Kieler Spieltheoretiker errechnen neue Voraussetzung für den Erhalt biologischer Vielfalt

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift Physical Review Letters untersuchen die Physiker und Spieltheoretiker Dr. Jens Christian Claussen von der Kieler Universität und Dr. Arne Traulsen vom Max-Planck-Institut in Plön, unter welchen Bedingungen zyklische Abläufe in der Natur förderlich für das Überleben verschiedener in Konkurrenz lebender Arten sind.

Bereits vor zwei Jahrzehnten konnte gezeigt werden, wie sich in einem komplizierten Wechselspiel drei Arten verdrängen und stabilisieren. Neu ist nun die Rechnung, wie groß die Population der drei unterschiedlichen Spezies sein muss, um eine Koexistenz der Arten und – spieltheoretisch gesprochen – Strategien zu gewährleisten. Ist es kein "Nullsummenspiel", wenn zwei verschiedene Strategien aufeinander treffen, ist ihr Aufeinandertreffen also in der Summe vorteilhaft, so wird die bestehende biologische Vielfalt (Diversität) stabilisiert.

Anhand dreier verschiedener Unterarten des Gemeinen Seitenfleckleguans fanden die Wissenschaftler dies heraus: Sie spielten die unterschiedlichen Zyklen von Verdrängung der einen durch die andere Unterart durch und konnten so zeigen, dass biologische Vielfalt nicht nur möglich ist, sofern es unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten oder unterschiedliche Territorien der Arten gibt, sondern dass sie auch aus zyklischer Konkurrenz erwachsen kann. Die Voraussetzung: Die Population darf nicht zu klein sein.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Theoretische Physik
Dr. Jens Christian Claussen
0431/880-4096
claussen@theo-physik.uni-kiel.de