Zwei Schriften zum 350. Jubiläum: Mit 18 Professoren fing alles an…

„Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt“
Cover: Wachholtz Verlag, Coverbild: Universitätsbibliothek. Kröger/Dorfmüller

Es ist gute Tradition, Jubilare mit einer würdigen Schrift zu ehren. Diese Tradition soll im 350. Jahr ihres Bestehens für die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gleich zwei Mal hochgehalten werden. Seit heute (Donnerstag, 1. Oktober) erzählen zwei Schriften von der Gründungsgeschichte der einstigen Fürstenschule zu Bordesholm und von ihrer Entwicklung zur modernen Landesuniversität. Im Kieler Rathaus präsentierten die Kieler Universität, die Landeshauptstadt Kiel und der Wachholtz Verlag (Kiel) die Festschrift „350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt“ sowie die kommentierte und erstmals übersetzte lateinische Werbeschrift „Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus“ (Kiel. Holsteins neuer Parnass) aus dem Gründungsjahr 1665.

Kiel und Universität – das gehört zusammen. Da ist sich nicht nur Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer sicher. Die Festschrift zum Universitätsjubiläum und das Werk einer der ersten Professoren der Universität, Caeso Gramm, belegen die historische Verbundenheit der alten Weggefährtinnen. Kämpfer: „Die Universität macht Kiel jünger, klüger und vielfältiger. Kiel und die CAU – das ist eine lebendige Zweierbeziehung mit vielen positiven Effekten in beide Richtungen.“

Rund 100 Professorinnen und Professoren, Studierende, Hilfskräfte sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität und des Wachholtz Verlags wirkten an der über 1000 Seiten starken Festschrift und an der aufwändigen Übersetzung und Kommentierung der Werbeschrift Caeso Gramms mit. „Ihnen allen spreche ich einen herzlichen Dank im Namen der Christian-Albrechts-Universität aus. Sie haben die große Lücke gefüllt, die durch Kriege, Krisen oder politische Umbrüche in der Dokumentation der Universitätsgeschichte entstanden ist“, betonte CAU-Vizepräsidentin Professorin Anja Pistor-Hatam.

Die Geschichte der vergangenen Universitätsjubiläen findet in der Festschrift ebenso ihren Platz wie die Entstehung der Fakultäten, die Universität während der NS-Zeit, eine typologische Beschreibung des Kieler Professors oder Eindrücke von Zeitzeugen der Studentenproteste des Jahres 1968, berichtete der Herausgeber und Regionalhistoriker Professor Oliver Auge. „Fertig und lesebereit“ präsentierte er das mit zahlreichen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen reich illustrierte künftige Standardwerk zur CAU, das im Jahr 2011 seinen Anfang nahm: „Das Besondere an dieser Schrift ist die Vielfalt ihrer Beiträge und unser Wunsch, möglichst viele Leserinnen und Leser abzuholen und auf eine spannende Entdeckungsreise mitzunehmen. Die einzelnen Aufsätze befassen sich gleichermaßen mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Landesuniversität in ihrem Wirken in der Stadt Kiel, im Land Schleswig-Holstein und in der Welt. Ihre Verfasserinnen und Verfasser kommen aus der der Professorenschaft, der Landes- und Kommunalpolitik, aus dem Kreis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Wissenschaftsbetrieb und in der Verwaltung sowie aus der Studierendenschaft. Sie richten den Blick auf die Menschen und die Institutionen der Universität, auf ihre Sammlungen und ihre Exzellenz, auf ihre internationalen Beziehungen.“

Ebenso alt wie die Universität selbst ist ihre erste Werbeschrift, die vom Kieler Professor Caeso Gramm, einem der 18 Gründungsprofessoren, 1665 in lateinischer Sprache veröffentlicht wurde. Unter dem Titel „Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus“ (Kiel. Holsteins neuer Parnass) pries er die Vorzüge der Region, der Stadt Kiel und ihrer Alma Mater in den leuchtendsten Farben, um Studenten und Professoren nach Kiel zu locken. Herausgegeben und übersetzt von dem Latinisten Professor Thorsten Burkard und dem Studenten der Klassischen Philologie Marvin Harms erscheint die kommentierte Werbeschrift jetzt erstmals in deutscher Sprache. „Der Text hat uns herausgefordert, neue Erkenntnisse über Land und Leute gebracht und bedauerlicherweise so manches Rätsel für sich behalten“, beschreibt Burkard die Arbeit am „Parnassus“, die er gemeinsam mit besonders engagierten Studentinnen und Studenten seit 2011 vorangetrieben hat. „Durch die Werbeschrift erfahren wir, wie bedeutend die Gründung der Kieler Universität zur damaligen Zeit war. Ihre Ausstattung bot Professoren wie Studenten, im Vergleich zu anderen Hochschulen, hervorragende Arbeitsbedingungen. Ihre besondere Lage am Meer und die Landschaft Schleswig-Holsteins preist Gramm detailreich an: offenbar damals wie heute ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Studien- und Arbeitsplatzwahl.“ Über die Bedeutung einiger weniger Formulierungen könne das Team um Burkard aber nur Vermutungen äußern, wie beispielsweise über das Stapelrecht, das Kiel im 14. Jahrhundert angeblich verliehen worden sein soll (vgl. Parnassus S.82).

Erschienen sind beide Schriften zum Universitätsjubiläum in dem Kieler Wachholtz Verlag. Mit großer Freude habe er sich mit seinem Team dieser Aufgabe angenommen, sagte Olaf Irlenkäuser, Geschäftsführer des Verlags, und mit gestalterischem Ehrgeiz sei man die Projekte angegangen: „Wir wollten Schriften veröffentlichen, die mit der angemessenen Würde zugleich die moderne CAU darstellen. Daher war die bunte Vielfalt der Festschrift ebenso im Fokus unserer Arbeit wie die bei aller inhaltlichen Ernsthaftigkeit im Kern fröhlichen Aussagen der zweisprachigen, umfangreich kommentierten Werbeschrift. Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, ist Irlenkäuser überzeugt. „Lesbar und lesenswert sind sie beide. Mit historischen Bildern und locker gesetzten Texten ist die Universitätsgeschichte leicht zugänglich und damit in dieser Form wohl einzigartig in ihrer Art.“

Informationsblatt zur Festschrift:

www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-335-festschrift.pdf

Die Inhalte der Festschrift werden der Öffentlichkeit in Form einer Ringvorlesung vorgestellt. Der erste Termin findet am Donnerstag, 8. Oktober, im Ratssaal des Kieler Rathauses statt. Alle Termine unter: www.cau350.uni-kiel.de/ringvorlesung

Informationsblatt zur Werbeschrift, inkl. ausgewählter Zitate:

www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-335-werbeschrift.pdf