Verleihung des Datenschutzaudits

Datenschutz für genetische Daten – ein wichtiges Thema, das immer aktueller wird, je mehr sich Industrie, Forschung und Entwicklung mit der Gentechnik in all ihren Varianten beschäftigen. Wäre es da nicht sinnvoll und notwendig, ein Konzept für den Schutz genetischer Daten zu entwickeln, dieses von unabhängiger Stelle überprüfen zu lassen und umzusetzen, bevor mit dem Sammeln und der Auswertung solcher Daten angefangen wird?

Genau zu diesem Schritt hat sich die Schering AG in Berlin für ihren Bereich Pharmakogenetische Forschung entschlossen. Am 24. Juni 2003 wird der Lohn der Mühe geerntet: Vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) wird an diesem Tag das Datenschutzaudit (nach § 43(2) LDSG) für ein Konzept zum Schutz von genetischen Daten in der pharmakogenetischen Forschung verliehen. Empfänger ist das Institut für Informatik der Universität Kiel (Prof. Dr.-Ing. Norbert Luttenberger), das im Auftrag von Schering die Federführung bei der Entwicklung eines umfassenden und nachprüfbaren Datenschutzkonzepts übernommen hat. Beide Partner haben das Konzept in enger Zusammenarbeit kooperativ entwickelt. Die Schering AG plant jetzt, dieses Konzept in ihrem Forschungsbereich Pharmakogenetik (unter Mitwirkung durch die Universität) umzusetzen, um jeden Missbrauch genetischer Daten von vornherein auszuschließen.

Das ULD kommt in seinem Gutachten zu dem Schluss, dass die geplanten technischen und organisatorischen Maßnahmen "die Wahrung des Datenschutzes auch langfristig sicherstellen, […] einen Sicherheitsstandard gewährleisten, der über die bisherige Praxis hinausgeht, und […] geeignet sind, das Vertrauen von Probanden in den langfristigen Schutz der eigenen personenbezogenen Daten im Rahmen der pharmakogenetischen Arzneimittelforschung zu stärken." Das betrachtet man bei Schering als eine gute Basis dafür, die Patienten, die um die Teilnahme an pharmakogenetischen Untersuchungen gebeten werden, vom sachgerechten und geschützten Umgang mit ihren Daten überzeugen zu können.

Das vom ULD entwickelte Angebot zur Zertifizierung von Datenschutzkonzepten bekommt mit der Verleihung dieses Audits an die Universität Kiel und damit mittelbar an die international tätige Schering AG eine über Schleswig-Holstein hinausweisende Bedeutung. Aber auch für Schleswig-Holstein selbst beinhaltet das Datenschutzaudit positive wirtschaftliche Impulse, da an der Konzeptentwicklung und umsetzung nicht nur die Schering AG, die CAU Kiel und das ULD beteiligt waren und sind, sondern auch das Labor für Klinische Forschung in Kiel-Raisdorf (LKF) und die Datenzentrale Schleswig-

Holstein in Kiel-Altenholz (DZ-SH). Die Informatik der Universität Kiel konnte ihre praxisorientierte Arbeitsweise eindrucksvoll unter Beweis stellen und erwartet nun, dass auch andere Stellen, die sich mit genetischen Daten befassen, auf das vorliegende Know-how zurückgreifen.

Der Schutz personenbezogener genetischer Daten hat in der Pharmakogenetik einen hohen Stellenwert. Genetische Daten erlauben in gewisser Weise einen Blick in die Zukunft; so können sie die Prognose bestimmter Erkrankungen ermöglichen, und sie können auch bei der Beantwortung der Frage hilfreich sein, ob mit den vorhandenen Behandlungsansätzen eine erfolgreiche Therapie zu erwarten ist. Die Verantwortung für den Schutz genetischer Daten wird bei Schering sehr ernst genommen. Deshalb hat Schering vor ca. einem halben Jahr die Initiative zur Erarbeitung und Auditierung eines Datenschutzkonzepts ergriffen.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Norbert Luttenberger
Institut für Informatik und Praktische Mathematik
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
0431/880-7291
nl@informatik.uni-kiel.de

Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein
Holstenstraße 98
24103 Kiel
D-24098 Kiel
0431/988-1200
mail@datenschutzzentrum.de

www.datenschutzzentrum.de