"Nicht weiter in die Fläche denken!"

Die Bestandsaufnahme der Kommission unter Leitung von Professor Erichsen zeigt, dass eine Reform des Hochschulsystems in Schleswig-Holstein dringend geraten ist, damit die Hochschulen konkurrenzfähig bleiben. "Wir hätten uns jedoch deutlichere und konsequentere Einschnitte vorstellen können", so Prof. Jürgen Bähr, Prorektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. "Ich befürchte, dass die derzeit auf dem Tisch liegenden Kommissionsvorschläge nicht ausreichen, um die weitreichenden Finanzprobleme zu lösen."

Eines der zentralen Probleme des Berichts sieht die Kieler Hochschulleitung in der Verlagerung von an die 2000 Studienplätzen nach Flensburg im Rahmen der Konzentration der pädagogischen Angebote. Wie schon in den vergangenen Jahren werde zu Lasten der Kieler Uni "die Fläche bedient". "Die lückenlose Umsetzung der Vorschläge wäre für die CAU ein schwerer Schlag. Wir würden mehr als jede andere Hochschule im Land verlieren", so Prof. Bähr weiter.

Die Verschiebung der Realschullehrerausbildung mache weder unter Qualitäts- noch unter Ersparnisgesichtspunkten Sinn. Die durch die Fach-zu-Fach-Zuordnung in Kiel laufenden Konzepte zur Professionalisierung und besseren Qualifizierung der Lehrerausbildung würden für den Realschullehrerbereich damit wirkungslos, so das Rektorat. Auch die Nachbarschaft zum Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) würde bei der Realschullehrerausbildung in Flensburg schmerzlich vermisst. Außerdem fielen aufgrund der guten Rahmenbedingungen in Kiel durch die parallel vorhandene Ausbildung für Gymnasiallehrer kaum zusätzliche Kosten für den Studiengang Lehramt Realschule an. Auch die Durchlässigkeit zum verwandten Studiengang Gymnasiallehrer spreche für Kiel - ebenso wie die Möglichkeit, während des Studiums zum wissenschaftlichen Magisterabschluss (oder zukünftig Bachelor und Master) zu wechseln.

Für die Heilpädagogik ginge die engen Kooperationsmöglichkeiten mit der Medizin und anderen angrenzenden Fächern in Flensburg verloren. Darüber hinaus sei eine gewisse Dichte entsprechender Schulen für die praktische Ausbildung der angehenden Sonderschullehrer vonnöten. Prof. Bähr: "Sollen die Studierenden für die Praktika dann wieder nach Kiel kommen? Es gibt auf dem Land einfach nicht genug Sonderschulen!" Auch die Arbeit der Sonderschullehrkräfte aus dem Schuldienst, die an der Universität unterrichten, würde durch die Verlagerung erschwert, wenn ein großer Teil jedes Mal von Kiel nach Flensburg fahren müsse.

"Mit dem Ausbau der Pädagogik in Flensburg wird die Politik der Landesregierung aus den 90er Jahren zementiert", protestiert Bähr. "Es ist doch inzwischen hinreichend klar geworden, dass die Verlagerung der Grund- und Hauptschullehrerausbildung nach Flensburg ein Fehler war. Die im Bereich Heilpädagogik und Realschule geäußerten Vorschläge werden zu einem Abwandern von Studierenden in andere Bundesländer führen, wie wir es im Bereich Grund- und Hauptschule bereits beobachten können."

Als wichtigen und sinnvollen Schritt beurteilt das Rektorat der CAU dahingegen den Vorschlag, die landwirtschaftliche Ausbildung der Fachhochschule Kiel auf den Campus der Uni Kiel zu holen. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass hier mittelfristig auch echte Ersparnisse entstünden.

Die von der Kommission gewünschte Konzentration eines molekularbiologischen Schwerpunktes und angrenzender Bereiche in Kiel ist auch ein Anliegen des Rektorates. Ausdrücklich begrüßt das Rektorat darüber hinaus die Idee eines Hochschulvertrages, der zwischen Kultusministerium und Hochschulen geschlossen wird und eine Ausfinanzierung der Personalhaushalte sowie eine Übernahme von Tarif-, Besoldungs- und Preissteigerungen enthält. Die in den letzten Tagen vom Kultusministerium geäußerte Ankündigung, schon im laufenden Haushaltsjahr die Mittelzuweisung für die Hochschulen aufzustocken, gingen ebenfalls in die richtige Richtung.

Eine Entscheidung über Strukturmaßnahmen sowie über den Abschluss eines Hochschulvertrages muss in den Gremien der Universität erfolgen. Die Gremien werden den Bericht der sogenannten Erichsen-Kommission nach eingehendem Studium im April diskutieren.