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Auf dem Weg zu mehr Klimaneutralität

Einen gewaltigen Schritt hin zur Klimaneutralität hat die Uni Kiel im Jahr 2018 getan. Und wenn alles nach Plan läuft, folgt spätestens im Jahr 2020 ein ähnlich großer Schritt.

So könne es nicht weitergehen, befand das Uni-Präsidium im Jahr 2010, nachdem sich die Stromkosten der Hochschule zuvor innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt hatten. Ein professionelles Umweltmanagement, das bereits 2012 erstmals nach dem EMAS-Standard eingeführt wurde, sollte die Trendwende bringen. EMAS steht für Eco-Management and Audit Scheme und gilt als das weltweit anspruchsvollste System nach der Öko-Audit-Verordnung der Europäischen Union. Wer es einführt, erklärt sich bereit, freiwillig mehr für den Umweltschutz zu tun als gesetzlich gefordert ist. Zudem muss er sich ständig verbessern und jährlich überprüfen lassen. Welche Anstrengungen das bedeutet, zeigt sich daran, dass immer noch erst etwa 20 der 400 deutschen Hochschulen zertifiziert sind. Und unter denen, betont Uni-Klimamanager Dr. Norbert Kopytziok, steht die Uni Kiel besser da als die allermeisten anderen.

So ist der Stromverbrauch zwischen 2013 und 2018 um mehr als zehn Prozent gesunken. Pro Kopf gerechnet beträgt der Rückgang sogar gut 14 Prozent, weil die Zahl der studentischen und nichtstudentischen Uni-Angehörigen in dieser Zeit deutlich gewachsen ist. Seit 1995 hat die Uni Kiel außerdem gut 60 Prozent energiebedingte Treibhausgasemissionen eingespart und mithin das für Liegenschaften des Landes vorgegebene Ziel von 40 Prozent bis 2020 bereits deutlich übertroffen. Für Kopytziok hat es damit zu tun, dass der Bedarf an Wärmeenergie seit Jahren konstant niedrig ist. Auch das technische Personal legt sich mächtig ins Zeug, um Heizanlagen auf Sparsamkeit zu trimmen, lobt der Klimafachmann. Nicht zuletzt haben die Studierenden und die Beschäftigen der Uni Kiel ein hohes Umweltbewusstsein. »Wenn viele darauf achten, dass nicht mehr als nötig geheizt wird und Geräte nur dann laufen, wenn sie benutzt werden, kommen enorme Effekte heraus«, betont Kopytziok.

Drastisch zurückgegangen sind die energiebedingten CO2-Emissionen von 2017 zu 2018. Statt etwa 14.000 Tonnen schlagen hier nur noch um die 8.000 Tonnen zu Buche, weil – mit Ausnahme der Technischen Fakultät im Stadtteil Gaarden – der komplette Campus auf Ökostrom umgestellt wurde. Wenn dann dieses Jahr auf dem Ostufer das mit Gas betriebene Kieler Küstenkraftwerk das alte Kohlekraftwerk ersetzt, ist für die Wärme ein ähnlich positiver Klimaeffekt zu erwarten. Spätestens 2020 dürfte der CO2-Wert auf etwa 3.000 Tonnen gesunken sein, schätzt Kopytziok.

Schwieriger zu erreichen sind solche Erfolge im Bereich der Mobilität. Die Kieler Universität ist eine der größten Verkehrserzeugerinnen in der Stadt. Zwar setzen sich im Sommer 50 Prozent der Studierenden und immerhin 40 Prozent der Beschäftigten aufs Fahrrad, doch mit zunehmender Entfernung zwischen Wohnort und Uni sinkt diese Quote deutlich. Gemeinsam mit der Stadt Kiel setzt sich die Universität deshalb für attraktivere Busverbindungen ein, sagt der Beauftragte für ein betriebliches Mobilitätsmanagement, Sebastian Starzynski. Für eine deutliche Entlastung könnte dabei aus seiner Sicht die geplante Stadtbahn sorgen.

Die Möglichkeiten des Fahrrads gelten ebenfalls als noch nicht ausgeschöpft. Die Pedaltreterei fördern kann die Uni auch deshalb, weil sie 2016 bei einem bundesweiten Mobilitätswettbewerb eine Million Euro gewonnen hat. Finanziert wurden damit bereits mehrere Hundert neue Fahrradbügel. Frisch fertiggestellt sind weitere Teile der schnellen Veloroute 10 auf dem Uni-Gelände sowie Überdachungen für Fahrräder. Eine wichtige Rolle im Klimakonzept spielt außerdem die Elektromobilität. Für Fahrten des Personals stehen bereits ein E-Lastenrad und normale E-Räder zur Verfügung. Der Bestand an elektrischen Dienstwagen und Ladestationen wird ebenfalls weiter ausgebaut.

Seit Kurzem widmet sich das Klimamanagement außerdem der Abfallvermeidung. Von dem einst vielfach als utopisch belächelten Ziel, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu lehren und zu forschen, ist die Uni Kiel damit gar nicht mehr so weit entfernt, meint Norbert Kopytziok. 

Autor: Martin Geist