Keine Spritzen mehr: Tabletten beugen Thrombose vor

Professor Bernd Clement hält ein wissenschaftliches Gerät in den Händen
© Uni Kiel, Sandra OgriseckProfessor Bernd Clement mit dem HPLC, einem Gerät, das Substanzen voneinander trennt, so auch Melagatran von Ximelagatran

Die erste komfortable Tablette zur Thrombosevorbeugung ist da: Sie heißt Ximelagatran und wurde von der Firma AstraZeneca in Kooperation mit der Pharmazie der Kieler Universität entwickelt. Das Produkt wurde kürzlich von der europäischen Zulassungsbehörde für die Thromboseprophylaxe nach Operationen anerkannt.

Die von AstraZeneca entwickelte Wirksubstanz Melagatran, kann zwar per Injektion verabreicht werden, erwies sich indes zur oralen Anwendung als nicht wirksam. Deswegen forschten Professor Bernd Clement und sein Team im Pharmazeutischen Institut der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zirka fünf Jahre lang an der Entwicklung eines sogenannten "Prodrugs" – einer oralen Arznei, die den Wirkstoff Melagatran erst im Körper in die eigentliche Wirkform überführt. Die neue Verbindung, das Ximelagatran, gelangt über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Durch ein in die Struktur des Arzneistoffes zusätzlich eingebautes Sauerstoffatom kann das Molekül durch Membranen ins Blut dringen, wo der Sauerstoff durch Enzyme wieder entfernt wird und den blutgerinnungshemmenden Wirkstoff frei setzt. "So wird der Körper überlistet, den Wirkstoff aufzunehmen, den er aus seinem natürlichen Schutz heraus ablehnen würde, weil er fremd ist. Das ist wie mit einem Trojanischen Pferd, aber im positiven Sinne", erklärt Professor Clement.

Ein Blutgerinnsel (Thrombus) kann entstehen, wenn das Blut – und mit ihm die körpereigenen Gerinnungsenzyme – langsamer als üblich durch die Venen fließt, zum Beispiel, wenn ein Mensch längere Zeit liegt oder sitzt. Das Blut gerinnt zu einem Pfropf, der die Versorgung der Organe mit Blut blockieren kann. Diese Thrombosen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen – zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolie. Die bisher bekannten Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen, haben jedoch erhebliche Nachteile: Heparin – der bekannteste Wirkstoff – lässt sich nur durch Spritzen verabreichen. Cumarinderivate (Blutverflüssiger) dagegen gibt es zwar auch in Tablettenform, sie treten aber in erhebliche Wechselwirkung mit Nahrungsmitteln und anderen Arzneistoffen; wer sie einnimmt, muss sein Blutbild strengstens überwachen. Derartige Probleme gibt es mit dem neuen Medikament nicht, wie mehrere klinische Studien belegen.

Das neue Medikament wird derzeit nur in Krankenhäusern angewandt. "Wir hoffen nun, dass die Zulassung von Ximelagatran für die Langzeitprophylaxe erweitert wird, das heißt, dass sie auch für eine lebenslange Blutverdünnung angewandt werden kann. Eine alltagstaugliche Alternative zur Spritze wird viele Thrombose-gefährdete Menschen aufatmen lassen", betont Professor Clement.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Pharmazeutisches Institut
Prof. Bernd Clement
0431/880-1126
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