Forschungspolitik statt Regionalpolitik!

Die Hochschulleitung der Kieler Universität plädiert entschieden dafür, die Fusion der Universitäten in Schleswig-Holstein ausschließlich nach wissenschaftlichen Kriterien zu gestalten. "Für standortpolitische Diskussionen und Kompensationsgeschäfte taugt dieses Thema nicht", so Rektor Professor Jörn Eckert. "Es gibt nur einen Gesichtspunkt, unter dem diese Frage zu betrachten ist: Wie verbessern wir den Hochschulstandort Schleswig-Holstein?" Seit vierzig Jahren werde in Schleswig-Holstein Hochschulpolitik nach standortpolitischen Erwägungen gemacht. "Mögliche positive Effekte gehen durch Kompensationen nur wieder verloren. Damit muss nun Schluss sein!"

Absolut tabu sei der Name der 340-jährigen Christian-Albrechts-Universität. Jeder, der etwas von Marketing versteht, weiß, was ein eingeführter Markenname bedeutet. Grundsätzlich stehe das Rektorat der Landesuniversität ansonsten organisatorischen Neuerungen aufgeschlossen gegenüber. Man müsse jedoch mit Bedacht vorgehen und die Effekte genau betrachten. "Mit Schnellschüssen wird das nichts", so Eckert weiter. Ein sachgerechtes Konzept für eine Hochschulfusion, so sie denn gewollt sei, ließe sich am besten mit einer Begleitung durch den Wissenschaftsrat herstellen. Der Rektor begrüßte entsprechende Pläne der Landesregierung. "Wir sollten uns von den Leuten beraten lassen, die wissen, wie sich Wissenschaft profilieren lässt." Wer Hochschulautonomie ernst nehme, traue den Hochschulen mit Sicherheit zu, über die Ausgestaltung der Fusion selber zu entscheiden.

Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Michael Illert, warnt vor den Gefahren einer vorschnellen, von regionalpolitischen Argumenten getragenen Vereinigung der medizinischen Fakultäten in Kiel und Lübeck. "Forschung blüht nur dort, wo hervorragende Wissenschaftler in einem Netz zusammenarbeiten." Ein solches Netz ist in Kiel in der Zusammenarbeit mit mehreren anderen Fakultäten gewachsen. "Mit diesen betreiben wir das Zentrum für Molekulare Biowissenschaften, das nach den großen Investitionen des Landes eine enorme Ausstrahlung auf die molekularbiologische Forschung haben wird", so Illert weiter.

Daneben gibt es weitere gemeinsame Schwerpunkte, die die hervorragende Einbindung der medizinischen Fakultät belegen: Beispielsweise Ernährungsforschung und die Erforschung der genetischen Ausprägung von Gesundheit und Krankheit. Das Zentrum für Ethik der Universität ist eine gemeinsame Einrichtung der Fakultäten, wie auch das Institut für Sport und Sportwissenschaften, in dem die interdisziplinäre Ausbildung für Trainer und Sportmediziner stattfindet. Eine vernetzte Zusammenarbeit führte ebenfalls zu den beiden Anträgen im Exzellenzprogramm der Bundesregierung: "Ozean der Zukunft" und "Entzündungsmedizin". Der Dekan: "In den genannten Bereichen, wozu auch wichtige Biotechnologiebereiche gehören, ist die Forschung in Kiel deutschlandweit führend. Dieses lebende Netzwerk von kooperierenden Wissenschaftlern aus regionalpolitischen Gründen zu zerlegen wäre eine fatale Fehlentscheidung."