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Eine Idee besser

Produktinnovationen sind für Unternehmen überlebenswichtig. Doch welche Idee aus dem Berg an Möglichkeiten ist die vielversprechendste? Die Software des Kieler Gründungsvorhabens IdeaChamp hilft bei der Entscheidungsfindung.

Zwei Männer und eine Frau
© Henning Drews

Unterstützen mit ihrer Software Unternehmen bei der Entscheidungsfindung: Dennis Struck, Laura Röseberg und Gerrit Jochims (von links) vom Start-Up in Gründung IdeaChamp.

Stillstand kann sich kaum ein Unternehmen leisten. Wer langfristig auf dem Markt bestehen will, muss sich und seine Angebotspalette regelmäßig weiterentwickeln. Doch um neue Produkte, Dienstleistungen oder neue Märkte zu generieren, braucht es Ideen – viele Ideen. Welche davon am Ende den großen Erfolg verspricht, lässt sich schwer vorhersagen. Eine Entscheidungshilfe bietet das junge Start-up in Gründung IdeaChamp. Gerrit Jochims, Laura Röseberg und Dennis Struck haben eine Software für mittelständische Unternehmen entwickelt, die hilft, Ideensammlungen zu strukturieren sowie Ideenpotentiale und -risiken zu bewerten.

2019 schlossen sich der Betriebswirt und Innovationsmanager Dr. Gerrit Jochims und die Innovationsmanagerin Laura Röseberg, die beide ihr Studium an der CAU absolviert haben, mit dem Informatiker Dennis Struck zusammen, um das IdeaChamp-Programm auf den Markt zu bringen. Gefördert werden sie dabei durch das EXIST-Gründerstipendium.

Auf das Thema »Probleme bei der Ideenfindung in Unternehmen« war Gerrit Jochims bereits 2014 gestoßen. Der 33-Jährige hatte als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Professor Achim Walter – heute ein Mentor des Teams – am Lehrstuhl für Gründungs- und Innovationmanagement an der CAU gearbeitet und war dort in ein Praxisprojekt involviert. »Wir haben festgestellt, dass viele Unternehmen ähnliche Schwierigkeiten hatten, wenn es um Ideenfindung und Umsetzung geht.« Diese Probleme gibt es in vielen Betrieben noch heute: Die Box für die Vorschläge der Mitarbeitenden, die nicht regelmäßig geleert wird, gehört genauso zu den negativen Beispielen wie das E-Mail-Postfach, um das sich durch Arbeitsbelastung, Krankheit oder Urlaub niemand kümmert. Mitarbeitende erhalten für ihre Vorschläge kein oder viel zu spät ein Feedback. Das hat Folgen für die Motivation, sich mit neuen Ideen einzubringen.

Aufgefallen ist dem IdeaChamp-Team auch, dass in manchen Unternehmen neue Produktideen eher zufällig oder primär nach Bauchgefühl ausgewählt werden. Ein vielleicht noch unklarer Vorschlag werde weniger berücksichtigt als ein fertig ausformulierter. »Insgesamt haben wir festgestellt, dass es vielen Betrieben in puncto Ideensammlung und Bewertung häufig an Struktur fehlt«, erklärt Jochims.

Genau dafür soll nun die Software von IdeaChamp sorgen, die die Unternehmen abonnieren können. Sie bietet Unternehmen eine Plattform, auf der die Mitarbeitenden in der Phase der Ideensammlung ihre Vorschläge in kurzen Steckbriefen skizzieren können. »Das Programm kategorisiert diese Ideen in Bezug auf Fortschrittlichkeit, Neuartigkeit und strategische Wertigkeit«, erklärt Struck. »Das schafft einen einheitlichen Bewertungsrahmen.«

In den ersten Unternehmens-Testläufen haben die Mitarbeitenden im Schnitt rund 70 bis 100 ungefilterte Vorschläge eingebracht, die innerhalb der Plattform bewertet werden. Im zweiten Schritt entscheiden die Unternehmen basierend auf der Bewertung, welche Ideen weiterverfolgt werden sollen. »Dabei kommen rund 15 bis 20 Projekte in die engere Auswahl«, sagt Jochims. Diese Projekte werden im Folgenden genauer ausformuliert und mit Zahlen hinterlegt, damit sich die Unternehmensführung am Ende für die Realisierung von einem oder zwei Projekten entscheiden kann.

Das Konzept sowie die Relevanz der Software haben öffentliche Geldgeber überzeugt. Seit April 2020 wird das Team vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie für 12 Monate über das EXIST-Gründerstipendium gefördert. Im Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) der Kieler Universität arbeiten die drei derzeit an der Umsetzung ihres Gründungsvorhabens. »Das Stipendium ist eine große Chance für uns«, sagt Laura Röseberg. »So können wir die Technologie ein Jahr konzentriert bis hin zur Marktreife weiterentwickeln und parallel Akquise betreiben.«

Autorin: Jennifer Ruske

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