Ärmel hochkrempeln und forschen!

Chemie-Tagung mit ungewöhnlichem Format fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 

Thematische Vielfalt, kurze Vorträge und viel Zeit zum Diskutieren: Beim sogenannten „Hemdsärmel-Kolloquium“, das heute (7. März) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) beginnt, steht die kurzweilige Diskussion über wissenschaftliche Themen im Vordergrund. Das ungewöhnliche Konferenzformat hat Tradition: Aus einer anfangs kleinen Gesprächsrunde entwickelte sich im Verlauf von 54 Jahren die größte und bedeutendste Tagung der deutschen anorganischen Festkörper- und Materialchemie. Mehr als 300 Teilnehmende, darunter zahlreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, werden in Kiel erwartet. Das breite Themenspektrum reicht von neuen Batterie- und Sensormaterialien, magnetischen und optischen Speichermedien bis hin zu neuartigen Katalysatoren.

„Das HäKo ist in vielerlei Hinsicht einzigartig“, erklärt Professor Christian Näther aus dem Institut für Anorganische Chemie. Er hat das dreitägige Kolloquium, das bereits zum zweiten Mal in Kiel stattfindet, zusammen mit Professor Wolfgang Bensch und einem 32-köpfigen Team organisiert. Anders als bei traditionellen wissenschaftlichen Konferenzen widmet sich diese nicht nur einem Themenschwerpunkt. Vielmehr erhoffe man sich, Probleme durch das Wissen und die Erfahrung angrenzender Bereiche zu lösen. Die vielfältigen Vorträge dauern zwischen 5 bis 10 Minuten und haben klangvolle Namen wie “Kiel Royal“, “Nahezu Rot“ oder “Schau ma amoi“. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen ihren Vortragsinhalt im Vorfeld noch nicht preisgeben oder warten bis kurz vorher, ob ihnen noch ein besonders bedeutendes Experiment gelingt. Auch Anmeldungen von Beiträgen sind noch möglich. Der spontane, ungezwungene Charakter zeichnet das Format aus. „Hemdsärmelkolloquium bedeutet auch, dass der sonst übliche Anzug oder das Kostüm im Schrank bleiben kann. Hier geht es nicht um Konventionen oder große Namen. Im Vordergrund steht die Diskussion wissenschaftlicher Probleme“, erläutert Organisator Näther den Ansatz.

Die Tagung richtet sich vor allem auch an Nachwuchsforschende: „Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben gewöhnlich nur selten die Gelegenheit, ihre Forschungsergebnisse vor einer so großen wissenschaftlichen Öffentlichkeit zu präsentieren. Hier kommen sie zu Wort“, betont Bensch. Die Wilhelm-Klemm-Stiftung zeichnet außerdem eineherausragende Doktorarbeit auf dem Gebiet der Anorganischen Festkörperchemie aus. Preisträger ist Dr. Henry Auer von der Universität Leipzig für seine Dissertation „In situ and ex situ hydrogenation studies of Zintl phases containing tetrelides or gallium“.

„Gleichzeitig kommen viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits seit mehr als 30 Jahren. Daraus sind zahlreiche wissenschaftliche Kooperationen, von Forschungsgruppen bis zu Sonderforschungsbereichen, entstanden“, so Bensch weiter. Auch, dass er die Konferenz ausrichtet, ist eine Tradition: Gastgeber sind grundsätzlich Hochschullehrerende kurz vor der Emeritierung. Aus diesem Anlass wird Bensch selbst mit der Übergabe von Publikationsbänden geehrt, die ihm gewidmet sind.

„Da keine Teilnahmegebühren erhoben werden, ist das Kolloquium mittlerweile zu einer organisatorischen Herausforderung geworden. Trotzdem: Beim Begrüßungsabend in Kiel dürfen Fischbrötchen, Unterwasseraufnahmen und Hans-Albers-Musik nicht fehlen“, verspricht Näther.

Eine Gruppe Menschen hält ein Plakat
© Julia Siekmann, CAU

Professor Christian Näther und sein Team organisieren in diesem Jahr das sogenannte Hemdsärmelkolloquium, kurz HäKo, zu dem sie rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der anorganischen Festkörper- und Materialchemie in Kiel erwarten.

 

 

 

Weitere Informationen und Programm:

www.ac.uni-kiel.de/de/haeko-2019

Prof. Dr. Christian Näther
Institut für Anorganische Chemie
Telefon: +49 431 880-2092
E-Mail: cnaether@ac.uni-kiel.de

Julia Siekmann
Wissenschaftskommunikation
Forschungsschwerpunkt Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)
0431/880-4855
 jsiekmann@uv.uni-kiel.de
www.kinsis.uni-kiel.de