Startschuss für den Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft"

Nachdem gestern das Bewilligungsschreiben der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eingegangen war, hat der Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" seine Arbeit aufgenommen. Bewilligt wurde eine Summe von 36,27 Mio Euro für den Zeitraum von fünf Jahren.

Der Minister gratulierte Professor Wallmann zu seiner Wiederwahl als Sprecher des Exzellenzclusters, das mehr als 100 Wissenschaftler vereint. Auf einer Vollversammlung war Wallmann am Mittwoch im Amt bestätigt worden. Er arbeitet im Forschungsbereich Marine Biogeochemie des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und ist Professor an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Stellvertretender Sprecher wurde Professor Ralph Schneider, dessen Lehrstuhl am Institut für Geowissenschaften der Kieler Universität angesiedelt ist. Neben der CAU und dem IFM-GEOMAR sind das Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie die Muthesius Kunsthochschule als Kooperationspartner beteiligt.

"Die Bestätigung der Exzellenz durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft macht deutlich, dass die Meeresforscher in Kiel nicht nur bundesweit Spitze sind, sondern in der Weltliga spielen", sagte Wissenschaftsminister Dietrich Austermann heute (26. Oktober) bei einem Treffen mit Wallmann sowie dem Rektor der Universität, Professor Thomas Bauer, und Professor Peter Herzig, Direktor von IFM-GEOMAR. Der Norden habe bei der Exzellenzinitiative deutlich gemacht, dass es ein Forschungsgefälle in Deutschland nicht mehr gibt. Die weiteren Arbeiten würden dies unterstreichen. "Ich erwarte Antworten in zwei Schwerpunkten: Zum einen hinsichtlich der existenziellen Fragen unseres Lebensraumes Meer, zum anderen bei der Entdeckung neuer Rohstoffe und der Entwicklung neuer Produkte", so Austermann.

Rektor Bauer unterstrich, wie wichtig der Cluster für die Christian-Albrechts-Universität ist: "Die Bewilligung bedeutet für uns auch intern ein großes Glück, weil hier Wissenschaftler sehr unterschiedlicher Fachgebiete über die Fakultätsgrenzen hinweg zusammenarbeiten und das interdisziplinäre Gespräch und Verständnis beleben." Die beteiligten Wissenschaftler verdienten höchste Anerkennung. Sie hätten geradezu beispielhaften Idealismus bewiesen, weil sie ihre Anstrengungen nicht zu ihren eigenen Gunsten unternommen hätten, sondern um ganz neue Forschungsfelder zu entwickeln und zu ermöglichen.

Professor Herzig hob vor allem die überregionale Bedeutung des Clusters hervor: "Die Förderung des Exzellenzclusters ist natürlich eine Auszeichnung für die Kieler Meereswissenschaftler, verdeutlicht aber auch, dass die Chancen und Risiken, die der 'Ozean der Zukunft' bietet, auch als ein für Deutschland insgesamt, gesellschaftlich relevantes Thema angesehen werden."

Für den Cluster werden nun die Strukturen geschaffen. Im Konzept sind dreizehn Nachwuchsforschergruppen zu spezialisierten Fragestellungen vorgesehen. Die internationale Ausschreibung der Junior- oder Jungprofessorenstellen ist bereits in Vorbereitung. Da Ruferteilung und Berufungsverhandlungen Zeit in Anspruch nehmen, ist mit einem Start der neuen Forschergruppen ab Frühsommer nächsten Jahres zu rechnen. "Der Exzellenzcluster gibt uns die Chance", so Clustersprecher Wallmann, "die besten Nachwuchsleute weltweit anzusprechen. Die Professuren werden mit wissenschaftlichen Qualifizierungsstellen (Postdocs und Doktoranden) sowie technischem Personal und finanzieller Ausstattung unterstützt. Dies schafft Arbeitsbedingungen, die im Vergleich mit dem Standard an deutschen Hochschulen außergewöhnlich gut sind. Ich bin sehr optimistisch, was das Interesse anbelangt, in diesem Cluster mitzuarbeiten."

Vier zentrale Plattformen, die die wissenschaftliche Methodik erforschen und weitertreiben, wurden in den Cluster aufgenommen. Ob numerische Simulationen, molekularbiologische Fragestellungen, Ozeanbeobachtung oder Isotopenforschung: Die wissenschaftlichen Ideen aus den Nachwuchsforschergruppen werden durch die Kompetenz vor Ort gefördert und begleitet.

Zusätzlich zu den Stellen im wissenschaftlichen Bereich, die in den beteiligten Instituten ihre Heimat finden, wird ein übergreifendes Koordinationsbüro auf dem Kieler Uni-Campus eingerichtet. Zentrale Projekte des Clusters widmen sich der Wissenschaftsvermittlung und dem Technologietransfer. Hier ist eine enge Zusammenarbeit mit der Patentverwertungsagentur Schleswig-Holstein geplant. Auch das Personal aus diesen Querschnittsprojekten wird im Koordinationsbüro angesiedelt, ebenso wie die Verwaltung der neu zu gründenden Lehreinrichtung "Integrated School of Ocean Sciences (ISOS)", die für Kieler und auswärtige Studierende eine zusätzliche Möglichkeit bietet, sich fächerübergreifend auf dem Gebiet der Meereswissenschaften zu qualifizieren.

Insgesamt bringt der Exzellenzcluster zur Zukunft der Weltmeere über hundert Menschen neue Arbeit in Kiel.

Kontakt:
Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr
Harald Haase
0431/988-4420
harald.haase@wimi.landsh.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse und Kommunikation
Susanne Schuck
0431/880-3004
presse@uv.uni-kiel.de

Struktur und Themen des Exzellenzclusters "The Future Ocean"

Antragstellerin:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Projektpartner:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)
Institut für Weltwirtschaft (IfW)
Muthesius Kunsthochschule
Clustersprecher: Professor Dr. Klaus Wallmann
Stellvertretender Sprecher: Professor Dr. Ralph Schneider
Wissenschaftliche Projekte:
A1: Ozeanversauerung
A2: Das Meer wird wärmer
A3: CO2 - Aufnahme des Ozeans (Untersuchung zukünftiger Veränderungen durch Computer-Simulationen)
A4: Werden die tropischen Niederschläge stärker oder schwächer?
A5: Kohlendioxid-Deponierung in der Tiefsee
A6: Meeresoberfläche und Aerosol Chemie
A7: Bewertung des Ozeans
B1: Lebende Ressourcen und Überfischung
B2: Medizin aus dem Meer
B3: Rohstoffe am Meeresboden
B4: Submarine Gefahren an Kontinentalrändern
B5: Küstengefährdung durch globalen Klimawandel
B6: Seerecht und Marine Ressourcen
Forschungsplattformen
Numerische Simulation und DatenmanagementIsotopenforschung
Molekularbiologische Hochdurchsatztechnologien
Ozeanobservatorien
Andere übergreifende Projekte
Integrated School of Ocean Sciences (Prof. Karin Lochte)
Wissenschaftsvermittlung (Susanne Schuck)
Technologietransfer (Dr. Heino Steentoft)
Projektlaufzeit: 1. November 2006 bis 31. Oktober 2011
Insgesamt bewilligte Mittel: 36,27 Mio. Euro