Mehr Freiraum für Forschung und Familie

"Verkürzen Sie die Vorlesungsphase auf 14 Wochen pro Semester, Herr Minister!" Diesen Appell richteten das Rektorat und die Frauenbeauftragte der Kieler Universität am heutigen Dienstag (4. April) an Wissenschaftsminister Dietrich Austermann. In Schleswig-Holstein stimme das Gleichgewicht zwischen Forschung und Lehre nicht, so Prorektor Professor Gerhard Fouquet. Die Hochschullehrer, die ihre Zeit zwischen Forschung und Lehre sorgfältig einteilen müssten, seien hierzulande zu lange in Vorlesungen und Seminaren gebunden. "In allen anderen Bundesländern ist die Vorlesungsphase kürzer", so Fouquet, "in Bayern und Baden-Württemberg beispielsweise an den als Eliteuniversitäten nominierten Universitäten Heidelberg und München (LMU) gar um zwei Wochen. Das macht vier Wochen im Jahr, während derer die Hochschullehrer zwischen Forschung und Lehre hin- und herpendeln." Auch die Studierenden bräuchten mehr Zeit zur selbständigen Arbeit, etwa zur Vorbereitung von Klausuren und Seminaren oder zur Anfertigung von Hausarbeiten.

Die Beantragung zweier Exzellenzcluster, die zurzeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vorbereitet wird, bedeute eine Stärkung des Forschungsstandortes. Dafür müssten wir jetzt die Weichen stellen.

Einen eng damit verknüpften Aspekt bringt die Frauenbeauftragte, Andrea Eickmeier, ins Spiel: In diesem und im nächsten Jahr fällt der Vorlesungsstart jeweils auf den Beginn der Schulferien zu Ostern bzw. im Herbst. Der Vorlesungsstart ist eine besonders arbeitsintensive Zeit, in der alle Kräfte gebraucht werden. Das bedeutet vor allem für das wissenschaftliche Personal, dass es keine Möglichkeit gibt, die Schulferien mit den Kindern zu verbringen. Da die Hälfte der Sommerferien ebenfalls noch Vorlesungszeit ist, haben Uniangehörige mit schulpflichtigen Kindern viel zu wenig Zeiträume für die Familie. "Wir werden als Familiengerechte Hochschule zertifiziert. Dieses Audit findet auch bundesweit große Beachtung, weil wir uns als erste der großen Hochschulen des Themas angenommen haben. Dazu gehört aber selbstverständlich auch, dass wir den Eltern unter den Mitarbeitern und Studierenden die bestmöglichen Chancen bieten, Familie und Beruf oder Familie und Studium unter einen Hut zu bekommen. Mittlerweile haben wir in diesem Bereich vieles geschafft, was auch für die Exzellenzclusteranträge ein Erfolgskriterium sein wird. Das darf nicht durch die Gestaltung der Vorlesungsphasen gefährdet werden!"

Von den 2800 Beschäftigten der Universität haben etwa ein Drittel schulpflichtige Kinder. Darüber hinaus sind Studierende betroffen, von denen im Bundesdurchschnitt sechs Prozent Kinder haben, die allerdings in der Mehrzahl noch jünger sind.

Die Lösung des Problems sei ganz einfach, so das Rektorat. "Wir schlagen dem Minister vor, die Vorlesungszeit auf 14 Wochen zu verkürzen und den Vorlesungsbeginn zukünftig zwei Wochen nach hinten zu verlegen. Dann wäre sowohl der Forschung als auch dem Familienleben der Uniangehörigen gedient."

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Andrea Eickmeier, Frauenbeauftragte
Tel. 0431/880-1651
E-Mail: aeickmeier@frauenbeauftragte.uni-kiel.de