„Verehrt, verflucht, vergessen“

Titelblatt des Bestsellers "Der Beischlaf", der unter dem Titel "Der Mensch und sein Geschlecht" eines der erfolgreichsten Bücher des 19. Jahrhunderts war.

Die Universitätsbibliothek der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) präsentiert bis Dienstag, 23. Dezember, eine eindrucksvolle Ausstellung über eines der schillerndsten Paare der Französischen Revolution. Sophie und Johann Friedrich Ernst Albrecht, die als „Ara Albrecht“, im kollektiven Gedächtnis der norddeutschen Theatergeschichte präsent blieben, verbreiteten mit dem Altonaer Nationaltheater aufklärerische Ideen. Die Ausstellung zeichnet das Leben und Werk der beiden nach und nutzt dazu wertvolle Erstausgaben, seltene Kupferstiche und neu entdeckte Dokumente. Die Ausstellung ist dem Albrecht-Forscher Hans-Werner Engels (1941 - 2010) gewidmet, aus dessen Sammlung viele der gezeigten Exponate stammen.

„Die Albrechts“

Johann Friedrich Ernst Albrecht (1752 - 1814), der ursprünglich Medizin studierte, trat als literarisches Multitalent in Erscheinung. Seine über 50 Romane und zahlreiche Theaterstücke waren ebenso erfolgreich wie später seine medizinischen Ratgeber, darunter zahlreiche Werke zur Sexualität des Menschen, etwa sein Bestseller „Der Beischlaf“, eines der erfolgreichsten Bücher des 19. Jahrhunderts.

Sophie Albrecht (1756 - 1840) beeindruckte als Verfasserin von Gothic-Novels und Gedichten. Als Schauspielerin war sie berühmt, begeisterte ihr Publikum und ließ vor allem die Herzen ihrer männlichen Zuschauer höher schlagen. So geriet auch Schiller in ihren Bann, wurde ihr Bewunderer und veröffentlichte ihre sehnsuchtsvollen Gedichte in seiner Zeitschrift Thalia. Die von Publikum und Lesern geliebten Albrechts verfluchte die Literaturkritik als „Unterhaltungsautoren“. Von den Behörden wurden sie verfolgt, da vor allem Albrechts von der Zensur verbotene Schlüsselromane über die Herrscher Europas politischen Zündstoff bargen.

Später gerieten die Albrechts in Vergessenheit. Lange Zeit waren sie kein angemessener Forschungsgegenstand für die ausschließlich an „Hochliteratur“ interessierte Wissenschaft. Dabei war ihr Werk wichtige Inspirationsquelle für bedeutende Autoren wie Brentano und Schiller, der im Hause der Albrechts seinen Don Carlos vollendete, oder Komponisten wie den jungen Franz Schubert.

Das Wichtigste in Kürze:

Was: Ausstellung über Künstlerpaar Albrecht

Wann: Seit Donnerstag, 12. November bis Dienstag, 23. Dezember

Wo: Universitätsbibliothek Kiel, Leibnizstraße 9

Zur Ausstellung wird in Kürze ein Begleitbuch veröffentlicht:

„Verehrt, verflucht, vergessen. Leben und Werk von Johann Friedrich Ernst Albrecht (1752–1814) und Sophie Albrecht (1756–1840). Hrsg. von Rüdiger Schütt. Hannover: Wehrhahn-Verlag.

Ausstellungskonzept/ Ansprechpartner:

Dr. Rüdiger Schütt

Universitätsbibliothek

Tel.: 0431 / 880 – 5419

E-Mail: schuett@ub.uni-kiel.de