Studie: Schleswig-Holsteinische Unternehmen zeigen Verantwortung

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Schleswig-Holstein tragen große Verantwortung in den Bereichen Gesellschaft, Ökologie und Personal. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Studie des Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics (KCPPE) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Finanziert wurde das Forschungsprojekt von der Staatskanzlei im Rahmen der Landesentwicklungsstrategie Schleswig-Holstein 2030.

Sie haben weniger als 10, 50 oder 250 Beschäftigte und erzielen weniger als 2, 10 oder 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Dennoch sind 60,7 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland (rund 76 Prozent in Schleswig-Holstein) in kleineren und mittleren Unternehmen beschäftigt. KMUs sichern damit viele Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfungsketten. Sie prägen darüber hinaus die lokale Gemeinschaft, unterstützen gemeinnützige Projekte und sind im Umweltschutz aktiv. Mit anderen Worten: Sie tragen unternehmerische Verantwortung in Form von Corporate Social Responsibility (CSR).

75 Prozent des gesellschaftlichen Engagements wirkt vor Ort

Gemessen wurde das gesellschaftliche Engagement von KMUs auf Landesebene bislang nicht. Die bisherige Forschung konzentrierte sich weitgehend auf große und multinationale Konzerne. Ihre aufsehenerregenden Fehltritte haben ebenso wie ihre gesellschaftlichen Beiträge meist größere Auswirkungen auf die Umwelt und das Gemeinwesen. Zudem haben große Unternehmen mehr Möglichkeiten, ihren Einsatz medienwirksam zu vermarkten. „Kleine und mittlere Unternehmen sind jedoch viel erfolgreicher bei der Implementierung und Umsetzung von CSR“, berichtet Projektleiter Dr. Alexander Lorch von der CAU auf Basis der aktuellen Forschungsergebnisse. Die Studie mache deutlich, dass sich kleine und mittlere Unternehmen ihrer Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft bewusst sind und ihre Rolle über die als regionaler Arbeitgeber hinausgeht: „KMUs sind deutlich flexibler, näher an den Kunden und direkter in das lokale Gemeinwesen eingebettet. Sie kennen die Probleme und Wünsche der Menschen vor Ort und in der Region und können so gezielter darauf reagieren. Damit leisten sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag im Bereich der unternehmerischen Verantwortung“, so Lorch weiter. Und diese Verantwortung kommt laut Studie zu 75 Prozent den Kommunen und Gemeinden zugute.

Überraschend war für die Forscher der Uni Kiel, dass die Unternehmen dabei vielfach auch auf moderne Formen des Engagements zurückgreifen. Dazu zählen zum Beispiel Corporate Volunteering, also betriebliche Freiwilligenprogramme. Rund 60 Prozent der KMUs wollen damit ihre Beschäftigten bei der Ausübung von Ehrenämtern unterstützen oder stellen kostenlose Dienstleistungen zur Verfügung. Eine weitere wertvolle Erkenntnis zeigte sich beim Thema Personalpolitik: Obwohl den Unternehmen vor Ort der Fachkräftemangel (80 Prozent) und die Abwanderung junger Menschen (44 Prozent) Sorgen bereiten, setzen sie ihre CSR-Aktivitäten eher zur Mitarbeitermotivation als zur Gewinnung neuer Fachkräfte ein. „Darin sehen wir großes Potenzial für die Unternehmen. Mit ihrem gesellschaftlichen Engagement könnten sie sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und engagierte junge Menschen in der Region halten“, sagt Martin Kunze, Projektmitarbeiter am KCPPE.

Insgesamt 463 kleinere und mittlere Unternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein haben die Kieler Wissenschaftler dazu im vergangenen Jahr telefonisch und anonym befragt. Neben der Erfassung unterschiedlicher Formen von Verantwortungsübernahme durch KMUs setzten sie sich auch damit auseinander, welche Herausforderungen in Schleswig-Holstein zu meistern sind und wie die Politik das gesellschaftliche Engagement fördern kann. So erschweren den KMUs nach eigenen Aussagen vor allem fehlende zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen das gesellschaftliche Engagement. Dagegen können staatliche Förderungen, steuerliche Vorteile und der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen das gesellschaftliche Engagement von KMUs stärken.

Die Empfehlung der Forscher an die Politik lautet daher: „Das gesellschaftliche Engagement kleinerer und mittlerer Unternehmen muss in der Landes- und Kommunalpolitik wahrgenommen werden und Eingang in die Nachhaltigkeitsstrategien finden, indem nicht nur Empfehlungen für große, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen herausgegeben werden. Zusätzlich können die Auslobung von Preisen für unternehmerisches Engagement oder die Berücksichtigung dieses Engagements in öffentlichen Vergaberichtlinien wichtige Anreize gerade für KMUs setzen“, empfiehlt Lorch. Schließlich gelte nach wie vor der Grundsatz: „Tue Gutes und rede darüber“. „Die Herstellung von Öffentlichkeit sorgt für Anerkennung und letztlich auch für unverzichtbare Werbung“, schließt Lorch.

Weitere Informationen

Ausführliche Studie als Download

Kontakt:

Dr. Alexander Lorch
Kiel Center for Philosophy, Politics and Economics
E-Mail:  lorch@philsem.uni-kiel.de
Telefon: 0431/880-2829

Verant­wortungs­bereich Gesellschaft

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© Anke Kuring, Uni Kiel

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Verantwortungsbereich Personal
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Claudia Eulitz
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