Schädlingsprognose im Internet

Rapsfeld
© Uni KielDamit der prächtigen Rapsblüte wie hier am Westensee auch eine ebensolche Ernte folgt, haben Kieler Wissenschaftler ein Prognosemodell für Pilzbefall entwickelt.

"Mit Hilfe unserer Internet-Plattform können Landwirte den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln bedarfsgerecht reduzieren, für manche Pflanzen sogar um bis zu 30 Prozent", kündigt Professor Joseph-Alexander Verreet von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an. Er und sein Team vom Institut für Phytopathologie (der Wissenschaft von Pflanzenkrankheiten) entwickelten so genannte Integrierte Pflanzenschutzmodelle, mit denen Epidemien von Pilzkrankheiten an Raps, Weizen und Zuckerrüben genau vorherbestimmt werden können und damit ihre Bekämpfung optimal geplant. Heute (8. April) hat Verreet die Website "www.ips-modelle.de" offiziell frei geschaltet.
Hier erfahren Landwirte schnell und mit wenigen Klicks, wann der Schädlingsbefall noch hinnehmbar oder wann er wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist: Hierfür gibt der Nutzer Daten wie Kalenderwoche und Sorte ein und erhält binnen Sekunden ein Diagramm. Wie wahrscheinlich eine Epidemie in seiner Region ist, erfährt er, wenn er auf der Landkarte seinen Standort (Zuckerrübe und Raps deutschlandweit, Weizen Schleswig-Holstein-weit) wählt. Auf der Homepage kann er auch Warnmeldungen per E-Mail abonnieren.
Innerhalb der vergangenen zehn Jahre haben Wissenschaftler des Instituts an mathematischen Modellen gearbeitet, die die ökologischen Bedürfnisse der Kulturen in genaue Formeln fassen: Unzählige Pflanzen wurden untersucht und zusätzlich wurde erfasst, bei welchen Witterungsverhältnissen welche Pflanze wie reagiert. Diese Daten flossen in eine Datenbank. Nun generieren die tagesaktuellen Werte des Deutschen Wetterdienstes kleine rote Fähnchen auf der Online-Karte, die signalisieren, wo Gefahr durch eine Epidemie im Verzug ist. Bereits seit 2003 ist die erste Internetseite zur Zuckerrübe online, die allein im Jahr 2004 140.000 Mal aufgerufen wurde.
Professor Verreet ist überzeugt: "Ohne Chemie wird es auch künftig keinen wirksamen Pflanzenschutz geben. Sie sollte jedoch vielmehr als Notbremse betrachtet werden, die man zum richtigen Zeitpunkt zieht."

Das Projekt wird von der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft gefördert.

Kontakt:

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Phytopathologie,
Prof. Dr. Joseph-Alexander Verreet
0431/880-2996
Fax: 0431/880-1583
javerreet@phytomed.uni-kiel.de