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Geodaten via Drohnentechnik Geodaten via Drohnentechnik

Tagesaktuelle, hochaufgelöste, genaue und dreidimensionale Geodaten: Die liefert das Kieler Unternehmen Orthodrone GmbH, das sich auch auf der Hannover Messe präsentiert. Gegründet wurde es von drei Kieler Geographiestudenten, die ihr Wissen inzwischen weltweit anbieten.

Binsen und Moose: Nach der Renaturierung des Offenbütteler Moors (Kreis Dithmarschen) 2013 erobert sich die ursprüngliche Pflanzenwelt ihren Lebensraum zurück. Zur Freude der Biologinnen und Biologen, die die Auswirkungen der Maßnahmen dokumentieren. Bei der Antwort auf die Frage, wie erfolgreich jede einzelne Maßnahme tatsächlich ist, helfen Juri Klusak, Julian Teege und Johann Wenzel – mittels Drohnen: Die Geographiestudenten aus Kiel liefern dank innovativer Sensortechnologie, wissenschaftlicher Methodik und Analytik hochaufgelöste und dreidimensionale Geodaten, die jedes noch so kleine Moosbüschel erfassen. Ihre Technologie und ihr Wissen sind gefragt – so sehr, dass die Studenten im November 2018 ihre eigene Firma gründeten und weltweit tätig sind.

Der Ausrüstungscheck: Das ist das Wichtigste vor jedem Einsatz. Für die Arbeit im Moor haben die drei Jungunternehmer Wärmebildkamera, Positionsmessgeräte sowie Fotokamera eingepackt. Auch etliche Akkus sind dabei – alle vollständig aufgeladen. »Nichts ist schlimmer, als im Moor, auf einem tropischen Gletscher mitten in den bolivianischen Anden oder auf einem See in Irland eine Steckdose suchen zu müssen, weil der Akku der Drohne leer ist«, sagt Juri Klusak.

Der 31-Jährige, der auf Küstengeographie und UAV-Technologie (UAV = Unmanned Aerial Vehicle) spezialisiert ist, hat mit seiner Bachelorarbeit 2017 den Stein ins Rollen gebracht. Für die Arbeit hat er mit automatisierten Drohnenflügen und Kamera die Erosion im Naturschutzgebiet Bottsand (bei Wendtorf, Probstei) ein halbes Jahr lang dokumentiert und ausgewertet. Mit dabei waren seine Kommilitonen, Freunde und jetzigen Mit-Unternehmer Julian Teege und Johann Wenzel. Im April 2018 hat Klusak seine Arbeit auf einer Fachmesse in Wien vorgestellt – und festgestellt, dass genau dieses Wissen mehr als gefragt ist. »Daraufhin haben wir unser Unternehmen gegründet«, berichtet auch Julian Teege, der wie Johann Wenzel derzeit seine Masterarbeit zum Einsatz von UAV-Technologie im Agrarsektor schreibt.

Mit dem Programm kann man Gänseblümchen auf der Wiese zählen.

Juri Klusak

Bei der Gründung unterstützt wurden und werden sie vom Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) der Kieler Uni. In den Räumlichkeiten des ZfE-Inkubators haben sie sich eingerichtet und profitieren davon, hier gleich zu Beginn eine professionelle Umgebung nutzen zu können. Schützenhilfe leistet ebenfalls das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein. Es sorgt für finanzielle Sicherheit in den ersten zwölf Monaten. »Das Arbeitspensum, das die drei hier zeigen, ist schon sehr beachtlich. Gut, dass sie durch das Stipendium die Zeit haben, zwischendurch mal Luft zu holen und neue Ideen zu entwickeln und auszuprobieren«, resümiert Dr. Anke Rasmus, Leiterin des ZfE.

Am Moor angekommen, starten die Geographen ihre Drohne. Ein sattes Brummen ertönt, als das Flugobjekt mit den vier Rotoren und der Kamera abhebt. Tausende Bilder von der zu überprüfenden Fläche schießen die Geographen an diesem Tag. Eine entsprechende Software verarbeitet die Bilder und berechnet Entfernungen und Höhenunterschiede, bis am Ende eine dreidimensionale Karte auf dem Computerbildschirm entsteht.

»Dieses Modell ist schon etwas Besonderes«, erklärt Klusak. Denn den Betrachterinnen und Betrachtern wird nicht nur ein maßstabsgerechter, genauer Überblick über die Fläche geboten, sondern dank der hohen räumlichen Auflösung lässt sich jede Pflanze auf einen Zentimeter scharf heranzoomen. »Mit dem Programm kann man Gänseblümchen auf der Wiese zählen.«

Ein weiterer Vorteil der Software: Jeder Punkt auf dem dreidimensionalen Modell lässt sich berechnen. »Einfach erklärt, schreiben wir ein Programm, in dem wir dem Computer erklären, was Torfmoos ist und wie es aussieht, und die Software sucht auf der gesamten Fläche eben jenes Moos und berechnet nach Wunsch die Gesamtfläche der Ansiedlung.« Für die Biologinnen und Biologen, die das Moor untersuchen, sind diese Angaben mehr als hilfreich, weil sie sich gezielt auf die Suche nach dem Moos begeben können.

Berechnen lassen sich mit dem Programm übrigens nicht nur Quadrat-, sondern auch Kubikmeter, was zum Beispiel im Küstenschutz oder im Agrarbereich von Interesse ist (»wie viel Sand pro Tag wird weggeweht oder von den Wellen weggetragen«). Es gibt noch eine Reihe weiterer Vorteile für den Einsatz der automatisierten Drohne: Sie ist kostengünstiger als ein Hubschrauber, liefert tagesaktuell Bilder und Daten, ist leiser und damit weniger störend für Vögel in Naturschutzgebieten und sie ist vielfältig einsetzbar, wie die Unternehmer beweisen: An der Küste waren sie unterwegs, im Moor, in den Anden haben sie damit tropische Gletscher vermessen und eine Anfrage von UNICEF für einen Einsatz in Malawi (Afrika) läuft. »Wir liefern nicht nur als Dienstleister aufbereitete Datensätze, sondern helfen als Kooperationspartner bei zahlreichen Projekten mit, Antworten zu finden«, sagt Klusak. »Das ist es, neben der Arbeit mit der Drohne, was uns besonders gefällt.«

Autorin: Jennifer Ruske