Für die Nachwelt bewahren

Über 6000 Sammlungsobjekte bietet das Internet-Portal des Projektes DigiCult zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Das Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturschätze Schleswig-Holsteins digital zu sichern und dem Publikum im Netz zugänglich zu machen. Das Angebot funktioniert auch international: Das Museumsportal läuft inzwischen dreisprachig Deutsch/Englisch/Dänisch. Die Koordination des Projektteams läuft im Wesentlichen an der Kieler Universität.

Vor allem die Ausweitung der touristischen Nutzungsmöglichkeiten ist das Ziel der nächsten Jahre. Mit der Tourismusagentur Schleswig-Holstein (TASH) wurde eine Partnerschaft vereinbart. Es geht im Besonderen darum, die unzähligen Feriengäste Schleswig-Holsteins auch für die kulturellen Schätze und Aktivitäten der Museen zu begeistern. Neben der Vernetzung der Internetangebote sind Einzelaktionen wie "Objekt des Monats" oder längerfristig die Entwicklung von Themenreisen angedacht. Beispielhaft wurde eine Video-DVD für den Museumsberg Flensburg veröffentlicht, weitere Museen folgen (Kunsthalle zu Kiel, Dithmarscher Landesmuseum). Ein digitaler Filmtrailer zur Kinowerbung ist in Flensburger Häusern bereits zu sehen. Gemeinsam mit der Fachhochschule Kiel entsteht eine DigiCult preshow für den Mediendom.

Professor Silke Göttsch-Elten, Prorektorin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, sieht hier Entwicklungsmöglichkeiten: "Die Plattform DigiCult ist ein guter Weg, um die Universität als Verwalterin von kulturellem Erbe bei Bürgern und Gästen des Landes ins Bewusstsein zu rufen. Schleswig-Holstein hat mit seinen Museen und Sammlungen mehr zu bieten als Sand und Meer, und gerade die Universitätsmuseen machen Lust auf Entdeckungen in der Welt der Wissenschaft."

Als komplett neues Feature ist das Internetportal nun auch für Persönliche Digitale Assistenten (PDA) verfügbar. Für diese Pocket-PCs, die teils zur Navigation, teil als Kalender und persönliches Notizbuch verwendet werden, entwickelte das Projektteam mit der Fa. mpresso, Berlin, eine eigene Version, die nach Museumssparten, Landkreisen und Orten leicht recherchierbar ist. Dieser "virtuelle Museumsführer" lässt sich für 9,90 Euro auf den speziellen Pocket-PC-Seiten und vom Museumsportal aus dem Netz herunterladen. In Verhandlung ist darüber hinaus eine Handy-Version, die auch die Veranstaltungen einschließt.

Alle Objekte können nach Kriterien wie Künstler, Sammler, Stil, Datierung, Material und Technik sowie Objektbezeichnung in einer erweiterten Suchfunktion aufgefunden werden. Über die Verknüpfung mit deutschen Bibliotheksverbünden lässt sich Literatur zu den Künstlern leicht zusammenstellen.

Das Portal wird von den Nutzern gut angenommen. 450 Menschen klickten im Jahr 2004 pro Tag auf die Seiten, die Zahl konnte im Vergleich zum Vorjahr damit mehr als verdoppelt werden. Insgesamt zählte der Rechner 2,8 Mio. Zugriffe (hits) im Jahr 2004.

Die komplexen Digitalisierungsvorgänge sowie die Einrichtung eines neuen Museumsservers mit vernetzten Datenbanken und neuer Softwarearchitektur wurden im Projekt entwickelt und mit den beteiligten Museen umgesetzt. Hieran ist außer dem Hauptprojekträger, der Stadt Flensburg mit dem Museumsberg (Projektleitung: Professor Ulrich Schulte-Wülwer), die Universität Kiel als großer Partner mit nunmehr fünf Universitätsmuseen und dem Interdisziplinären Zentrum Multimedia beteiligt. Die gesamte wissenschaftliche Realisation und Koordination des Projektes geschieht mit dem Projektteam unter Leitung von Lütger Landwehr am Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, das über das Geologische und Mineralogische Museum ebenfalls beteiligt ist.

Von Bildern der Kaiseryacht aus Kiel, von Altären des St. Annenmuseums über die hervorragende Möbelsammlung des Museumsberges Flensburg, von Bühnenbildern und Figurinen aus der Theatergeschichtlichen Sammlung der Universität Kiel bis zu den historischen Rechnern des Computermuseums oder den heimischen und exotischen Pflanzen und der Herbarsammlung des Botanischen Gartens der CAU: Das Projekt präsentiert ein breites Spektrum der Kultur- und Naturgeschichte und demonstriert zugleich ein Stück Zukunft in der digitalen Erfassung und Präsentation des schleswig-holsteinischen Kulturerbes.

Die Projektlaufzeit endet am 30. April 2006. Die große Aufgabe, dieses Pilotprojekt über die Projektlaufzeit hinaus zur langfristigen Digitalisierung und digitalen Archivierung der gesamten Sammlungsbestände des Landes abzusichern, ist jetzt eine Herausforderung an alle Beteiligten.
www.digicult-sh.de (Projektwebsite)
www.museen-sh.de (Museumsportal zur Publikation)

Drei Sceenshots stehen zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/download/pm/2005/2005-053-1.jpg
www.uni-kiel.de/download/pm/2005/2005-053-2.jpg
www.uni-kiel.de/download/pm/2005/2005-053-3.jpg

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Geowissenschaften
Geologisches und Mineralogisches Museum
Lütger Landwehr
0431/880-2905
ll@min.uni-kiel.de