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Nachhaltig und lecker essen?

Wie gesund Fleischersatz und Alternativen zur Kuhmilch sind, das können Schulklassen im neuen food:labor der Kieler Forschungswerkstatt anhand von leckeren Experimenten lernen.

Zwei Wissenschafterinnen und ein Wissenschaftler im Labor
© Heike Groth

Das Team des food:labors (v.r.n.l. Antonia Grubert, Timon Heyn, Michael Baum) tüftelt an den Experimenten für Schülerinnen und Schüler.

Nachhaltige Ernährung ist in aller Munde. Viele Menschen greifen verstärkt zu frischen Biolebensmitteln aus der Region sowie zu Fleisch- oder Milchersatz aus rein pflanzlichen Rohstoffen. Diese und andere Lebensmittel können Schülerinnen und Schüler ab Klasse zehn zukünftig im food:labor erforschen. In Kürze wird das neue Angebot der Kieler Forschungswerkstatt, des Schülerlabors der Kieler Universität und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), eröffnet.

»Die Beschäftigung mit dem, was wir an Essen zu uns nehmen, hat für viele Menschen einen großen Stellenwert«, sagt Dr. Timon Heyn vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde. Die Gründe dafür sind vielfältig, weiß der Lebensmitteltechnologe, der im food:labor für fachliche Inhalte zuständig ist. Die eigene Gesundheit sei für viele Menschen wichtig. Ebenso das Tierwohl. In Zeiten des Klimawandels spielten zudem ökologische und Nachhaltigkeits-Aspekte eine immer größere Rolle. »Doch es gibt auch häufig Unsicherheiten, wie gesund das Essen ist, ob es zum Beispiel den Bedarf an Proteinen deckt«, ergänzt Dr. Michael Baum vom IPN, der sich in der Kieler Forschungswerkstatt um die Didaktik der Naturwissenschaften kümmert.

»Die nachhaltige Herstellung von Lebensmitteln spielt auch in der Forschung in der Abteilung Lebensmitteltechnologie der Universität eine große Rolle. Im food:labor wollen wir den Schülerinnen und Schülern Einblick in unsere Arbeit gewähren und sie selbst Antworten auf ihre Fragen finden lassen«, sagt Antonia Grubert. »Unser Ziel ist, dass sich die Jugendlichen kritisch mit Lebensmitteln und deren Nachhaltigkeit auseinandersetzen«, sagt die Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftlerin, die zusammen mit der Chemikerin Professorin Ilka Parchmann und der Lebensmitteltechnologin Professorin Karin Schwarz das Team des neuen Labors komplettiert. Gefördert wird es durch Mittel aus dem »Wissenschaftsjahr 2020/21 – Bioökonomie« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die einzelnen Stationen des food:labors haben Studierende der Chemie im Profil Lehramt sowie des Fachgebiets Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft in einer gemeinsamen Lehrveranstaltung ausgearbeitet.

An den Stationen erwartet die Schulklassen Wissensvermittlung durch fachliche Vorträge, gepaart mit eigenen Experimenten. Ein Beispiel: »Wir zeigen den Jugendlichen, was es bedeutet, wenn auf einer Packung Gummibärchen ,enthält Gelatine'« steht, sagt Heyn. Da liegt dann schon mal ein Tierknochen im Labor, aus dem diese Zutat gewonnen wird. Eine Alternative sind Gummibärchen, die als Geliermittel Agar-Agar aus Algen enthalten. Die Gummibärchen können die Gruppen selbst zubereiten – Verköstigung am Ende des Tages inklusive. Dazu wird außerhalb der Laborräume ein »Buffet« aufgebaut. Bei einem anderen Experiment stellen die Schülerinnen und Schüler Milchersatz aus Mandeln, Soja und Hafer her. Wie viele lebenswichtige Proteine dieser hat und ob damit der tägliche Bedarf eines Erwachsenen gedeckt werden kann, wird ebenfalls ermittelt.

Unser Ziel ist, dass sich die Jugendlichen kritisch mit Lebensmitteln und deren Nachhaltigkeit auseinandersetzen.

Antonia Grubert

Andere Stationen drehen sich um die Themen Fleisch- und Palmölersatz sowie das Potenzial der Miesmuschel als natürliche Biofabrik für wertvolle Proteine und gesunde Öle. »Wir werden mit den Schülerinnen und Schülern die Vor- und Nachteile verschiedener Alternativen diskutieren«, sagt Heyn, wohl wissend, dass es eine klare Einteilung in gute und schlechte Lebensmittel nicht gibt. »Die Bewertung von Lebensmitteln ist viel komplexer, als man auf den ersten Blick sieht.«

In der Schule sollen einzelne Themenbereiche weiter vertieft werden. Das Team der Forschungswerkstatt verleiht dafür – und für Schulen, die nicht ins Labor kommen können – Stationenkisten mit Experimenten und Unterrichtsmaterialien. »Wir planen auch ein digitales Angebot, das online besucht werden kann«, so Baum, der mit dem gesamten Team für alle Fragen und Auskünfte zur Verfügung steht.

Autorin: Jennifer Ruske

Das Angebot des food:labors richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe (ab Klasse 10) von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Kontakt und Information: Telefon: 0431/880-5916, E-Mail: info@forschungswerkstatt.de

www.forschungs-werkstatt.de

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