Ost- und Westpreußen im Dialekt

Nachdem auch der letzte Band soeben erschienen ist, geht ein Projekt an der Kieler Universität zu Ende, das seit mehr als vierzig Jahren hier angesiedelt war: das "Preußische Wörterbuch". Es hatte nicht weniger zur Aufgabe, als den preußischen Dialekt, nach dem Verlust der ehemals deutschen Ostgebiete eine aussterbende Sprache, für die Nachwelt zu erhalten. Der erste Band des Wörterbuches erschien 1974, verlegt wird es bei Wachholtz in Neumünster.

In sechs Bänden finden sich nun alle Begriffe der Dialektsprache mit hochdeutscher Bedeutung und ausführlichen Erklärungen. Zur Dokumentation der Aussprache existieren umfangreiche Tondokumente, die derzeit im Zentrum für Dialektologie "Deutscher Sprachatlas" an der Universität Marburg digitalisiert werden. Auch das in Kiel gesammelte Originalmaterial sowie die umfangreiche Bibliothek wurden inzwischen an die zentrale Stelle in Marburg transferiert.

"Wir dokumentieren hiermit die 700 Jahre alte preußische Sprachlandschaft, die die ehemaligen Provinzen Ost- und Westpreußen umfasst," so Professor Friedhelm Debus, der letzte Projektleiter. "Die verklingende Sprache dieses wichtigen Kulturraumes mit Königsberg als bedeutendem wissenschaftlich-wirtschaftlichen Zentrum wird damit als Zeugnis der deutschen Geschichte bewahrt. Was mich besonders freut: Nach dem Mauerfall haben auch die Sprachforscher in Königsberg begonnen, sich für das Thema zu interessieren, so dass sich in den vergangenen Jahren vermehrt ein Austausch mit Wissenschaftlern und Studierenden von dort entwickelte."

Wie landete das Projekt ausgerechnet in Schleswig-Holstein? Der Königsberger Professor Walther Ziesemer hatte bereits seit 1911 an einem derartigen Dialektlexikon gearbeitet. Das wertvolle Archiv war jedoch in den letzten Kriegswirren vollständig vernichtet worden. Der erste Assistent Ziesemers aus Königsberg, Professor Walther Mitzka, verhalf dem Projekt in der jungen Bundesrepublik dann zur Wiedergeburt unter anderen Vorzeichen. Als Direktor des "Deutschen Sprachatlasses" in Marburg beauftragte er 1952 den nach Schleswig-Holstein geflüchteten Königsberger, Erhard Riemann, der selber ebenfalls noch als – letzter – Assistent Ziesemers gearbeitet hatte, mit dem Projekt. Da es viele Menschen aus dem ehemaligen Ost- und Westpreußen nach dem Krieg nach Schleswig-Holstein verschlagen hatte, fiel es nicht schwer, Gewährsleute zu finden, deren Dialektgebrauch nun dokumentiert ist – insgesamt über 400 Sprecher.

Seit 1953 wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Schleswig-Holstein, ab 1979 von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz gefördert. Seit vierzig Jahren war die "Wörterbuchstelle Preußisches Wörterbuch" ein Teil des Germanistischen Seminars der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Der Abschluss des Projektes gab Anlass zu einer Präsentation am 8. September in der Hermann-Ehlers-Akademie Kiel, während der Professor Michael Schlaefer, Arbeitsstellenleiter des "Deutschen Wörterbuches der Brüder Grimm" in Göttingen und Dr. Reinhard Goltz, der letzte Herausgeber des "Preußischen Wörterbuches", aus der Mundartforschung berichten.

Bibliografie: Preußisches Wörterbuch. Hrsg. von Reinhard Goltz im Auftrag der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz. 6 Bände zu je 10 Lieferungen von je 64 Seiten, 19 x 27,5 cm, Wachholtz Verlag Neumünster, ISBN 3 529 04611 6

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Germanistisches Seminar
Professor Friedhelm Debus
0431/880-2310 oder privat: Tel./Fax: 04347/7505