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Flensburg bereitet sich vor

Was bedeutet der Klimawandel für mich, ist meine Wohnung hochwassergefährdet und wie wird sich das Stadtbild verändern? Antworten und mögliche Anpas­sungs­maßnahmen für die Stadt Flensburg erarbeitet ein Projekt an der Uni Kiel.

bis zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich bis zu knapp einem Meter ansteigen kann.

»Damit erhöht sich das Ausgangsniveau für Sturmfluten und es drohen größere Schäden«, sagt Dr. Jana Koerth vom Geographischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem meeres­wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS). Zusätzlich sei in Flensburg im Zuge des Klimawandels mit vermehrtem Starkregen und entsprechendem Oberflächenabfluss zu rechnen. »Flensburg hat ein ähnliches Gelände wie Kiel. Es liegt an einer Förde, hat Seiten- und Endmoränen und Hänge, an denen bei Starkregen das Wasser herunterläuft«, erklärt die Kieler Geographin aus der Arbeitsgruppe Küstengefährdung und Meeresspiegelanstieg (Leitung: Professor Athanasios Vafeidis).

Mit den Klimafolgen für die Stadt Flensburg und wie man diesen angemessen begegnen könnte, beschäftigt sich die Wissenschaftlerin innerhalb des Forschungsprojektes EVOKED. Das Projekt ist Teil des europäischen Forschungsfeldes für Klimadienstleistungen und wird von einer internationalen Initiative gefördert. Innerhalb des Projektes werden gemeinsam mit Projektpartnern aus Schweden, Norwegen, Deutschland und den Niederlanden in ausgewählten Kommunen und Städten mögliche Wege der Klimaanpassung aufgezeigt.

Koerth: »Wir wollen für Flensburg aus Daten zum zukünftigen Meeresspiegelanstieg und seinen Folgen passgenaue Klimadienstleistungen entwickeln.« Solche Klimadienstleistungen sind zum Beispiel Überflutungskarten, aus denen hervorgeht, welche Straßen bei einer Sturmflut in einem Intervall von beispielsweise durchschnittlich fünf Jahren überflutet sein werden, wie hoch das Wasser im Gelände stehen wird und ob Gebäude gefährdet sind. »Geographisch kann man das durch lokale Modellierungen mittlerweile sehr gut eingrenzen. Allerdings kennzeichnen sich solche Vorhersagen durch große Spannweiten, und Wahrscheinlichkeitsangaben können nicht gemacht werden. Man kann heute unumkehrbare Auswirkungen des Klimawandels vorhersagen. Allerdings wissen wir nicht, inwiefern die Menschheit ab sofort das Klima schützen kann und wie sich der Klimawandel genau weiterentwickeln wird.«

Fakt ist: Die globale Durchschnittstemperatur steigt und damit auch der Meeresspiegel. Daher ist es wichtig, vorbereitet zu sein, um Schäden zu verringern, auch wenn zum Beispiel weder Höhe noch Zeitpunkt der nächsten Sturmflut vorhergesagt oder die Wahrscheinlichkeit weiterer Hitzewellen oder Starkregenereignisse genau beziffert werden kann. »Grundsätzlich gibt es drei Strategien der Anpassung. Diese sind: Schutz, Angleichung und Rückzug«, so Koerth. Eine klassische Schutzmaßnahme ist etwa die Erhöhung der Deiche.

Die zweite Kategorie, Angleichung (oder englisch accomodation), umfasst Maßnahmen, die dazu dienen, einer möglichen Überflutung besser standzuhalten. Beispiele dafür sind Häuser auf Stelzen, schwimmende Häuser oder die Verwendung flutresistenter Materialien, aber auch das Anlegen von Flächen, die bei Hochwasser als Überflutungsflächen genutzt werden. Rückzug bedeutet, dass die Nutzung gewisser Gebiete zumindest zeitweise aufgegeben wird oder dass hochwassergefährdete Flächen nicht mehr bebaut werden. »Ein wichtiger Aspekt ist auch Bildung und Information. Die Menschen sollten über Risiken informiert werden und ihre Rolle bei der Klimaanpassung verstehen können.«

Ziel von EVOKED ist, das Risiko und die Unsicherheit in Zusammenhang mit dem Klimawandel in Wissens­produkten wie Überflutungskarten und Infomaterial verständlich darzustellen. Diese sollen dazu beitragen, dass eine angemessene Vorsorge betrieben und Schäden durch den Klimawandel vermieden werden. Dabei können und sollen sich alle beteiligen, die es betrifft, also Flensburgerinnen und Flensburger sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Non-Profit-Organisationen.

Autorin: Kerstin Nees

Weitere Informationen:
www.crslr.uni-kiel.de/de/evoked.html