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Rudolf Höber, der 1933 vertriebene Kieler Wissenschaftler

Die Medizinische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) lädt die interessierte Öffentlichkeit zu einer Vortragsveranstaltung am Donnerstag, 8. November, ein. Der Vortragende, Frank Hoeber, ist ein Enkel des Kieler Physiologen und ehemaligen Rektors der CAU Prof. Dr. Rudolf Höber (1873-1953). Er wurde 1933 von der CAU vertrieben und emigrierte in die USA.

Frank Hoeber wird über das Wirken seines Großvaters in Kiel und über die Geschichte seiner eigenen Familie berichten. Diese stammte aus Düsseldorf und musste ebenfalls Deutschland verlassen. Aus den Schicksalen beider Familien wird in dem Vortrag neben einem Stück Kieler Universitätsgeschichte ein unmittelbares Bild zur Vertreibung der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Deutschland während der Nazizeit entstehen.

Über die Person:

Rudolf Höber wurde am 27. Dezember 1873 in Stettin geboren. Nach dem Studium der Medizin arbeitete er von 1898 bis 1909 am Physiologischen Institut der Universität Zürich. 1909 wechselte er als Assistent an das von Viktor Hensen (1835-1924) geleitete Physiologische Institut der CAU. 1915 wurde er zum ordentlichen Professor für Physiologie berufen und zum Direktor des Instituts bestellt. Er sammelte eine aktive Gruppe renommierter Wissenschaftler um sich, darunter den späteren Nobelpreisträger Otto Meyerhof (1884-1951), und führte das Institut auf einen Spitzenplatz in Deutschland.

Seine Amtszeit als Rektor der CAU (1930-1931) war belastet durch Konflikte mit nationalsozialistischen Studierenden, die sich und ihre Ideologie inneruniversitär mit Brachialgewalt durchsetzen wollten. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten stand er im Fokus von Repressalien des NS-Systems. Höber wurde im Herbst 1933 wegen seiner jüdischen Abstammung in der Umsetzung des Gesetzes zur „Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ von der Universität verwiesen.

Höber emigrierte und nahm 1934 an der Pennsylvania Medical School (USA) eine Gastprofessur an. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Höber nicht mehr nach Deutschland zurück. Hochgeachtet in der wissenschaftlichen Gemeinschaft verstarb er am 5. September 1953. In Erinnerung an seine Persönlichkeit und sein Wirken trägt das Physiologische Institut der CAU seit 1948 den Namen „Rudolf-Höber-Haus“.

Das Wichtigste in Kürze:

Vortrag von Frank Hoeber, Philadelphia (USA): „Rudolf Höber, der 1933 vertriebene Kieler Wissenschaftler“
Datum: 8. November 2018
Zeit: 17:30 Uhr
Ort: Hörsaal D, Audimax, Christian-Albrechts-Platz 2, 24118 Kiel
Eintritt frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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