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Über 50 Jahre Ausbildung zum Forschungstauchen an der Uni Kiel

Ein Taucher notiert etwas
© Forschungstauchzentrum Uni KielIm Rahmen der Kieler Ausbildung erhalten Forschungstaucherinnen und -taucher das Rüstzeug für wissenschaftliches Arbeiten unter Wasser.

Ob für die Erforschung der Lebenswelten unter Wasser, die Untersuchungen an archäologisch bedeutenden Stätten wie Schiffswracks, die Kartierungen des Meeresbodens oder das Aufnehmen von Filmmaterial unter Wasser – Taucher benötigen für zahlreiche wissenschaftliche Unterwasserarbeiten eine spezielle und umfangreiche Ausbildung. Seit mehr als 50 Jahren bildet das Forschungstauchzentrum der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) Taucherinnen und Taucher für komplexe wissenschaftliche Aufgaben unter Wasser aus. Vergangenen Donnerstag (18. Oktober) haben erneut sechs Forschungstaucherinnen und -taucher ihre Ausbildung erfolgreich beendet. Die letzten Prüfeinheiten im Freiwasser in der Kieler Förde vom Forschungskutter „Littorina“ aus fanden bei bestem Herbstwetter und idealen Unterwasserbedingungen statt.

Die Plätze für die Ausbildung zum Forschungstaucher sind begehrt und rar – mehr als dreimal so viele Interessenten bewerben sich um die auf jährlich 25 Plätze begrenzten Kapazitäten des Kieler Forschungstauchzentrums des Instituts für Geowissenschaften. Das Forschungstauchzentrum gehört zu den größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland, und die Ausbildung hat Tradition. Seit einem halben Jahrhundert werden hier die Grundlagen für fachspezifische Arbeitstechniken unter Wasser gelegt. Dazu gehören etwa Methoden der Kartierung und Probennahme der Ökosysteme, der Umgang mit historischen Funden, aber auch das wissenschaftliche Filmen und die Dokumentation. „Wir legen besonderen Wert auf eine interdisziplinäre Ausbildung und den Blick über den Tellerrand hinaus. Unsere Absolventen erhalten in Kiel das notwendige Rüstzeug für wissenschaftliche Untersuchungen in der Meeresbiologie, der Küstengeologie oder der Archäologie“, sagt Roland Friedrich, Ausbildungsleiter des Forschungstauchzentrums am Institut für Geowissenschaften an der CAU, der stolz die Zertifikate an die sechs fertig ausgebildeten Forschungstaucherinnen und -taucher überreichte.

Wissenschaftliches Tauchen ist ein fester Bestandteil in zahlreichen Forschungsprojekten und darf ausschließlich von geprüften Forschungstauchern ausgeführt werden. Insbesondere im Flachwasser tragen die dafür speziell ausgebildeten Taucherinnen und Taucher dazu bei, Sedimente zu bestimmen, Proben von besonderen Habitaten im Meer wie Seegraswiesen zu nehmen und archäologische Ausgrabungen an Schiffswracks wie beispielsweise in der Kieler Förde durchzuführen. Das Kieler Forschungstauchzentrum ist daher Partner in zahlreichen wissenschaftlichen Projekten der CAU, beispielsweise beim Küstenforschungsprojekt „GeoHab – BALDESH“ oder dem vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel koordinierten Projekt „UDEMM“ zur Untersuchung von Munition im Meer. „Unser Forschungstauchzentrum ist eine wichtige Brücke in der Zusammenarbeit der Universität mit Landesbehörden und trägt mit zum Küstenschutz und Erhalt der Ökosysteme in Nord- und Ostsee bei“, berichtet Professor Ralph Schneider, Direktor des Forschungsschwerpunktes Meereswissenschaften (Kiel Marine Science) an der CAU. Darüber hinaus arbeitet das Forschungstauchzentrum eng mit medizinischen Einrichtungen, Medienunternehmen oder mit der Deutschen Gesellschaft für Seenotrettung (DGzRS) zusammen.

Weitere Informationen:

Forschungstauchzentrum der CAU:
www.ifg.uni-kiel.de/forschungstauchzentrum.html

Über das Projekt „GeoHab – BALDESH“:
www.sedimentologie.ifg.uni-kiel.de/de/ag/von-roenn/projekte

Über das Projekt „UDEMM“:
https://udemm.geomar.de/de/home

Kontakt
Roland Friedrich
Ausbildungsleiter des Forschungstauchzentrum Kiel
Institut für Geowissenschaften
Telefon: +49 170 40 25 66 3
friedrichmolfsee@gmail.com

Text: Friederike Balzereit