Nanowissenschaftler Berndt bleibt in Kiel

Der Oberflächenphysiker Professor Richard Berndt bleibt an der Kieler Uni. Berndt lehnte nach Bleibeverhandlungen mit dem Rektorat der Christian-Albrechts-Universität einen Ruf an die Uni Freiburg ab. Auch die Technische Universität München und die RWTH Aachen wollten Berndt für sich gewinnen, der in Kiel den Lehrstuhl für Oberflächenphysik innehat und in den vergangenen Jahren durch seine Forschungsergebnisse immer wieder internationale Aufmerksamkeit fand. So wurde er mit dem Nanowissenschaftspreis 2001 und dem Joachim-Jungius-Preis 2003 ausgezeichnet.

"Die Wissenschaftlergemeinschaft der Physiker schaut gespannt auf Kiel ", so Professor Reinhard Demuth, Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. "Man ist neugierig, ob wir in Deutschlands Norden es schaffen, den noch jungen, aber sehr erfolgreichen Wissenschaftler zu halten. Sie brauchen für eine derartige Arbeit eine anspruchsvolle Apparatetechnik und teures Material. Und wir standen in Konkurrenz zu den renommiertesten Universitäten der Republik. Deshalb sind wir außerordentlich froh, Professor Berndt in Kiel die Perspektive geben zu können, die er braucht."

Am Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Kieler Universität arbeitet die Arbeitsgruppe um Berndt daran, chemische und physikalische Eigenschaften von Oberflächen zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung können unter anderem helfen, neue Katalysatoren zu finden. Auch für den Bereich der Mikroelektronik wird an Lösungen für wichtige Fragen gearbeitet: Lassen sich molekulare Systeme entwickeln, die als elektrische Leiter nutzbar sind? Wie bringt man sie dazu, sich geeignet anzuordnen?

Ziel der Wissenschaftler ist es, Kontrolle über kleinste Einheiten von Atomen und Molekülen mit Abmessungen von Nanometern - weit jenseits unseres Erfahrungsbereichs - zu erreichen. Dies gelingt mit Rastertunnelmikroskopen bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (circa -273 Grad Celsius). Bei diesen extremen Bedingungen ist es möglich, Atome und Moleküle im Größenbereich von Millionstel Millimetern im Mikroskop zu steuern und in künstlichen Mustern anzuordnen.

Das spezielle Instrument - ein Tieftemperatur-Rastertunnelmikroskop - baut die Forschergruppe selbst. Kiel ist einer der wenigen Orte auf der Welt, wo diese Spezialgeräte ständig weiterentwickelt werden. Professor Richard Berndt dazu: "Mit Tunnelmikroskopen, wie wir sie in Kiel entwickeln, kann man in die Welt einzelner Atome und Moleküle vorstoßen, sie abbilden, bewegen und ihre Eigenschaften erforschen. In dieser Welt wird jeder Wissenschaftler und Student zum Entdecker. Viele theoretische Überlegungen lassen sich jetzt praktisch realisieren. Dies ermöglicht neue Einblicke in die Gesetze des Nanokosmos."

1999 war Richard Berndt von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen nach Kiel gekommen, um den Lehrstuhl zu übernehmen. Seine Wissenschaftler und er machten seitdem einige Aufsehen erregende neue Entdeckungen, wie sich an zahlreichen hochrangigen internationalen Publikationen ablesen lässt.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Experimentelle und Angewandte Physik
Dr. Jens Kuntze
0431/880-3965
kuntze@physik.uni-kiel.de