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Bibliotheken neu schreiben

In der ersten unizeit-Ausgabe wurde der Neubau der Universitätsbibliothek in der Leibnizstraße vorgestellt. Seit 2001 hat sich im Bibliothekswesen viel getan – die Digitalisierung hält in Bibliotheken Einzug und stellt sie vor große Herausforderungen.

Die Universitätsbibliothek (UB) der CAU ist zentraler Anlaufpunkt für Forschung, Lehre und Studium. „Doch neben den traditionellen Services rund um die gedruckten Bücher und Zeitschriften haben digitale Angebote längst immer mehr an Bedeutung gewonnen – und die Veränderung schreitet voran“, berichtet Dr. Kerstin Helmkamp, die seit Mai 2017 die Universitätsbibliothek leitet. Noch vor rund zehn Jahren lagen die Ausleihzahlen für gedruckte Werke und die Downloadzahlen für digitale Werke mit jeweils rund einer Million pro Jahr nah beieinander. Inzwischen werden jährlich deutlich weniger Printmedien ausgeliehen, während die Nutzung digitaler Werke enorm gestiegen ist und sich mit 4,2 Millionen nahezu vervierfacht hat, Tendenz steigend.

An der Spitze dieser Entwicklung stehen die Lebens- und Naturwissenschaften, die mittlerweile vielfach ausschließlich mit elektronischen Zeitschriften arbeiten. „Das veränderte Nutzerverhalten und komplexere Anforderungen aus der Forschung machen es notwendig, die Universitätsbibliothek in vielen Bereichen neu aufzustellen, etwa indem wir unsere Services laufend weiterentwickeln und durch neue Angebote ergänzen“, so Helmkamp.

Ein Beispiel dafür ist das Publizieren von Forschungsergebnissen auf dem demnächst rundum modernisierten Publikationsserver der UB im Open Access (OA) – diese Art der Online-Veröffentlichung leistet einen wichtigen Beitrag zur weltweiten Bewegung, wissenschaftliche Informationen unbeschränkt und kostenlos zugänglich zu machen. Dafür sollen Open-Access-Anreize geschaffen werden, denn was für Leserinnen und Leser frei ist, ist für die Autorinnen und Autoren bei kommerziellen Verlagen meist nicht umsonst. Bereits jetzt bietet die UB neben Beratungen auch Kostenbeteiligungen mit Mitteln aus dem Open-Access-Fonds des Landes Schleswig-Holstein an, der gerade von den Lebens- und Naturwissenschaften sehr nachgefragt ist.

Die jüngste Gründung eines an der UB angesiedelten Universitätsverlages ist ein weiterer Schritt, Open-Access-Publikationen von CAU-Angehörigen zu unterstützen. Erscheinen sollen dort künftig hochwertige wissenschaftliche Arbeiten in rein digitaler Form oder in Kombination aus elektronischer und Printpublikation. „Der neue Univerlag soll eine Lücke der Publikationsdienste der UB schließen“, erläutert Helmkamp. „Und er soll die digitalen Veränderungen der wissenschaftlichen Kommunikationskultur begleiten, die seit einigen Jahren speziell auch die Geisteswissenschaft immer stärker erfassen.“

Dass die studierte Germanistin ein Herz für die Geisteswissenschaften hat, zeigt sich in dem UB-Schwerpunktthema „Digitale Geisteswissenschaften/Digital Humanities“. Die UB digitalisiert und präsentiert historische Texte über ihre frei zugängliche Plattform „Digitale Bibliothek Kiel“ (DiBiKi) und wird in Kooperation mit nationalen Partnern für deren professionelle Langzeitarchivierung sorgen.

„Digitalisierte Werke bergen den großen Vorteil, dass sie rund um die Uhr und weltweit einsehbar sind“, so Helmkamp. Das ermöglicht ein ganz neues, auch kollaboratives Arbeiten in Projekten, beispielsweise durch die direkte Verbindung von Transkription, Handschriftenbeschreibung und Faksimile oder die Bearbeitung in virtuellen Forschungsumgebungen bis hin zu digitalen Editionen. „Perspektivisch wollen wir ergänzend zu Verfahren der Volltexterkennung Werkzeuge für analytische Auswertungen und das Text- und Datamining anbieten“, schaut Helmkamp in die Zukunft.

Die Schwerpunktsetzung auf Digitales wird sich zudem baulich widerspiegeln, erklärt Dr. Uwe Pfründer, Leiter des CAU-Gebäudemanagements: „Im kommenden Jahr fangen wir an, einen Flügel der UB umzubauen. Dafür werden wir den Buchbestand im Freihandbereich reduzieren und viele verschiedene, modern ausgestattete Arbeitsplätze für Einzel- und Gruppenarbeit für das digitale Arbeiten und Lernen einrichten. Bis 2022 sollen die Arbeiten im Erdgeschoss fertiggestellt werden, inklusive einer stabilen WLAN-Ausleuchtung“, verspricht Pfründer. Während der Bauarbeiten werden die Einschränkungen möglichst gering gehalten. „Nach der Fertigstellung werden wir die Fläche mit einem Konzept wiedereröffnen, das von Offenheit geprägt ist und Studierende einlädt, dort auch eigene Veranstaltungen durchzuführen. Neben Präsentationen sind auch Ausstellungen mit einem neuen Konzept geplant.“

„Es ist für uns eine große Herausforderung, 2.000 Quadratmeter Bibliotheksfläche im laufenden Betrieb umzuwidmen, das Personal mitzunehmen und die Services aufrechtzuerhalten. Aber wir freuen uns darauf!“, schließt Kerstin Helmkamp.

Autorin: Claudia Eulitz

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