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Nanomaschinen für technische und medizinische Anwendungen

Workshop zu 20 Jahren Forschungskooperation mit der TU Moldawien

Rund vierzig Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technical University of Moldova (TUM) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) trafen sich am vergangenen Freitag zu einem Workshop in Kiel. Dort diskutierten die Forschenden aus der Physik und den Ingenieurwissenschaften aktuelle Ergebnisse auf dem Gebiet der Nanomaterialien sowie künftige Herausforderungen für medizinische Anwendungen. Anlass des Treffens war die nunmehr seit zwanzig Jahren bestehende Forschungskooperation zwischen dem National Center for Materials Study and Testing der TUM und dem Institut für Materialwissenschaft der CAU. Institutsprofessor Rainer Adelung erhielt mit der Dimitrie Cantemir-Medaille außerdem die höchste Auszeichnung der Moldauischen Akademie der Wissenschaften für sein langjähriges Engagement in der Förderung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs mit Moldawien.

Erforschung komplexer Fragen braucht verschiedene Disziplinen

Vor allem für medizinische Anwendungen werden Entwicklungen auf der Nanoebene in Zukunft immer wichtiger. So könnten „Nano Engines“, winzige Nanomaschinen, medizinische Wirkstoffe im Körper kontrolliert transportieren und so eine möglichst zielgerichtete und damit schonendere Einnahme von Medikamenten ermöglichen. Als nächste Generation von Nanomaterialien werden aktuell außerdem ultraleichte Komposite aus einem flexiblem Netzwerk von Kohlenstoffröhren und Halbleiter-Nanopartikeln diskutiert. Sie könnten für Anwendungen der flexiblen Elektronik, Photonik und Sensorik interessant sein. Erst kürzlich erschien dazu eine gemeinsame Publikation von TUM und CAU in der renommierten Fachzeitschrift Nano Energy.

Über aktuelle und künftige gemeinsame Forschungsprojekte tauschten sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Moldawien und Kiel bei ihrem Workshop an der Technischen Fakultät der CAU aus. Die langjährige Kooperation rund um Professor Ion Tiginyanu, Direktor des National Center for Materials Study and Testing der TUM, und dem Institut für Materialwissenschaft der CAU, ist Ausdruck der Erkenntnis, dass die Erforschung solch hochkomplexer Fragestellungen eine Kombination verschiedener Disziplinen und Perspektiven verlangt.

„Bei ihrem ersten Treffen 1998 erkannten Ion Tiginyanu und Helmut Föll, damaliger Institutsleiter und Gründungsdekan der Technischen Fakultät, dass sich ihre Forschung zu Halbleitern und porösem Silikon sehr fruchtbar ergänzen könnte“, blickte Adelung zum Auftakt des aktuellen Treffens ins Kiel zurück. Schnell wurde daraus eine thematisch breitere deutsch-moldauische Zusammenarbeit mit dem Ziel, Synergieeffekte zu nutzen und sich auf diese Weise stärker im Forschungsfeld Nanomaterialien aufzustellen. „Ich freue mich, dass ich als Nachfolger von Professor Föll dazu beitragen kann, diese langjährige Kooperation weiterzuführen“, so Adelung weiter.

Gemeinsam mehr erreichen: Publikationen, Konferenzen und Forschungsaufenthalte

Für diese Bestrebungen überreichte Tiginyanu in seiner weiteren Funktion als Vizepräsident der Moldauischen Akademie der Wissenschaften, die Dimitrie Cantemir-Medaille an Adelung. Sie ehrt den gleichnamigen moldauischen Universalgelehrten (1673-1723) und ist die höchste Auszeichnung der Akademie. Vizepräsident Tiginyanu bedankte sich bei Adelung für sein „bemerkenswertes Engagement in dieser internationalen Zusammenarbeit, die sich in zahlreichen gemeinsamen Publikationen und Konferenzen widerspiegelt.“

Gegenseitige Forschungsaufenthalte und ein Promovierenden-Austausch sind ebenfalls fester Bestandteil der langjährigen Kooperation und sollen den wissenschaftlichen Nachwuchs auf beiden Seiten fördern. Über Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) werden die beiden Promotionsstudierenden Vladimir Ciobanu und Irina Plesco von der TUM die nächsten sechs Monate in Kiel verbringen. In den Arbeitsgruppen von Professor Lorenz Kienle und Professor Rainer Adelung forschen sie zu Themen der Mikroelektronik und Nanomaterialien. „Kooperationen wie diese machen einmal mehr deutlich, dass Forschung keine nationalen Grenzen kennt. Das ist besonders wichtig für den wissenschaftlichen Nachwuchs“, unterstrich Tiginyanu bei seinem Besuch in Kiel.

Thematische Erweiterung der Zusammenarbeit

Zu den Themen des Workshops gehörte neben der Diskussion aktueller Projekten auch die Anbahnung weiterer Forschungsinitiativen, die zukünftig durch eine Kooperation vorangetrieben werden können. Die strategische Ausweitung der bisher auf materialwissenschaftliche Forschung fokussierten Zusammenarbeit soll auch die internationale Vernetzung des Forschungsschwerpunkts Kiel Nano Surface and Interface Science (KiNSIS) weiterbefördern. Der Workshop am vergangenen Freitag ist Teil einer Reihe von regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen, um den Austausch zwischen der Nanoforschung in Moldawien und Kiel in Zukunft weiter zu stärken.

Details, die nur Millionstel Millimeter groß sind: Damit beschäftigt sich der Forschungsschwerpunkt »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Nanokosmos herrschen andere, nämlich quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Durch eine intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences zielt der Schwerpunkt darauf ab, die Systeme in dieser Dimension zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsbezogen umzusetzen. Molekulare Maschinen, neuartige Sensoren, bionische Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche Therapien und vieles mehr können daraus entstehen. Mehr Informationen auf www.kinsis.uni-kiel.de

Gruppenfoto
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Moldawien und Kiel diskutierten beim Workshop aktuelle und zukünftige gemeinsame Forschungsprojekte.

Ein Mann hält einen Vortrag
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Hat die deutsch-moldauische Kooperation vor zwanzig Jahren mitinitiiert: Professor Ion Tiginyanu, Direktor des National Center for Materials Study and Testing and der Technical University of Moldova und Vizepräsident der Moldauischen Akademie der Wissenschaften.

Gruppenfoto
© Julia Siekmann, Universität Kiel

Über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) werden die beiden Promotionsstudierenden Vladimir Ciobanu und Irina Plesco von der Technical University of Moldova die nächsten sechs Monate in Kiel verbringen.

 

Mikroskopbild
© Julian Strobel, Lorenz Kienle

Ein Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Moldawien und Kiel: Die „haarige“ Nanostruktur aus winzigen Halbleiterpartikeln auf einem flexiblen Netz aus porösen Kohlenstoffröhren ermöglicht einen Einsatz des Materials in Sensoren.

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Professor Dr. Rainer Adelung
Funktionale Nanomaterialien
Institut für Materialwissenschaft
Telefon:            +49 431 880-6116
 ra@tf.uni-kiel.de
www.tf.uni-kiel.de/matwis/fnano/de

Pressekontakt:

Julia Siekmann
Wissenschaftskommunikation Kiel Nano, Surface and Interface Science (KiNSIS)
Tel. 0431-880-4855
jsiekmann@uv.uni-kiel.de