freie-Elektronen-Laser am DESY die elektronischen und chemischen Eigenschaften einer Vielzahl von Materialien mit einer Ortsauflösung auf Nanometerskala zu untersuchen. Dieses neue, bildgebende spektroskopische Verfahren eröffnet vielfältige Perspektiven für die Nanotechnologie und die Entwicklung und Erforschung neuer komplexer Oberflächen und Nanostrukturen.

Die Instrumente werden einer breiten Nutzerschaft insbesondere im Rahmen einer geplanten ortsverteilten Forschergruppe an der CAU, der Universität Hamburg und dem DESY sowie eines geplanten Sonderforschungsbereichs an der CAU zur Verfügung gestellt.