Musik als Heimat. Friedrich Pacius (1809-1891)

Bildunterschrift: Friedrich Pacius. Gemälde von J. E. Lindh (1848). Copyright: Nationalbibliothek Finnlands. Foto: Rauno Träskelin.

Die Wanderausstellung Musik als Heimat entstand anlässlich des 200. Geburtstags von Fredrik Pacius. Die Ausstellung stellt dar, wie aus dem in Hamburg geborenen Komponisten und Geiger Fredrik Pacius (1809-1891) der “Vater der finnischen Musik“ wurde – nicht nur der Schöpfer der finnischen Nationalhymne Vårt Land / Maamme, sondern auch ein vielseitiger Komponist, bedeutender Organisator und eine Autorität im Musikleben Finnlands.

Pacius wurde in Kassel bei Louis Spohr im Violinspiel und bei Moritz Hauptmann als Komponist ausgebildet und kam zunächst als Geiger nach Stockholm. Er lernte Schwedisch, nannte sich Fredrik statt Friedrich und war als Musiker an mehreren großen Opern- und Oratorien-Projekten gemeinsam mit der Hofkapelle beteiligt.

Prof. Dr. Siegfried Oechsle, Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der CAU: „Pacius ist damit ein prototypischer Vertreter für den kulturellen Austausch im Ostseeraum zwischen Norddeutschland und Nordeuropa. Die Ausstellung ist daher ein großer Gewinn nicht nur für das Forschungsinteresse an der Musik aus dem Norden. Sie zeigt auch die Bedeutung von Kultur als Medium für die Prägung von Vorstellungen, die mit dem Begriff ‚Heimat’ verbunden werden.“

Als Pacius 1835 nach Helsinki berufen wurde, kam er in eine Stadt, die in ihrer heutigen Form erst im Entstehen begriffen war: Nach der Übergabe Finnlands von Schweden an Russland 1809 hatte der Zar die Verlegung der Hauptstadt von Turku nach Helsinki verfügt.

Dr. Kathrin Kirsch vom Musikwissenschaftlichen Institut der CAU hebt hervor: „Nicht nur städtebaulich, sondern auch gesellschaftlich und kulturell mussten hier erst Infrastrukturen geschaffen werden, die den Maßstäben europäischer Hauptstädte genügten. Pacius widmete sich dieser Aufgabe als Lehrer, Solist, Komponist und ‚Kulturmanager’ mit großem Engagement.“ Mithilfe von einheimischen und auswärtigen, professionellen und dilettantischen Kräften realisierte er mit Kung Karls Jakt 1852 die erste in Finnland komponierte und produzierte Oper. Pacius begründete damit ein eigenständiges Musikleben in Helsinki und schuf die Grundlagen für das beginnende Bedürfnis nach nationaler Identität nicht nur in politischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Diese Strukturen bildeten die Basis für die bereits professionalisierte Ausbildung z. B. von Jean Sibelius. Obwohl sich Pacius an der kompositorischen Ausformung eins ‚finnischen Tons’ in der Musik nicht selbst beteiligte, wäre die nach seiner Zeit nachdrücklich geforderte und durch Sibelius begründete Gestaltung einer spezifisch ‚finnischen’ Musik und der bis heute äußerst aktive Musikbetrieb in Helsinki ohne ihn nicht denkbar.

Die Ausstellung beschreibt, teilweise im Licht neuer Forschungen, Pacius‘ Leben, sein Wirken und sein kompositorisches Werk. Als Grundlage für die Wanderausstellung dienten Materialien aus der Finnischen Nationalbibliothek, hinzu kommen Abbildungen von Ausstellungsstücken, Originalzeichnungen und Fotografien aus Privatsammlungen und dem Universitätsmuseum. Zudem werden Abbildungen von einzigartigen Brief-, Tagebuch- und anderen biografischen Dokumenten gezeigt, welche die Nationalbibliothek kürzlich als Schenkungen für ihr Pacius-Archiv erhalten hat. Die Ausstellung ist zweisprachig (Deutsch und Finnisch).

Die Kulturreferentin des Finnland-Instituts in Deutschland, Emma Aulanko, sagt: „Wir freuen uns, dass die Ausstellung in dieser Form über die Grenzen von Finnland hinaus auch nach Deutschland gebracht werden konnte und nun nach Besuchen in Hamburg und Rendsburg auch in Kiel zu sehen sein wird.“

Das Musikwissenschaftliche Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigt die Wanderausstellung des Finnland-Instituts in Deutschland im April im Foyer des Audimax der Universität Kiel.

Die Ausstellung wird am Mittwoch, 07.April 2010, 17:00 Uhr, im Foyer des Audimax der Universität Kiel mit einer Feierstunde eröffnet. Neben einem Einführungsvortrag von Dr. Kathrin Kirsch, Musikwissenschaftliches Institut der CAU, werden Lieder von Friedrich Pacius und Jean Sibelius (Merja Mäkelä, Mezzosopran und Paul Plummer, Klavier) zu hören sein.

Ab Donnerstag, 08. April 2010, ist die Ausstellung zu folgenden Zeiten geöffnet:

Montag bis Donnerstag: 8:00 bis 19:00 Uhr

Freitag: 8:00 bis 14:00 Uhr

Samstag und Sonntag geschlossen

Die Ausstellung endet am 4. Mai 2010

Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung wird gefördert durch:

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel - Präsidium

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel - Philosophische Fakultät

Finnland Institut in Deutschland

DFG

Deutsch-Finnische Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V.

Kontakt:

Dr. Kathrin Kirsch, Musikwissenschaftliches Institut, Tel.: 0431-880-5509, Email: kirsch@musik.uni-kiel.de