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Ein Medizin-Campus für Kiel

Die Kieler Universitätsmedizin bekommt erstmals einen eigenen Forschungs- und Lehrcampus – mit Forschungslaboren, Hörsälen, großzügigen Freiflächen und Platz für Zusammenkünfte. Das geplante Zentrum für Integrative Systemmedizin hat vor allem die Zukunft der Medizin im Blick.

„Im Moment haben wir die Situation, dass unsere Forscherinnen und Forscher auf 40 verschiedene Gebäude und Räumlichkeiten verteilt sind. In Zukunft soll sich das alles in drei Neubauten und dem umgebauten Gebäude der Inneren Medizin auf dem Campus konzentrieren“, erklärt Professor Christoph Röcken. Der Direktor des Instituts für Pathologie hat als Prodekan der Medizinischen Fakultät der Uni Kiel die Bauvorhaben seit 2012 begleitet. Es werden aber nicht nur neue Gebäude gebaut und bestehende umgebaut. „Wir realisieren einen Masterplan, der auf einem städtebaulichen Gesamtkonzept basiert.“ Zukünftig soll es eine geschlossene Architektur geben, die den Campus erlebbar macht, für Studierende und Forschende, und der klar getrennt ist von der Krankenversorgung. Für Medizin-Dekan Professor Urich Stephani ist diese Entwicklung überfällig: „Die Medizinische Fakultät besteht aus lauter Kliniken und Instituten, aber einen eigenen Campus, wo sich Studierende mit Professorinnen und Professoren hinsetzen und miteinander diskutieren, das haben wir nicht. Wir wollen hier ein Campusgefühl schaffen, einen physisch spürbaren Ort, der prägend für das weitere Leben ist.“

Die Bauarbeiten für diesen neuen Forschungs- und Lehrcampus sind bereits in vollem Gange. Der erste Neubau (FNB1), das zukünftige Quincke-Forschungszentrum, ist fast fertig. Das Eckgebäude an der Feldstraße markiert den Eingang zum neuen Campus. Noch dieses Jahr beginnen die Arbeiten für die dahinter liegenden Gebäude, den Forschungsneubau 2 (FNB2) und das Zentrum für Integrative Systemmedizin (ZISMed). Bis 2026 sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen sein, inklusive Umbau der jetzigen Inneren Medizin I zum zentralen Lehr- und Verwaltungsgebäude mit Hörsaalneubau und Studiencampus.

Finanziert wird die Modernisierung der medizinischen Forschung und Lehre an der CAU zum größten Teil durch das Land Schleswig-Holstein, das in den kommenden Jahren insgesamt 86,9 Millionen Euro für Baumaßnahmen sowie 9,5 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung stellt. Um den Bau von ZISMed, dem dritten Forschungsgebäude, zu ermöglichen, wurden zusätzlich Mittel vom Bund eingeworben. „Dieses dritte Gebäude soll sich inhaltlich auf den Bereich digitale Medizin fokussieren“, erklärt Röcken. Ziel des neuen Zentrums ist es, multidimensionale Patientendaten strukturiert zu erfassen, Methoden zur Früherkennung chronischer Krankheiten und zur modellgestützten Therapieauswahl zu entwickeln sowie krankheitsübergreifende Wirkmechanismen aufzudecken.

„Die Forschung im ZISMed wird sich dabei zunächst auf chronisch entzündliche Darm- und Hauterkrankungen sowie neurodegenerative Krankheiten konzentrieren. Für diese Krankheitsgruppen ist die Medizinische Fakultät der CAU durch ihre bisherigen Leistungen international ausgewiesen“, betont Ulrich Stephani. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt dabei auf dem Erkennen von Krankheitsvorstufen, aus denen sich die jeweiligen Krankheiten entwickeln können. Die Hoffnung ist, Wege zu finden, frühzeitig in den Krankheitsverlauf einzugreifen und damit das Ausbrechen einer Krankheit zu verhindern.

Mit dem Neubau des ZISMed ist eine räumliche Bündelung und Konzentration maßgeblicher Forschungsaktivitäten auf dem Campus verbunden. 15 Arbeitsgruppen mit insgesamt 192 Beschäftigten werden im neuen Gebäude forschen und lehren. Darunter ist auch der Medizininformatiker Professor Björn Bergh mit seiner Arbeitsgruppe. „Wir kooperieren zum Beispiel sehr eng mit Bioinformatik-Arbeitsgruppen vom Institut für Klinische Molekularbiologie, die auch ins ZISMed einziehen werden. Da ist es hilfreich, wenn man auch räumlich enger zusammenrückt.“ Vorteilhaft sei auch die Nähe zu den Rechnerressourcen, da sowohl im ZISMed als auch im benachbarten FNB2 Rechenzentren eingeplant sind.

„Ein Ziel unserer Arbeit ist es, verschiedene Datenbestände zu verknüpfen und zusammenzuführen“, erklärt Bergh. Konkret geht es zum Beispiel darum, Versorgungsdaten, die innerhalb des Klinikums erfasst werden, mit anderen Datenquellen zu verknüpfen, zum Beispiel mit Daten aus Biobanken oder aus Datensammlungen von Forschungsprojekten. Die intelligente Verknüpfung der Daten ist ein wesentlicher Baustein für Künstliche-Intelligenz(KI)-Verfahren. „Wir haben in der Medizin nicht nur eine KI-Anwendung im Blick, sondern unzählige mögliche Anwendungsfelder. Diese unterscheiden sich in der Art der Daten, die sie brauchen. Wir entwickeln die Plattform, die Informationsarchitektur, die es ermöglicht, unabhängig vom jeweiligen Anwendungsgebiet eine KI-Methode zu finden, lernfähig zu machen und letzlich auch zu einer bestmöglichen klinischen Anwendung zu führen.“

Autorin: Kerstin Nees

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