Zahnversiegelung sinnvoll?

Die Versiegelung von Zähnen durch Kunststofflack bietet alleine keinen wirksamen Schutz vor Karies. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung an über 400 Schulkindern aus Greifswald, die von Professor Christian Splieth, Leiter der Kinderzahnheilkunde an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, vorgenommen wurde.

In Zusammenarbeit mit Christine Heyduck von der Universität Greifswald konnte gezeigt werden, dass Versiegelungen nur bei geringer Kariesaktivität die Kauflächen wirksam schützen. Bei hoher Kariesaktivität führten Versiegelungen sogar zu mehr Karies. "Wir nehmen an, dass die vom Zahnarzt vorgenommene Versiegelung die Patienten in falscher Sicherheit wiegt und zu einem laxeren Umgang mit der Zahnpflege führt", erläutert Splieth. "Da die Kariesaktivität selber durch den Kunststofflack nicht aufgehalten wird, erreichen wir durch Versiegelungen offenbar eher das Gegenteil des gewünschten Effekts. Parallel zur Fissurenversiegelung müssen also andere Präventionsmaßnahmen wie eine Optimierung der Fluoridnutzung und das Training zu qualitativ guter Mundhygiene durchgeführt werden."

Splieth fordert ein Umdenken: "Die Fissurenversiegelung der bleibenden Backenzähne ist gegenwärtig generell Kassenleistung. Die Indikation sollte aber heute eigentlich risikoabhängig gestellt und die Kosten damit nur bei einigen Kindern erstattet werden. Das eingesparte Geld könnte für eine begleitende Intensivprophylaxe wie beispielsweise Mundhygieneunterweisungen, professionelle Zahnreinigungen oder Fluoridierungen genutzt werden."

Die Kiel/Greifswalder Studie wurde jüngst mit einem Forschungspreis der deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung ausgezeichnet. Der Preis ist insgesamt mit 8.000 Euro dotiert und wurde an drei Projekte vergeben.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Splieth
Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
0431/597-3009
Fax 0431/597-2813
splieth@konspar.uni-kiel.de