Uni Kiel schickt zwei Graduiertenschulen ins Rennen

Zwei Antragsskizzen für Graduiertenschulen hat die Universität Kiel heute (15.09.06) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht und komplettiert damit ihre Anträge für die Exzellenzinitiative des Bundes. In der ersten Runde ist die Uni bereits mit zwei Anträgen auf Exzellenzcluster dabei, über die am 13. Oktober entschieden wird. Die beiden nun vorbereiteten Papiere sollen zu einem Vollantrag in der zweiten Runde führen.

Rektor Thomas Bauer erklärt den neuen Vorstoß der Christian-Albrechts-Universität (CAU): "Exzellenz in Forschung und Lehre ist das, was wir anstreben. In der Forschung haben wir unsere Clusteranträge für den Ozean der Zukunft und die Entzündungsforschung auf den Weg gebracht. Nun zeigen wir, was wir in der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses leisten können."

In Graduiertenschulen werden Doktoranden gemeinsam in einem übergreifenden wissenschaftlichen Themenbereich ausgebildet. Hierfür exzellente Bedingungen zu schaffen, die erstklassige Studenten aus der ganzen Welt anziehen und zu eigenen wissenschaftlichen Höchstleistungen anspornen, ist dabei die Aufgabe der beteiligten Professoren und Universitäten.

Die Graduiertenschule "Systeme und Zeiten" besitzt ein breites interdisziplinäres Spektrum, das von den Geisteswissenschaften ausgeht und die Bereiche Naturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Medizin und Informatik einschließt: Das Projekt beschäftigt sich damit, wie sich der alte Begriff der absoluten Zeit zu eigenzeitlichen Ordnungen in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder wissenschaftlichen Systemen und Institutionen wandelt. Die Projektkoordinatoren Christoph Cornelißen (Geschichte) und Siegfried Oechsle (Musikwissenschaft) führen dazu an: "System- und zeitspezifische Aspekte sind unablösbar miteinander verknüpft, wenn es um die wissenschaftliche Betrachtung von Epochen, Kulturen, technischen Innovationen, Computersystemen, zellulären Systemen oder künstlerischen Normen geht. Der Ansatz unseres Projekts ist einzigartig in der gesamten deutschen Hochschullandschaft."

Die Schule "Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Landschaften" betrachtet Landschaft als einen dynamischen Raum von sozialer, kultureller und ökologischer Bedeutung, der sich mit der jeweiligen Gesellschaft verändert. "Hier in Kiel gibt es ein Forschungspotenzial auf diesem Gebiet, wie es seinesgleichen in Deutschland sucht. Es lebt von der Verbindung zwischen Natur- und Kulturwissenschaften", erläutert der Projektkoordinator der Graduiertenschule, der Archäologe Johannes Müller, die Stärken des Kieler Antrags. "Wir können auf ein Netzwerk internationaler Expertise – zum Beispiel von der Klimaforschung und Ökologie über die Altertumswissenschaften und Archäologie bis zur Altersbestimmung im gleichnamigen Leibniz-Labor – zurückgreifen."

Wie schon bei den beiden Exzellenzclusteranträgen setzt die CAU auch bei den Graduiertenschulen auf die Kraft von Netzwerken: Jeweils 25 Wissenschaftler der Philosophischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Technischen, Medizinischen und Agrarwissenschaftlichen Fakultäten stehen hinter den Anträgen. An-Institute, wie das Leibniz-Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und das Archäologische Landesmuseum Schloss Gottorf, sitzen mit im Boot. Beide Kieler Schulen sind jeweils für zirka 60 nationale und internationale Doktoranden konzipiert.

Als Nächstes heißt es für die CAU-Projektpartner erst einmal abwarten: Wenn die DFG die Antragsskizzen positiv beurteilt, wird die Universität im Januar aufgefordert werden, Vollanträge einzureichen. Im Oktober 2007 entscheidet die DFG dann, welche der Bewerberschulen aus ganz Deutschland mit je einer Million Euro pro Jahr gefördert werden.