Informatik: mehr als Chatten und Rechner montieren

© Sonja Pfennig, Uni Kiel
© Sonja Pfennig, Uni Kiel"Basteln" am Computer ist nicht alles, gehört aber dazu: Auch Neela Kabisch absolviert an der CAU gerade ein Schnupperstudium Informatik.

18 Schülerinnen der 12. und 13. Klassen aus ganz Schleswig-Holstein studieren in dieser Woche (10. bis 14. Oktober) probeweise Informatik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Das Schnupperstudium vermittelt ihnen einen realistischen Überblick davon, was Informatikerinnen machen und wie sie arbeiten. Die Schirmherrschaft über das neue Programm der Landesuniversität hat Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Dietrich Austermann übernommen.

"Wir erhoffen uns nicht nur mehr weiblichen Zuspruch für unser Fach, sondern in erster Linie die richtigen Bewerberinnen: Wer weiß, was ihn erwartet, bleibt erfahrungsgemäß länger am Ball beziehungsweise im Studium", erklärt Informatik-Professor Thomas Wilke das Ansinnen der Veranstaltung. Er hat das Programm zusammengestellt, das die Arbeit am Computer mit dem Einblick in den Berufsalltag kombiniert.

Die Vormittage sind fürs Programmieren reserviert: Zunächst entwickeln die Teilnehmerinnen in Gruppen am Bildschirm eine Strategie, wie sie einen Käfer über ein Schachbrettmuster laufen lassen können und ihn Befehle ausführen lassen, wie Blätter fressen oder Baumstämme überspringen. Gegen Ende der Woche programmieren sie dann schon eine Internetanwendung. An den Nachmittagen kommen sie mit Praktikerinnen ins Gespräch: Sie können Informatik-Studentinnen der CAU auf den Zahn fühlen und bei zwei Unternehmen vor Ort unterschiedliche Arbeitsbereiche von Diplom-Informatikerinnen kennen lernen. Während der gesamten Woche werden die Schülerinnen von vier Mentorinnen – Studentinnen der Informatik – begleitet.

Wissenschaftsminister Dietrich Austermann steht voll hinter der Idee, mehr weiblichen Nachwuchs für die Informatikbranche zu gewinnen: "Die Informations- und Computertechnologie ist und bleibt einer der wichtigsten Innovationsmotoren der Wirtschaft. Ich halte es deshalb für äußerst wichtig, dass sich auch Frauen verstärkt diesem immer noch von Männern dominierten Zukunftsfeld widmen." Professor Thomas Wilke stimmt ihm zu: "Der Frauenanteil im Fach Informatik ist bundesweit sehr gering. In Kiel liegt er derzeit bei zwölf Prozent. Das liegt in erster Linie am verzerrten Bild des einsamen männlichen Hackers, das viele abschreckt. Dabei hat Informatik viel mit abstraktem und logischem Denken zu tun, ebenso mit Teamfähigkeit und Disziplin und ist damit wie geschaffen für Frauen." Als zusätzlichen, nicht zu unterschätzenden Pluspunkt nennt Wilke die "exzellenten Berufsperspektiven: Die Bandbreite reicht vom selbstständigen Software-Hersteller bis zur Unternehmsberater im IT-Bereich."

40 Schülerinnen hatten sich für das erste Schnupperstudium dieser Art an der Kieler Universität beworben. Ausgewählt wurde anhand der Jahrgangsstufe – im Idealfall 12 und 13 – und des Bewerbungstextes, in dem sie kurz ihre Motive darlegen sollten. Die 18-jährige Neela Kabisch aus Dägeling bei Itzehoe schrieb zum Beispiel: "Diese Chance muss ich einfach nutzen. Ich frage mich, wie das Informatikstudium wirklich aussieht und möchte wissen, ob es meinen Vorstellungen entspricht" und traf damit voll ins Schwarze. Spätestens am Ende dieser Woche wird sich zeigen, ob sich ihre Erwartungen und die ihrer Mitstreiterinnen erfüllt haben. Wenn ja, dann gibt es im nächsten Jahr vielleicht eine zweite Auflage des Programms.

Das Schnupperstudium Informatik für Schülerinnen wird unterstützt von der HSH Nordbank AG als Hauptsponsor und der b+m Informatik AG.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Informatik
Professor Thomas Wilke
0431/880-7511
Fax: 0431/ 880-7614
wilke@ti.informatik.uni-kiel.de