Theologie | Medizin

Gezielter Eingriff ins Erbgut: Rettung für Patientinnen und Patienten oder gefährliche Risikotechnik?

Anläßlich des Ethik-Salons an der Theologischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) trafen sich gestern (Montag, 2. Juli) 24 Fachwissenschaftler, Ethikerinnen und Ethiker sowie Interessierte, um CRISPR/Cas9 und andere Techniken des Gene Editing aus medizinischer Sicht zu diskutieren.

Wie weit dürfen wir Eingriffe in die Natur vornehmen? Sollten Innovationen überhaupt aufgehalten werden? Diese bekannten ethischen Fragen gewinnen anhand der neuen Verfahren des Gene-Editing beachtliche Brisanz. Insbesondere die sogenannte CRISPR/Cas9-Methode (clustered regularly interspaced short palindromic repeats and CRISPR-associated protein 9) steht in der Diskussion. Diese Methode ermöglicht DNA-Manipulationen von bislang unbekannter Präzision. Sie basiert auf einer adaptiven Immunabwehr, die sich DNA-Sequenzen der Erreger „merkt" und bei einer erneuten Infektion deren DNA zerschneidet. So sollen zukünftig Krankheiten wie Krebs, Malaria oder Aids bekämpft werden.

Doch ist solch ein Eingriff aus ethischer Sicht wünschenswert? Welche praktischen Konsequenzen entstehen aus solchen Versuchen angesichts des noch lückenhaften Wissens über die tatsächlichen genetischen Zusammenhänge? Privatdozent Dr. Tobias Ankermann, Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der CAU, führte in diese Fragestellungen in der Runde des Ethik-Salons ein. Dabei gelang es ihm, eine weitreichende Diskussion anzuregen.

Die ethischen Herausforderungen der Gegenwart wurden anhand dieser neuen biochemischen Methode deutlich erkennbar: „Wir leben in einem Zeitalter, in dem der Mensch sich selbst und seine Umwelt in  fundamentalerweise verändern und beeinflussen kann. Daraus ergibt sich eine große Verantwortung für die Gestaltung der Lebensbedingungen. Deshalb wird der Ruf nach Ethik laut“,  betonte Theologie-Professor André Munzinger.

Ethik-Salon

Der Ethik-Salon an der Christian-Albrechts-Universität bietet die Möglichkeit, neue ethische Herausforderungen zu diskutieren, Perspektiven zu verbinden und auf die unterschiedlichen Berufsfelder zu beziehen. Er fand bereits zum zweiten Mal statt und wird voraussichtlich als jährliche Veranstaltung mit wechselnden Themenschwerpunkten fortgeführt.

Kontakt:

Prof. Dr. André Munzinger
Theologische Fakultät
Telefon: 0431 880-3483
E-Mail: andre.munzinger@email.uni-kiel.de

Redaktion:

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