Uni Kiel erforscht Evolution von Stammzellen

Der Kieler Zoologe Thomas Bosch will klären, ob auch wirbellose Tiere über Stammzellen verfügen und wie sie dort gesteuert werden. Sein Vorschlag, in einem integrativen Ansatz die molekularen Mechanismen aufzuklären, die das Stammzellverhalten im Süßwasserpolypen Hydra regulieren, wurde nun von der DFG bewilligt. Über die nächsten 3 Jahre stehen ihm dafür etwa 330.000 Euro zur Verfügung. Hydra gehört zum Tierstamm der Nesseltiere, einem der ältesten Tierstämme in der Entwicklung biologischen Lebens überhaupt.

Durch eine Kombination von genetischen, zell- und molekularbiologischen Ansätzen sowie dem Einsatz von "computational biology" wollen die Forscher um Bosch nun die Gene identifizieren, die direkt an der Kontrolle des Stammzellverhaltens beteiligt sind. Voraussetzung für diese Arbeiten war die erfolgreiche Transformation von Hydra-Stammzellen, über die Bosch vor zirka zwei Jahren in den einer amerikanischen Wissenschaftszeitschrift berichtete.

Der Schwerpunkt des neuen Forschungsvorhabens wird auf drei Aspekte der Stammzellbiologie gelegt: (i) Entdeckung von spezifischen molekularen Markern für Stammzellen in Hydra; (ii) Identifikation von wichtigen Regulatormolekülen, die das Stammzellverhalten steuern; und (iii) biochemische Charakterisierung der Umwelt ("Nische"), in der diese Zellen leben.

Die Forscher an der CAU wollen mit diesem Ansatz nicht nur die Rolle von Genen aufklären, die spezifisch in Stammzellen ausgebildet werden, sondern auch die Komplexität der Regelmechanismen aufzeigen, die in einem phylogenetisch alten Tier für den Stammzellwuchs und Differenzierung verantwortlich sind. Ein wichtiges Ziel dabei ist es, das klassische Modellsystem Hydra als zukunftsträchtiges Modellsystem in der vergleichenden Stammzellforschung zu positionieren. Bosch hofft, damit auch noch rätselhafte Vorgänge in menschlichen Stammzellen besser verstehen zu können.

Informationen hierzu auch unter:
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2006/2006-023-stammzellen.shtml

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Zoologisches Institut
Professor Thomas Bosch,+49 (0)431/880-4169
tbosch@zoologie.uni-kiel.de