Küstenforschung in Vietnam beginnt

Soeben sind Geowissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität von einer Forschungsreise aus Süd-Vietnam zurückgekehrt. Im Gepäck haben sie Gesteinsproben – erstes Datenmaterial eines auf sechs Jahre angelegten deutsch-vietnamesischen Forschungsprojektes. Prof. Dr. Karl Stattegger, Dr. Klaus Schwarzer und Dr. Alexander Schimanski untersuchten erstmals detailliert gemeinsam mit vietnamesischen Kollegen die Küste Süd-Vietnams auf einer Länge von 600 Kilometern. Dies ist der erste Schritt einer Forschungskooperation im Küsten- und Flachmeer-Bereich. Die erwarteten Daten sollen als Grundlage für ein Küsten-Monitoring und ein effizientes Küstenzonen-Management in Vietnam dienen.

Ein Verbundprojekt mehrerer Forschungsgruppen untersucht mit einem interdisziplinären Ansatz (Geowissenschaften, Biologie, Ozeanographie) die Land-Meer-Wechselwirkungen in der Küstenzone von Süd-Vietnam. Der erste Projektabschnitt läuft seit einigen Monaten. Das Projekt wird von der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) gefördert.

Zwei küsten- und meeresgeologisch ausgerichtete Teilprojekte sind im Institut für Geowissenschaften angesiedelt. Das erste beschäftigt sich mit der Sedimentdynamik in Mangrove-Gebieten (Mangrove: immergrüner salztoleranter Laubwald in der Gezeitenzone tropischer Gebiete). Trotz der weltweit umfangreichsten Mangroven-Wiederaufforstungsprogramme in Vietnam sind die Struktur und Funktionsweise dieses Lebensraumes und seine Bedeutung für den Küstenschutz immer noch unklar. Das zweite Teilprojekt untersucht die Küstenentwicklung und Meeresspiegelschwankungen in Süd-Vietnam. Hier geht es um die räumlich-zeitliche Rekonstruktion der Küstenentwicklung von Süd-Vietnam während der letzten 10.000 Jahre im Vergleich zur heutigen Situation. Daraus können Vorhersagen über die künftige Küstenentwicklung abgeleitet werden.

700.000 Euro stehen dem Kieler Institut für die ersten drei Jahre zur Verfügung. An dem DFG-Verbundprojekt sind auf deutscher Seite zudem die Universitäten Bremen, Hamburg und das Institut für Ostseeforschung Warnemünde beteiligt, die Partner auf vietnamesischer Seite sind das Ministerium für Wissenschaft und Technologie sowie das Institut für Ozeanographie in Hanoi/ Nha Trang/ Ho Chi Minh-City. Ziel des Gesamtprojekts ist die Erhebung einer wissenschaftlichen Datenbasis, mit deren Hilfe die dicht besiedelte Küstenzone Süd-Vietnams nachhaltig entwickelt werden soll. Angestrebt ist eine verbesserte Nutzung der Ressourcen wie Fischerei, mineralische Rohstoffe und Tourismus sowie die Optimierung des Küstenschutzes.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Institut für Geowissenschaften
Prof. Dr. Karl Stattegger
Fax: 0431/880-4376
kstattegger@gpi.uni-kiel.de;
Dr. Klaus Schwarzer
kls@gpi.uni-kiel.de
Dr. Alexander Schimanski
04317880-2877
aschimanski@gpi.uni-kiel.de