Transfer | Geisteswissenschaft

Gender-Forschung als Kartenspiel

An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist das erste und bisher einzige Kartenspiel zu Gender und Queer Studies erschienen. 39 Wissenskarten enthalten Stichworte zu Texten, die als Standardwerke der gender und queer studies gelten. Darunter sind zum Beispiel Werke von Simone de Beauvoir, Judith Butler oder Candace West/Don H. Zimmerman. Ergänzend werden die Texte in einem Begleitbuch vorgestellt und ihre Bedeutung für die Gender und Queer Studies ebenso wie für die weitere Rezeption der Werke erklärt. Mit seinen weiterführenden Lektüreempfehlungen ist das Buch wie ein Lexikon nutzbar.

Herausgeber_innen sind die Soziologieprofessorin Uta Klein, die auch die Arbeitsstelle Gender & Diversity Studies leitet, und Eddi Steinfeldt-Mehrtens, der_die ab 1. Dezember Beauftragte für Diversität an der CAU ist. „Unsere Motivation war es, mal eine andere didaktische Form der Wissensaneignung und des Transferwissens zu entwickeln“, sagen Klein und Steinfeld-Mehrtens. Die Karten können nicht nur in Veranstaltungen mit thematischem Bezug eingesetzt werden. Sie bieten sich auch für das Selbstlernen außerhalb des Seminars an. Das dem Tabu-Spiel nachempfundene Kartenspiel ist sowohl für Lehrende, studentische Einsteiger_innen sowie für Fortge­schrittene geeignet. Ebenso ist durch die farbliche Gestaltung der Karten die ausschließliche Bearbeitung der Gender Studies oder aber der Queer Studies möglich.

Um nicht an den Bedürfnissen der Studierenden vorbeizuarbeiten, wurde – unterstützt durch einen finanziellen Anschub von Seiten den Gleichstellungsbeauftragten der Philosophischen Fakultät der CAU – eine interdisziplinäre Lerngruppe mit Studierenden aufgebaut. Darin wurden sämtliche Texte diskutiert und zusammengefasst. Die gemeinsame Arbeit dauerte gut zwei Jahre. Zunächst mussten Texte gelistet und dann Kriterien erstellt werden, welche von ihnen auszuwählen sind. „Es geht um Werke, die für die Entwicklung der Geschlechterforschung von Bedeutung sind, indem sie Themen, Perspektiven und das Selbstverständnis der Geschlechterforschung begründet, beeinflusst und vorangetrieben haben“, so Eddi Steinfeldt-Mehrtens. „Unsere Auswahlkriterien waren Originalität, Relevanz des Themas, Erkenntnisfortschritt, wissenschaftliche und/oder politische Wirksamkeit und Einflussnahme“, ergänzt Uta Klein. Eine Besonderheit sind Karten und Kurzdarstellungen zu sogenannten „verlorenen Schätzen“. „Das sind Werke, die in der Lehre gar nicht oder selten bearbeitet werden, aber für grundlegende Fragestellungen wegweisend sind“, so die Herausgeber_innen.  Dazu gehören ein Text aus dem Jahre 1622 von Marie le Jars de Gourney und auch die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ von Olympe de Gouges von 1791. Insgesamt liege zwar ein Schwerpunkt auf sozialwissenschaftlichen Werken, da ein Großteil von diesen auch die Theoriegrundlage für Geistes- und Kulturwissenschaften darstellt, so Klein und Steinfeldt-Mehrtens weiter. Sie haben aber auch Werke aus der Philosophie, den Literaturwissenschaften, der Rechtswissenschaft und der Biologie einbezogen.

Und nun heißt es spielen: Wer spricht von „doppelter Vergesellschaftung“, wer von „Gender als diskursivem Effekt“, wer von „hegemonialer Männlichkeit“? Auf welchen Text geht der gender gap zurück? Wer betrachtet Gender aus einer intersektionalen Perspektive? „Wir sind überzeugt, dass das Konzept des spielerischen Ansatzes einen ganz neuen Zugang zu Gender und Queer Studies ermöglicht. Und natürlich kann das Kartenspiel auch ein wunderbares Weihnachtsgeschenk sein“, betonen die Herausgeber_innen.

Informationen zur Publikation:

Kontakt:

Prof. Dr. Uta Klein
buero@gender.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation